Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/193

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gehen, wo ich das Licht sehe, dort müssen Menschen wohnen.“ Den andern Tag gingen die Kinder dorthin, wo des Abends der Lichtschimmer gewesen war; endlich kamen sie an ein kleines Häuschen. Sie machten die Thür auf und traten ein. Da fanden sie eine kleine Küche; auf dem Heerde brannte das Feuer noch ein wenig. Darauf gingen sie in die Stube; dort fanden sie einen langen Tisch, worauf dreizehn Tellerchen und dreizehn kleine Becher standen, auch waren dreizehn kleine Betten dort. Die Kinder besahen sich das Alles, es war Alles sehr zierlich und klein und sie hatten ihre Freude daran. Da sprach das Mädchen zu seinem Bruder: „Gehe Du in den Hof und haue Holz, ich werde unterdessen die Betten machen, die Stube auskehren und Mittagbrod kochen.“ Und sie thaten also.

Gegen Mittag hörten die Kinder auf einmal viele Stimmen; sie versteckten sich aus Furcht davor unter dem Heerde. Da traten auf einmal dreizehn Ludki zur Thür herein; einer aber war darunter, der war grösser als die Uebrigen, das war ihr Oberster. Als die Ludki die Arbeit der Kinder sahen, sprachen sie: „Wer hat uns unsere Betten gemacht, wer hat uns unsern Tisch gedeckt, unsere Stube gekehrt und unser Mittagsessen gekocht?“ Darauf suchten sie so lange, bis sie die Kinder fanden. Der Oberste der Ludki sagte zu ihnen: „Fürchtet Euch nicht, Kinder, kommt vor und erzählt, wie Ihr hierher gekommen seid.“ Die Kinder erzählten Alles so, wie es sich zugetragen hatte, worauf alle Ludki sagten: „Bleibt doch bei uns, das Mädchen soll uns unser Hauswesen besorgen.“ Die Kinder waren damit einverstanden.

Die Ludki gingen tagtäglich in ein Bergwerk, während die Kinder zu Hause Alles besorgten. Es gefiel ihnen recht gut in dem Hause der Ludki. Schon waren sie etliche Wochen dort, als eines Tages eine Kutsche vor dem Häuschen hielt; ein fremder Herr stieg heraus. Der sprach zu dem Mädchen: „Komm mit in die Stadt, Du sollst dort Dein Glück machen.“ Aber das Mädchen sagte: „Nein, ich komme nicht mit.“ Da wurde der Mann böse, nahm eine Nadel und stach sie dem Mädchen in den Kopf, worauf dasselbe todt umfiel. Mittags kamen die Ludki nach Hause und