Seite:Wilhelm Löhe - Lebenslauf einer heiligen Magd Gottes aus dem Pfarrstande 2 Aufl.pdf/17

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Kind einsegnete. – Wie freute ich mich damals, wenn ich an allen den Segen des HErrn gedachte. Bereits standen in meinem Fenster blühende Hyacinthen, silberweiße, im schönsten Flor. Ihr Duft brachte mir Erinnerung an den lieben Frühling. Ich bedurfte aber gar keines Frühlings, um mich her blühte Alles! – Kurz nach der Geburt des Jüngsten waren meiner Liebsten Thränen beschieden. Frau Hedwig Zeilinger, welche so oft mit der guten Mutter und Helene den Frieden meines Hauses getheilt hatte, entschlief am Nervenfieber in Frankfurt a/M. Die erste von drei eng verbundenen Seelen fehlte. – – In der Mitte des Monats März erkrankte die gute Mutter. Am Tage, da sie liegen blieb, hauchte sie ihre ganze Sehnsucht in ein Lied aus, und schrieb es, die letzten Züge der segensreichen Hand, in ihr Gedenkbuch ein. Am 21. März verschied sie, wie sanft und friedlich! Die Art, wie Helene den großen Schlag ertrug, gewann ihr meine ganze Seele, wenn ich so von einer Seele reden darf, die sie ohnehin besaß. Ich baute eine Gruft, dahinein stellte man den theuren Sarg. Wie freute sich Helene, daß in derselben noch Platz war für sie und für mich. Eine immerwährende Sehnsucht nach der Mutter blieb Helenen, aber sie ertrug diese Sehnsucht so schön. Ihr freundliches, fröhliches Wesen wurde dadurch nicht im mindesten getrübt. Im Gegentheil, immer heiterer, immer edler, immer heiliger, immer selbstverläugnender, immer mehr nur für andere lebend, immer stärker erschien sie mir. Selbst ihr Leib, der anfangs durch das Wochenbette und den Verlust der Mutter gelitten hatte, verjüngte sich. Rüstig und muthig