Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/282

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nicht im tiefsten Thale der Demut angelangt zu sein. Aber das Fußwaschen des HErrn, von dem unser Text redet, hat einen heimlichen Sinn, und dieser heimliche Sinn enthüllt uns die tiefste Demut des HErrn. „Was Ich thue, das weißt du jetzt nicht,“ sprach der HErr zu Petrus, da dieser sich die Füße nicht wollte waschen lassen, und deutete mit diesen Worten auf den heimlichen Sinn Seines Waschens. „Werde Ich dich nicht waschen, so hast du kein Teil mit Mir!“ spricht ER weiter zu demselben Petrus, und macht unsere Seelen damit höchst begierig, Sein Waschen und Fußwaschen zu verstehen. Denn wenn, wer nicht gewaschen wird, kein Teil mit Ihm hat, so müssen wir, die wir nicht mehr leiblich von Ihm gewaschen werden können, und dennoch an Ihm teil zu haben begehren, den Sinn Seines Waschens zu erfahren, ja die Waschung zu erlangen suchen, so lieb uns unsere Seligkeit ist, welche wir nicht erlangen können, wenn wir kein Teil an Ihm haben. Es muß ein geistliches Waschen geben. Wenn die Demut JEsu im leiblichen Waschen schon so schön ist, so muß sie noch viel schöner, zur Anbetung hinreißend sein im geistlichen Waschen, und wir müssen diese Demut umsomehr zu verstehen trachten, weil darin unser Teil an Ihm, unser Teil am ewigen Leben begründet ist. Wohlan denn, Brüder, schenkt mir ferner eure Aufmerksamkeit. Ich will euch nun, nach der Gnade, die mir Gott geben wird, den geistlichen Sinn des Fußwaschens und Waschens auslegen. Ich sage absichtlich, des Waschens und Fußwaschens, denn das Waschen geht auf den ganzen Leib, den ganzen Menschen, das Fußwaschen nur auf einen Teil desselben.

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 a) Soll es ein geistliches Waschen geben, so muß auch unser Geist nötig haben, daß er gewaschen werde; es muß einen geistlichen Schmutz und ein Wasser geben, durch welches wir von diesem geistlichen Schmutz gereinigt werden können. Und allerdings, so ist es. Unser Geist bedarf des Waschens. Der Schmutz, der ihm anklebt, ist die Sünde, welche auch in der heiligen Schrift gar oft einem Schmutze verglichen wird, und das Wasser, womit wir Sünder gewaschen werden, ist Vergebung der Sünden. Denn wem die Sünde ein Jammer