Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/192

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Stelle gefahren, wo die Kirche jetzt steht. Es blieb dem Missionar nichts übrig, als sich dem Willen der Ludki zu fügen und an der betreffenden Stelle den Neubau zu beginnen, welcher ohne Störung ausgeführt werden konnte.

Cottbus.     
61.

Die Ludki wurden, wenn sie um ein Backfass baten und man verweigerte es ihnen, sehr böse, sie warfen den Leuten, welche das thaten, Steine vor die Thür.

Sachsendorf.     
62.

Einst gingen die Schulkinder aus einem Dorfe, nicht weit von Peitz, nach Hause. Die Eltern von einigen dieser Kinder wohnten in einer gewissen Entfernung vom Dorfe; so kam es, dass diese Kinder bei einem Feld vorüber kamen, auf welchem Mohrrüben standen. Da sahen sie plötzlich einen Ludk, welcher Rüben aufzog. Die meisten Kinder liefen erschreckt davon, als sie den kleinen Mann erblickten, nur ein Knabe warf mit Sand nach dem Ludk, schalt ihn auch, dass er sich auf fremdem Felde aufhalte. Sogleich erschienen mehrere Ludki, welche auf den Knaben zuliefen; der aber suchte eilig das Weite. Einer jedoch von den Ludkis, welcher einen Besen in der Hand hatte, holte den Knaben ein und schlug ihn damit. Der Schlag mit dem Besen ist für den Knaben von schlimmen Folgen gewesen; denn fortan wuchs er nicht mehr, sondern blieb klein wie ein Ludk.

Peitz.     
63.

Es war einmal eine arme Wittwe, die hatte zwei Kinder, einen Sohn und eine Tochter.

Eines Tages gingen die Kinder in den Wald, um Beeren zu lesen, aber als es Abend war, verirrten sie sich, so dass sie sich nicht mehr nach Hause fanden. Da sprach das Mädchen zu dem Knaben: „Klettere auf einen Baum und siehe, ob Du irgendwo ein Licht erblickst.“ Da kletterte der Knabe auf einen Baum und sagte: „In der Ferne ist ein Licht, aber das ist sehr weit; komm’ auch auf den Baum, wir wollen hier oben übernachten. Morgen früh wollen wir dorthin