Seite:Wider das Schulelend.pdf/26

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Beanspruchungen bereit macht. Erzwungene Anstrengung hat solche Erfolge nicht, und widerwillig ertragene Beanspruchung stärkt den Organismus nicht, sondern schwächt, ja zerbricht ihn.

So kommen wir wieder auf den gleichen energetischen Gesichtspunkt zurück. Es ist nicht schwer, zu zeigen, daß sich die gesamte Richtung der gesamten menschlichen Kultur in die Formel zusammenfassen läßt, daß sie die Umwandlung der rohen oder natürlichen Energien in menschliche Nutzenergie mit dem höchsten Güteverhältnis anstrebt. Auch der Lehrer hat sich dieser Kulturaufgabe bewußt zu werden und seine Arbeit an der Seele des werdenden Menschen mit dem höchsten Güteverhältnis auszuführen. Jeder äußere Zwang vermindert dieses Güteverhältnis notwendig und unvermeidlich, denn er verbraucht Energie seitens des Zwingenden und seitens des Gezwungenen; sind beide dagegen einig über ihre gemeinsame Arbeit, so wird umgekehrt die höchste Leistung erzielt, die überhaupt möglich ist.

Damit befinden wir uns bereits inmitten unserer heutigen Aufgabe. Indem wir uns bemüht haben, festzustellen, was noch an unserem Erziehungswesen gut ist, und warum es gut ist, haben wir den Maßstab gewonnen, um auch alles übrige daraufhin zu prüfen, ob es gut ist. Und was uns bereits die unvertiefte Beobachtimg sagt, wenn wir mit Kummer im Herzen unsere Kinder an ihren Schulaufgaben sitzen sahen, die sie müde und unlustig erledigten, der Not gehorchend, nicht dem eigenen Trieb, wenn wir feststellen mußten, daß sie im Laufe der Schulzeit

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Wilhelm Ostwald: Wider das Schulelend. Akademische Verlagsgesellschaft m.b.H., Leipzig 1909, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wider_das_Schulelend.pdf/26&oldid=- (Version vom 1.8.2018)