Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/158

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wird! Es sei denn, daß ER sich erbarme und gebe Seinen heiligen Geist aus Seiner Höhe, so ist eitel der Menschen Dichten – auch unser, auch unser Dichten! Erhebe sich keiner, daß er nicht sei, wie Saulus – ist doch auch keiner unter uns, wie Paulus! Viele unter uns waren in vorigen Zeiten in ihrem Herzen wider die Jünger des HErrn so wütend, wie Saulus, um zu sein, wie Saulus, fehlten ihnen nur die Vollmachtsbriefe, die jener hatte, und der Feuereifer, den der eine hat, der andere nicht. Manche unter uns sind noch, wie Saulus: ihr Herz voll Grimm gegen die verhaßte uralte Lehre der Wahrheit und gegen den Christus, der mitten unter den Gemeinden wandelt, denken sie nicht an Bekehrung, nicht an Gebet – ach! ohne Gott, von wildem Haß gegen das Himmelreich verzehrt, gehen sie dahin, schaden dem Reiche Gottes im Grunde nie, denn ein Verfolger macht hundert Bekenner, nur sie selbst haben die Qual in ihrer Brust! –

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 O nur getrost, ihr Feinde des Evangeliums! Aus Stephanus’ Tod wird Saulus geboren! Nur Geduld! Noch ist nicht aller Tage Abend geworden, noch ist nicht jede Sonne untergegangen! Die Hand des HErrn ist nicht zu kurz! Arme, geliebte Feinde meines HErrn, die ihr so traurig in der Versammlung des Hauses Gottes steht, wie Satan, da er unter der Versammlung der heiligen Engel vor Gott trat, Hiob zu verklagen! Ihr betet nicht zu JEsu und Seinem Vater und Seinem Geiste: „Zu uns komme Dein Reich!“? Wohlan! Wisset, daß zu Saulus das Reich Gottes kam ohne sein Gebet, wie auch Luther in der zweiten Bitte jauchzt: „Das Reich Gottes kommt wohl ohne unser Gebet.“ Wer steht euch dafür, daß ihr noch als Feinde heimgeht in einer Stunde, hie Schwert des HErrn und Gottes Wort, das da tötet alle Feindschaft und füllt die Seelen vormaliger Feinde mit heiliger, brünstiger JEsusliebe! – Feinde JEsu! Ihr erwählt euch etwas anderes, als den König mit der Dornenkrone! Euch ist ER zu klein, und ihr dünkt euch zu groß, als daß ihr euch eines leidenden und sterbenden Heilandes und Königs für bedürftig hieltet! Aber wisset ihr, was da spricht der Dorngekrönte, in dessen Händen die Welt und ihre