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ihnen aus, daß er am andern Tag nach der Christenlehre zu ihnen kommen und mit ihnen das Liedchen singen wolle: „Weil ich Jesu Schäflein bin.“

 Gott behüte Dich, liebste Mutter, es ist wieder so kalt geworden.

Deine dankbare Therese.


An die Kulmbacher Schwestern.
Neuendettelsau, den 2. Juni 1877

 Liebe Schwestern, wir haben arg viel erlebt in der letzten Zeit, da laßt mich halt erzählen, auch auf die Gefahr hin, daß Ihr manches schon wißt. Das ist wohl noch nicht dagewesen in der Geschichte unseres Hauses, daß an drei neuen Häusern zugleich gearbeitet wurde. Zum Blödenbau wurde der Grundstein am 11. Mai gelegt. Da ging es sehr schön und feierlich zu. Wie meisterlich versteht es doch die liebe Kirche, das Wort Gottes auf alles anzuwenden. Wir müssen doch auch in dem Stück recht treue Kirchenkinder werden, daß wir Gottes liebes heiliges Wort allenthalben in unser Leben und Tun mit hereinnehmen und unser ganzes Leben darein legen. – Es war jener 11. Mai der Tag nach Himmelfahrt. Da hielt Herr Rektor eine kurze Ansprache über die Worte: „In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre...“ – Am 22. fand die Grundsteinlegung der Industrieschule statt. Natürlich wurde über die liebe heilige Tabea gepredigt, und außer den üblichen Lektionen wurde ein Stück aus Sprüche 31 gelesen: „Sie gehet mit Wolle und Flachs um, sie streckt ihre Hand nach dem Rocken und ihre Finger fassen die Spindel“. – Heut (es ist stiller Samstagabend) konnte schon das erste Gebälk am Blödenhaus aufgerichtet werden, welche Station natürlich mit Bier und Käse und Brot nachdrücklich bezeichnet wird. Leider gibt es jetzt eine Unterbrechung auf einige Zeit, weil Wenigs Backsteinvorrat ausgegangen ist. Dagegen geht’s im Feierabendhaus sehr rührig zu. Ich sag Dir, Julchen, es muß ein rührender Anblick sein, wenn Du einmal, noch gekrümmter als jetzt (!), in solch einem netten Stüble herumhumpelst und stellst Dein Töpfle Kaffee oder sonst was in die Nische der reizenden Öfelein, die eben jetzt gesetzt werden. Wir Blauen trippelten neulich die neugelegte Stiege hinan und sangen

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 233. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/235&oldid=2955124 (Version vom 20.11.2016)