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sie drücken, beichtet es, weil es nach Absolution hungert und dürstet; die Sünden, welche es außerdem weiß, obwohl es auch ohne besondere Absolution des Hirten deren Vergebung glaubt, beichtet es, wegen der unter b. angegebenen Gründe um so leichter; denn wer seine drückenden, d. i. schweren Sünden wagt zu bekennen, dem ist es ein kleines Wagnis, die übrigen, ihm bewußten, leichteren zu sagen.

 Die Sache verhält sich einfach so: einen Menschen drückt eine Sünde; er möchte ihrer Qual ledig gehen; er eilt zu seinem Beichtvater und klagt ihm seine Bosheit; der Beichtvater prüft nach der heiligen Schrift die Sünde, dann das Gemüt des Beichtenden, ob demselben auch nach des HErrn Sinn Vergebung gesprochen werden könne. Findet er, daß es also ist, so beweist er mit Sprüchen der Schrift, um das Herz aus dem Verzagen zu heben, daß Absolution gesprochen werden dürfe, – und wenn nach empfangener Absolution das Herz des Absolvierten in Liebe zu Gott und seinem Sohn und Geist brennet, so zeigt der Beichtvater dem liebenden Herzen, welcher Weg nun der sei, auf welchem die vorige Sünde am leichtesten vermieden, die Liebe zu Gott am leichtesten geübt werden könne. Er thut auch das Letztere mit Beweis aus der Schrift und wird so ein heilsamer Arzt der Seelen, zu welchem der Absolvierte, wenn ihn wieder eine Sünde drückt, mit Vertrauen und Verlangen auch wieder eilen wird. Ohne Beichte hingegen würde solcher Segen schwerlich gelingen.

Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 38. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/40&oldid=- (Version vom 17.7.2016)