Seite:Veckenstedt - Wendische Sagen, Märchen und abergläubische Gebräuche.pdf/199

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„Wir wollen die Stube zuschliessen und so thun, als wenn wir auf Arbeit gehen, in Wirklichkeit aber wollen wir sehen, wer das Fleisch aufisst.“ Darauf gingen sie fort, stellten sich unter das Fenster und sahen von draussen, wie das Kind aus der Wiege aufstand, rasch nach dem Heerd ging und das Fleisch aus dem Topfe nahm. „Siehst Du,“ sprach nun die Frau zu ihrem Manne, „das Kind ist kein gewöhnliches Kind, wie ich längst geahnt habe, den Wechselbalg werden wir nimmer los. Wir wollen doch einmal sehen, ob er auch sprechen kann.“ Den andern Tag kochte die Frau ein Stück Leder und stellte den Topf wieder auf den Heerd. Darauf schlossen die Leute ihre Stube wiederum zu und gingen unter das Fenster, um dort zu lauschen. Der Wechselbalg kletterte aus seiner Wiege, lief zum Heerd und griff mit der Hand in den Topf; als er das Leder sah, sprach er: „Aha, heute giebt es Schuhsohlen.“

Alt-Zauche.     
69.

Die Ludki sollen oft gesagt haben: „Es wird eine Zeit kommen, in welcher grosse Essen dampfen und feurige Wagen herumrollen werden. Unsere Zeit ist um, denn nicht nur hierin, sondern auch in allen übrigen Dingen wird die Welt weiter fortschreiten.“

Forst.     
70.

In der Nähe von Straupitz befindet sich ein Berg, welcher Binussensberg heisst. Die Ludki, welche darin wohnten, holten sich alle Wochen ein Backfass und gaben dafür den Leuten, wenn sie es zurückbrachten, ein Brödchen. Als die Glocken, welche sie Brumacken nannten, in Straupitz geläutet wurden, sind sie ausgewandert.

Straupitz.     
71.

Als in Cottbus zuerst die Glocken geläutet wurden, riefen die Ludki: sgubila, sgubila, d. h. wir sind verloren – und liefen erschreckt davon. Von diesem Ausruf soll Guben seinen Namen erhalten haben.

Cottbus.