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unterstützt, während die Jünger geschlafen, und bei der Grablegung sind sie ohnedies tätig zugegen. Herr Pfarrer entschuldigte sich überdies noch, daß seine Bestellung nicht geglückt sei wie die von Herrn Konrektor, indem er seinen griechischen Schülerinnen griechische Psalter zugedacht, für welche ihm aber der Buchhändler hebräische geschickt. Sie kämen aber noch. – Ich hab’ Dir das so ausführlich erzählt, weil ich vorhin darauf gekommen und weil es uns so viel Spaß gemacht.

 Unser Betsaal hat zu Weihnachten ein prächtiges Geschenk bekommen. Die Herren hier gaben Herrn Pfarrer ein Pult mit kunstvoller Holzschnitzerei und rotsamtener Kniebank. Es soll das ein Geschenk zum 25jährigen Jubiläum sein, das diesen Sommer war. Aber da hatte sich Herr Pfarrer aufs energischste alles verbeten. Und nun nahm er auch nichts, sondern schickte das Pult gleich dem Betsaal samt dem griechischen Testament, das darauf lag.

 Am Silvesterabend waren die Diakonissen mit den Freunden vom Dorf im Pfarrhaus, wo Punsch getrunken und Süßigkeiten gegessen wurden, aber auch allerlei Gutes geredet wurde. Mit dem ersten Schlag 12 Uhr stimmten die Sängerinnen, ohne daß die übrige Gesellschaft etwas wußte, das Lied: „Nun lob mein Seel“ etc. an.

 ...Heute ist Herr Pfarrer zu unserm Kummer etwas unwohl. Er hat auch die Feiertage gar zu viel geredet. Gott wird ja gnädig Schlimmeres abwenden. – Gute Nacht, meine liebste Mutter. Habe Dank für alle Deine Liebe im verflossenen Jahr.

Deine dankbare Theresia.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 6. Mai 1863

 Meine geliebte Mutter, ...am Sonntag Quasimodogeniti war eine Frau Professor Lichtenberg aus Hanau hier, um ihre Tochter heimzuholen. Die sah Dir so ähnlich, daß ich mich deshalb sehr zu ihr hingezogen fühlte. Ich freute mich überhaupt schon seit einem Jahr der Bekanntschaft mit diesem Hause, das eine rechte Hütte Gottes ist. Die Tochter war

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Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 132. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/134&oldid=2950984 (Version vom 10.11.2016)