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welchem ein schönes Haus geschenkt worden, der es nicht wollte im Bau erhalten, ließe ihm allenthalben ins Dach regnen, besserte es nicht und ließe es endlich gar einfallen. Also ist es schlimm gehauset, wenn man den eingerissenen Ärgernissen nicht wehrt und die Kirche nicht durch gute Zucht erhalten wollte. Äcker, die lange wüste gelegen, baut man; warum sollte man nicht auch die gefallene Kirchendisziplin nicht wieder aufrichten?“

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 Indes ist jetzt wie damals, und damals wie jetzt mit Luther über der Kirche Lauheit und Ungehorsam zu klagen. Der Löseschlüssel ist abgeführt und abgewetzt in den Händen unheiliger Lehrer: der Bindeschlüssel ist verrostet und hängt an ihrem Gürtel nicht als eine Zier, sondern als eine alte Klage und Schmach, die in ihrer ganzen Schwere an jenem Tage laut werden wird. – Aber: „Narratur fabula furdo!“ (Man predigt tauben Ohren!“) Es werden die Laster, deren sich auch die Heiden geschämt, ohne Scheu und Strafe begangen. Aus der Kirche Gottes macht man eine Mördergrube, Gottes Name wird stinkend gemacht, Falschgläubige von unsrer Religion abgeschreckt, der Bann wird nicht weggethan; sondern als die wilden Pferde will man sich nicht besser zäumen, als die Unsinnigen zerreißt man alle Bande, als die Cyklopen[1] stürmt man Gott Seinen Himmel. Je mehr


  1. Soll wohl heißen Titanen.
Empfohlene Zitierweise:
Wilhelm Löhe: Einfältiger Beichtunterricht für Christen evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. Kommissionsverlag der Buchhandlung der Diakonissenanstalt, Neuendettelsau 1900, Seite 87. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Wilhelm_L%C3%B6he_-_Beichtunterricht_(4._Auflage).pdf/89&oldid=- (Version vom 17.7.2016)