Seite:Therese Stählin - Meine Seele erhebet den Herrn.pdf/215

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

 Marie ist auch bereits sehr glücklich. Sie konnte ihm alles von Polsingen sagen, und er hat auch ein teilnehmendes Herz für ihr Ergehen. Er fragte mich gestern so genau nach ihr – ob sie schon von jeher alles ein wenig schwer genommen hätte etc. Gleich nach Neujahr will er selbst nach Polsingen. O wie froh und dankbar sind wir! Solch eine Zeit des unablässigen Schreiens und Rufens zu Gott wie diesen Sommer habe ich freilich noch nicht erlebt.

 Grüße die Kinder herzlich! Also Freude ins neue Lebensjahr hinein!

Deine Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 25. Juli 1873

 Meine liebste Mutter, zwei liebe Briefe von Dir habe ich immer noch nicht beantwortet, und Du wirst gar nicht wissen, was Du nur von Deiner vorjüngsten Tochter denken sollst. Aber sie lebt und ist gesund und frisch, wenn auch natürlich das zunehmende hohe Alter sich geltend machen will. Also ich danke Dir für Deine Briefe von Ansbach und von Reutti.

 Vom 2. Juli wird wohl Marie Hauser schriftlich oder mündlich erzählt haben. ...Bald nach dem 2. Juli verreiste Herr Rektor mit Frau Oberin, um in Kempten, Memmingen und Lindau zu visitieren und auch Fräulein Escher in Zürich zu besuchen. Die Reise war vom schönsten Wetter begünstigt, und Herr Rektor, der zum erstenmal die vielgerühmte Schweiz sah, war entzückt über all die Gottesherrlichkeit. Es konnte so eingerichtet werden, daß unsere Vorstände gerade zur Einweihung des neuen Hauses kommen konnten, das Fräulein Escher oberhalb Zürich gebaut und das sie gern auch von Dettelsauer Diakonissen, die der Erholung bedürfen, benutzt haben möchte. Es ist eine so reine, selbstlose Herzensgüte sehr rührend. Das Haus soll ganz entzückend schön sein, freilich auch 200000 fr. gekostet haben. Im Rückweg ging Herr Rektor über Augsburg, damit er dort auch die Freunde kennen lernte. Er hat natürlich dabei immer sehr stark das Gefühl, daß man nun ihn betrachtet, beurteilt etc. Das bringt eben die Neuheit seiner Stellung mit sich. „Ich ließ mich anschauen.“ Es war Paramentenverein bei Fräulein Doris Laible. Da hat auch Ida ihn gesehen. Frau Rektorin holte

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 213. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/215&oldid=2955110 (Version vom 20.11.2016)