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Briefes bei: einem deutschen, dänischen und englischen. Er ist auch schon aufgefordert worden zu predigen, wird sich aber weigern. Er versprach, wo möglich die Sonntagspredigten hieher zu schicken. Richtig ist gestern abend eine selbstgeschriebene Predigt eingelaufen und heute (denn es ist seit Anfang meines letzten Briefes Sonntag geworden) vorgelesen worden. Was bekommt doch die Kirche Herrliches an der Epistelpostille! ...Einmal will Herr Pfarrer auch an uns schreiben, an uns Anstaltsbewohnerinnen...

 Du mußt mir’s nicht übelnehmen, wenn ich Dir einen so zusammengeflickten Brief schicke. Von einem Absatz zum andern ereignet sich so viel Neues, daß mein Schreiben tagebuchartig wird. Unterdes ist Fräulein von Hartlieb hier eingetroffen und hat mir gesagt, daß Ihr meinen Briefinhalt anders wünscht, mehr sich auf unser Leben, auf Tatsachen erstreckend. Es ist mir lieb, daß mir das gesagt worden ist, und ich werde dem Wink nachzukommen suchen. Das, was um einen her vorgeht, wenn’s nicht gerade von besonderem Einfluß ist, hält man oft nicht so wert, niedergeschrieben zu werden, als einige Gedanken aus einer Predigt, die einen soeben ganz hingerissen hat. Übrigens würde sich gezeigt haben, daß meine Briefe während Herrn Pfarrers Abwesenheit samt und sonders von der gewünschten Art gewesen wären...

Deine Therese.


An die Mutter.
Neuendettelsau, den 8. August 1858

 Meine liebe Mutter,... bei unserer lieben Emma Merz geht es in letzter Zeit gar nicht gut. Der Herr Doktor verschrieb ihr gar keine Arznei mehr und sagt, es sei die Auszehrung. Sie sieht auch immer so schlecht aus und muß beinahe den ganzen Tag im Bett liegen.

 ...Heute morgen erhielt ich Briefe von Herrn Korhammer. ...Er hat 10 Gulden für den Betsaal beigelegt, für den ich bei allen opferwilligen Leuten betteln möchte, da er ohne Schulden gebaut werden soll. Nächsten Donnerstag wird mit großer Feierlichkeit der Grundstein gelegt werden, dann eine Fahne mit schwarzem Kreuz und der Inschrift: Oremus!

Empfohlene Zitierweise:
Therese Stählin: Meine Seele erhebet den Herrn. Verlag der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1957, Seite 86. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Therese_St%C3%A4hlin_-_Meine_Seele_erhebet_den_Herrn.pdf/88&oldid=2951027 (Version vom 10.11.2016)