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An die Mutter.
Neuendettelsau, den 4. März 1866

 Meine liebste Mutter, ...Herr Konrektor hat nun eine Anstellung in Eisenberg als Archidiakonus. Er hat heute in Altenburg gepredigt. Nach Quasimodogeniti wird er weggehen. Mein kleines Patchen gedeiht allerliebst. ...Ich hatte eigentlich vor, in den Ferien, die am 15. März beginnen, auf ein paar Tage nach Nördlingen und Augsburg zu gehen. Aber meine Pläne zerrinnen immer wie der Schnee vor der Sonne. Das Beste ist, daß ich sie mit heiterem Mut zerrinnen sehe. Meine Kinder bleiben alle in den Ferien hier, so kann ich auch nicht fort. Dazu ist’s jetzt in der Passionszeit so gar besonders schön hier. Und endlich drittens hält mich meine kleine ungetaufte Schülerin, der ich in französischer Sprache die großen Heilswahrheiten beibringen muß. Dies Frühjahr noch wird sie getauft werden, wenn Gott seinen Segen gibt. – Sechs Konfirmanden haben wir auch.

 In inniger, dankbarer Liebe

Deine Theresia.


An die Mutter.
Neuendettelsau, März 1866?

 Liebste Mutter, wir sitzen, seit Herr Pfarrer bei uns ißt, immer so lange bei Tisch. Da kann ich viel nähen. – So schön ist’s jetzt bei uns. Diese heilige Woche wird ganz besonders gefeiert. Alle drei Stunden, von früh 6 Uhr an, erschallt unser Glöcklein und gibt das Zeichen, daß wir einige Minuten die Arbeit beiseite legen und an das Leiden unseres Herrn gedenken sollen. ...So mancherlei Schweres gibt’s schon auch unter uns, aber dennoch scheint mir zuweilen mein Glück so groß, daß ich meine, so könne es nicht lange bleiben. Weißt Du, ich meine, es wird auch je länger je friedlicher im eigenen Herzen. Manche Leidenschaft legt sich mit den Jahren und wird von Natur und Gnade zusammen überwunden. Ach, könntest Du am Karfreitag bei uns sein! Aber es ist ja überall schön.

Deine ewig dankbare Tochter Theresia.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 30. April 1866

 Meine liebe Mutter, ...Herrn Konrektor richtete ich Deinen Auftrag aus. Er läßt Dich noch recht schön grüßen. Am

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 156. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/158&oldid=2951009 (Version vom 10.11.2016)