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mir, das ist in meinem Fleische, wohnt nichts Gutes!“ Darf St. Paulus solches von seinem Fleische reden, so wollen wir auch nicht besser, noch heiliger sein. Daß wir’s aber nicht fühlen, ist so viel desto ärger: denn es ist ein Zeichen, daß es ein aussätziges Fleisch ist, das da nichts empfindet, und doch wütet und um sich frißt. Doch, wie gesagt, bist du so gar erstorben, so glaube doch der Schrift, so das Urteil über dich spricht; und in Summa, je weniger du deine Sünden und Gebrechen fühlest, je mehr Ursache hast du, Hilfe und Arzenei zu suchen!“


7.
II. Beweis.
b. aus der Welt Bosheit.

 Weiter sagt Luther:

 „Zum andern: siehe dich um, ob du auch in der Welt seiest, oder weißt du es nicht, so frage deinen Nachbarn darum. Bist du in der Welt, so denke nicht, daß es an Sünden fehlen werde; denn


    wer weiß, wie viel böse Früchte du im Geheimen schon getragen hast, was die Wände und Nächte von dir zu erzählen haben? Wer weiß, ob du nicht schon oft die Früchte getragen hast, die du nur leugnest, eben weil du sie nicht anders zu verdecken weißt. Es bleibt dabei: „Gott kennt dein Fleisch besser, als du selbst!“ Wie denn geschrieben steht: „Wer kann das Herz ergründen? Ich, der HErr, kann das Herz ergründen und die Nieren prüfen.“ (Jerem. 17, 9. 10.)

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 14. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/16&oldid=- (Version vom 17.7.2016)