Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/270

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Christ gewesen oder man hat aufgehört, es zu sein! Wehe, dies Rühmen ist verderblich und hat im Reich des HErrn nur einen Fluch.


II.

 Von allem diesen Rühmen ist die heilige Kirche fern, welche vielmehr mit dem heiligen Apostel Paulus spricht: „Es sei ferne von mir rühmen, denn allein von dem Kreuze unsers HErrn JEsu.“ Wenn man vom Kreuze Jesu spricht, so meint man natürlich nicht, daß man jenen Pfahl ehren will, an welchem der HErr gestorben ist, sondern Ihn selbst, den HErrn, den man aber deswegen insbesondere rühmt, weil ER sich nicht geschämt, weil Ihn die Liebe zu uns gedrungen hat, für uns den schmachvollen Tod des Kreuzes zu sterben, weil ER durch Seinen Tod am Kreuze für uns alle Strafen unserer Sünden gebüßt und uns allen ewige Belohnung des himmlischen Reichs erworben hat, ja nicht des himmlischen Reichs allein, sondern auch des irdischen, der Erde. Weil nun Christus alles gethan, was wir, so nötig es zu unserm Heile war, dennoch nicht haben thun können, so nehmen wir alle Ehre, allen Ruhm, welchen die Welt sich selbst und ihren Nichtigkeiten beilegt, und flechten dem Gekreuzigten daraus einen Ehrenkranz, ja, wir werfen uns selbst zu Seinen Füßen, höchst begierig, selbst etwas zu werden zur Ehre und zum Lobe Seiner herrlichen Gnade. Ja, wir erkennen es, daß die ganze Welt nur etwas ist, Seine Ehre zu mehren, und ein Loblied des Lammes zu singen, welches am Kreuze sich in heißer Liebe für uns geopfert hat. Die heilige Kirche, die hier streitet, ist zwar noch ferne von der Heiligkeit jener triumphierenden Kirche, die aus Engeln und verklärten Menschen im Reich der Ewigkeit zu Gottes und Seines Lammes Ehren dient; aber, so weit wir von ihr entfernt sind, ist doch der Kirche Meinung, der streitenden, eine und dieselbe mit der der triumphierenden, und spricht sich aus in einem Liede: „Das Lamm, das erwürgt ist, ist würdig, zu nehmen Kraft und Reichtum und Weisheit und Stärke und Ehre und Preis und Lob! Lob und Ehre und Preis und Gewalt von Ewigkeit zu Ewigkeit!“ Offb. 5, 12. 13.