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vollkommen gewachsen, wie sich jetzt zeigte. – Aber auch Doktor Pinkemüller tat nur so, als ob er wie die anderen schliefe. Sein Forscherinteresse war geweckt. Als nun der Innenhof des Tempels genügend hell war, um sich den Zwerg genauer ansehen zu können, erhob er sich leise und ging nach der Stelle hinüber, wo der kleine, dunkelhäutige Mensch noch immer regungslos lag.

Der Zwerg war in ein hemdartiges, grobgewebtes Oberkleid gehüllt, das durch einen verknoteten Lederriemen zusammengehalten wurde. An den Füßen trug er plumpe Sandalen, deren Lederbändsel endlos lang und bis zum Knie eng und kreuzweise um die Beine geschlungen waren. Das lange, schlichte, schwarze Kopfhaar war über der Stirn zu einem Schopf vereinigt, in dem als Schmuck die krummen Schnäbel von Aasgeiern steckten. Das Gesicht war dunkelbraun, bartlos und von tiefen Falten wie von Schnitten durchfurcht, die Züge aber von geradzu abstoßender Häßlichkeit, dabei jedoch keineswegs etwa von tierischer Wildheit. In dem Ledergürtel hatte der kaum 130 Zentimeter große Zwerg ein Messer aus Feuerstein stecken. Im übrigen trug er nichts weiter bei sich.

Während Traugott Pinkemüller noch den kleinen Fremdling prüfend beschaute, schien es ihm so, als hätte dieser für einen Moment die Augen etwas geöffnet. Auch der kluge Treff, der neben seinem Herrn stand, knurrte plötzlich. Bis dahin hatte er von dem winzigen, mageren Zwerge kaum Notiz genommen.

Auch der Ingenieur Tümmler hatte keinen Schlaf finden können und gesellte sich gerade jetzt zu Pinkemüller, der sofort die Gelegenheit zu einem kleinen Vortrag über Zwergvölker wahrnahm, indem er davon ausging, daß diese winzigen Vertreter des Menschengeschlechts besonders häufig in Afrika, aber auch in Südamerika anzutreffen wären. – „Wir hier sind nun außer dem Engländer Malfeat“, fuhr er fort, „wahrscheinlich die ersten Europäer, die einen Muka Lari, wie die Araber in ihren Märchen dieses sagenhafte Zwergvolk nennen, zu Gesicht bekommen. Malfeat hat wenig Glauben in der Gelehrtenwelt gefunden, als er in seinem Reisewerke „Von Babylon kreuz und quer allein durch Arabien“ behauptete, er

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W. Belka: Unter den Muka Lari-Zwergen. Verlag moderner Lektüre G.m.b.H., Berlin 1916, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Unter_den_Muka_Lari-Zwergen.pdf/24&oldid=- (Version vom 1.8.2018)