Seite:Wider das Schulelend.pdf/22

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Freiheit. Die Grundgedanken, welche Fröbel unter sorgfältiger Bezugnahme auf die Psyche des Kindes und deren Entwicklung eingeführt hat, werden in mannigfaltigster Weise je nach persönlicher Begabung und Neigung variiert, und die Lehrerin muß als die beste angesehen werden, die diesen Rahmen mit möglichst eigenem Inhalte zu erfüllen weiß. Aber auch hier hat sich auf dem Wege der natürlichen Auslese ein sehr übereinstimmendes Verfahren ausgebildet, welches eben die gegenwärtige Summe erziehlicher Erkenntnis auf erfahrungsmäßiger Grundlage darstellt, die durch die gemeinsame Arbeit der Begabtesten zusammengebracht worden ist. Auch hier darf man das Erreichte nicht für den Höchstpunkt halten, der überhaupt denkbar ist; vielmehr wird jede original begabte Lehrerin stets an die Möglichkeit eines weiteren Fortschrittes denken, und falls ihr eine solche in den Sinn kommt, sie an ihren Zöglingen versuchen. Ich glaube nicht, daß diese einen Nachteil erfahren werden, selbst wenn ein derartiger Versuch sich hernach als unzweckmäßig erweist. Unter allen Umständen ist die Aufklärung des Problems durch eine solche Erfahrung für alle übrigen Kinder ein Gewinn, und nach meinen anderweitigen Erlebnissen ist eine Klasse, mit der experimentiert wird, viel frischer und angeregter als eine, die nie die engen Kreise vorgeschriebener Methoden verlassen durfte.

Somit erkennen wir das Lebenselement der Freiheit als die Voraussetzung der guten Entwicklung in diesen beiden so sehr verschiedenen Erziehungseinrichtungen. Ein anderes gemeinsames Element ist die Unmittelbarkeit in der Beziehung zwischen Mittel und Zweck.

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Ostwald: Wider das Schulelend. Akademische Verlagsgesellschaft m.b.H., Leipzig 1909, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wider_das_Schulelend.pdf/22&oldid=- (Version vom 1.8.2018)