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und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt ihr auch euch untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe Ich euch gegeben, daß ihr thut, wie Ich euch gethan habe.

JEsu Christi Demut.

 Diese Demut und Hoheit Christi finden wir vornehmlich in folgenden Worten unseres Textes angedeutet: „ER wußte, daß Ihm der Vater hatte alles in Seine Hände gegeben, und daß ER von Gott gekommen war und zu Gott ginge, und stand vom Abendmahl auf, legte Seine Kleider ab und nahm einen Schurz und umgürtete sich. Danach goß ER Wasser in ein Becken, hob an, den Jüngern die Füße zu waschen und trocknete sie mit dem Schurz, damit ER umgürtet war.“ Nach dem Sinn dieser Worte vornehmlich, jedoch auch mit Herbeiziehung des übrigen Textes handeln wir heute zuerst von der Demut JEsu, sodann von Seiner Hoheit.


I.

 Wenn wir von der Demut JEsu handeln, so müssen wir Seine Majestät und Hoheit voraussetzen. Denn nur der, der groß ist oder sein könnte und lieber klein wird, ist demütig und kann es allein sein. Von der Demut des Sünders, der da nichts ist, dessen Demut allein darin besteht, daß er sich nicht einbilde, etwas zu sein, sondern anerkenne, daß er nichts, ja weniger als nichts, ein schuldbeladener Sünder ist, von dieser Armensünderdemut handeln wir heute zunächst nicht.

 Indem wir also von der Demut des hochgelobten Gottessohnes handeln, haben wir dabei immer schon Seine angeborene und von Ewigkeit her Ihm beiwohnende Herrlichkeit in Gedanken. Diese Demut des HErrn aber erweist sich

 1. im Fußwaschen selbst. Dies Fußwaschen war ein Dienst der Sklaven. Indem nun der HErr Seinen Jüngern die Füße wäscht, macht ER sich gleichsam zu ihrem Sklaven. Wenn alles wäre, wie es nach unserm Verstande sein sollte, so müßte der Schlechtere dem Besseren dienen, der Herrschende