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genannt werden, nicht mehr „Frl. Rehm“), indem es schon längst als ein Mangel erkannt worden war, daß diejenige, die ihre Hände so oft segnend auf Diakonissenhäupter legt, selbst noch nicht ausgesegnet ist.

 Sie trat vor den Altar, begleitet von zwei Diakonissen, kniete da nach einer kurzen Ansprache von Herrn Pfarrer an sie nieder und ließ sich unter herrlichen Gebeten zuerst von Herrn Pfarrer, dann von Herrn Konrektor, dann von Herrn Inspektor die Hände auflegen. An diese Einsegnung schloß sich die von drei anderen Diakonissen an, unter welchen Doris Braun und die oben genannte Margarete Schmieg. Die Ordnung dieser Feier war die gewöhnliche, die Du ohne Zweifel kennst. Das war ein herrlicher Tag, von dem ich wohl noch mehr erzählen könnte, wenn nicht meine Zeit so sparsam zugemessen wäre. Ich darf ja hoffen, daß ich Euch bald recht viel mündlich erzählen kann. Ich freue mich sehr, sehr darauf, Euch wiederzusehen.

 ...Herr Pfarrer gibt uns gegenwärtig ein ganz kostbares Diktat über Kirchengeschichte. Ich werd’s zu Ostern mitbringen...

Deine Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 14. März 1858

 Geliebteste Mutter, Herr Pfarrer – was soll ich von seinem leiblichen Befinden sagen? – Ich weiß nur, daß er noch immer nicht predigen kann und daß man im Hause an allen Enden und Ecken spüren kann, daß er uns fehlt. Er diktiert zwar täglich, oft sehr lange, Kirchengeschichte und gibt damit uns und allen denen, die dies Diktat lesen werden, einen kostbaren Schatz, aber damit wird der frühere persönliche seelsorgerliche Einfluß nicht ersetzt. Mir ist es deshalb gar kein so großer Kummer, wenn ich verschickt werden sollte.

 Ich bitte, daß Sie mich in Ihr herzliches Gebet einschließen, besonders beten Sie für mich um mehr Freudigkeit für meinen Beruf. Wenn es Gottes Wille wäre, möchte ich sehr gern das Lehren mit einem anderen Zweig des Diakonissenberufes vertauschen. Ich sehe wohl ein, daß bei meinem Widerwillen gegen das Lehren auch viel Hochmut ist, indem ich ja nicht

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Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 76. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/78&oldid=2920440 (Version vom 24.10.2016)