Seite:Wider das Schulelend.pdf/27

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immer lebensunkräftiger imd lebensverdrossener wurden, statt sich zu frischen, frohen, starken Menschen zu gestalten, dafür finden wir nun auch das zusammenfassende Wort. Die Schule, insbesondere die mittlere[WS 1] Schule, geht nicht so mit den Energien unserer Kinder um, daß diese sich steigern, wie es ihrem Alter entspricht, sondern so, daß sie frühzeitig erschöpft werden. Und wir sehen, daß unsere Schule an Haupt und Gliedern krankt, an der Methode der Erziehung, und an ihrem Inhalte.

Was ist die Aufgabe aller Erziehung und somit auch Aufgabe der Schule? Ich finde keine bessere Antwort, als die folgende. Wir erziehen unsere Kinder dazu, daß sie unsere Kultur nicht nur übernehmen, sondern sie auch zu weiterer Höhe steigern können. So wird eine jede Zeit ihren Nachwuchs zu ihrer Kultur erziehen. Ein Volk, das sich noch auf der kriegerischen Entwicklungsstufe befindet, wird seine Knaben solchen Einflüssen aussetzen, daß die kriegerischen Eigenschaften eine möglichst günstige Entwicklung erfahren, während alle Eigenschaften, die einer solchen Entwicklung Hindernisse bereiten würden, verdrängt, ja bestraft werden. Ein Volk dagegen, dessen Existenz in erster Linie auf geistigen Leistungen beruht, wird der geistigen Ausbildung einen entsprechend hohen Wert zuschreiben und seine Kinder in solcher Richtung erziehen. Hieraus geht zunächst hervor, daß es materiell sehr verschiedene Erziehungsziele gibt, und daß es sich unter gegebenen Bedingungen darum handelt,

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: mitttlere
Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Ostwald: Wider das Schulelend. Akademische Verlagsgesellschaft m.b.H., Leipzig 1909, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wider_das_Schulelend.pdf/27&oldid=- (Version vom 1.8.2018)