Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/198

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auf die kleine Schüssel mit Hirse und wartete bis der Ludk kam. Als aber der Ludk das Röckchen und das Käppchen sah, lachte er höhnisch auf und sagte: „Genug geschenkt und doch noch nicht genug geschenkt.“ Darauf verschwand er. Seit dieser Zeit ist er nicht wieder gekommen.

Vetschau.     
66.

Wenn eine Frauensperson heimlich geboren und ihr Kind bei Seite gebracht hat, so erscheinen ihr die Ludki und peinigen sie.

Berge.     

67.

In Seeritz war einmal die Vogtsfrau mit noch mehreren andern Weibern nach der Wiese gegangen, um Heu zu machen; sie hatte ihr Kind mitgenommen und dasselbe bei einem Heuhaufen auf ein Grastuch hingelegt. Als die Weiber eine Weile geharkt hatten, hörten sie auf einmal eine zarte Stimme rufen: „Nimm auf das Wickelkind, Du stösst an den Dorand.“ Die Frauen sahen von der Arbeit auf und erblickten in der Ferne eine Menge Ludkis, welche etwas Schweres trugen. Bevor noch die Frauen recht wussten, was das eigentlich bedeute, sagte eine alte Frau: „Vogten, am Ende ist gar Euer Kind vertauscht.“ Und so war es. Als die Frauen nach dem Heuhaufen hinkamen, lag ein Wechselbalg auf dem Grastuche. Das richtige Kind hatten die Ludki gestohlen.

Seeritz.     

68.

In Alt-Zauche war eine arme Tagelöhner-Frau, die ging eines Tages auf das Feld; sie nahm auch ihr kleines Kind dorthin mit. Das Kind wurde von den Ludkis vertauscht. Das untergeschobene Kind sprach nicht, konnte auch nicht gehen, sondern blieb immer in seiner Wiege liegen, und die Leute mussten es füttern. Wenn nun die Leute auf Arbeit gegangen waren und des Abends nach Hause kamen, so fand es sich, dass stets das beste Essen im Hause weg war; Niemand aber dachte daran, dass das Kind in der Wiege Alles aufgegessen haben könnte. Da kochte die Frau eines Tages Fleisch, stellte den Topf auf den Heerd und sagte heimlich zu ihrem Manne: