Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/314

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ihm denn von oben herab gegeben. Es macht eben kein Glaube das Herz gewiß und ruhig, als der von Gott geschenkte. Und wir können eben gar nichts, weder das Heil erwerben, noch es in unsre Seele legen. Das Heil stammt von Christo, und wer daran teil erlangen soll, der muß von Christo erst den Glauben selbst ausbitten, denn der Glaube ist das Organ, welcher das himmlische Teil ergreift. Wir können uns nicht einmal selbst den Sinn geben, der auf Gnade harrt, der Christo entgegengeht, der Christum ergreift: er ist nur ein Geschenk von dem Herrn und will erbeten sein. Der Herr aber will einen jeden erhören, der ihn darum bittet. Bitte den HErrn, so kommt ER, so giebt er dir Glauben und im Glauben teil an Seinem Heile. Glaube nicht, daß es ihm zu viel zugemutet sei, daß ER persönlich dich waschen soll, daß es ihm eine Unehre sei, überall im Werke zu sein. Diese Demut muß ER an dir üben, ER muß dir Buße und Glauben geben und die Güter Seiner Gnaden in dir niederlegen, und wenn du, statt Ihn machen zu lassen, statt von Ihm dir alles auszubitten, statt Seiner Hilfe zu harren, dich wehrest wie Petrus, dir von Ihm Barmherzigkeit erzeigen zu lassen, so scheinst du nur demütig und bist im Herzen recht hochmütig, rechter Bettelstolz. Denn wenn Dir das Herz brennt nach einer Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, wenn du sie preisen hörst, als gegeben, und sie preist und siehst sie nicht, bist drüber voll Kummer und Jammer, arm und bloß, und wenn dir dann der selige Geber dieser Gerechtigkeit naht und will dir mit ihr dein Herz beglücken, und du willst dann nicht, so bist du wahrlich bettelstolzer, als ein Armer, der eher Hungers stirbt, als Geschenk annimmt. Ja, wenn du, falls dir Christus, nachdem ER das Wasser bereitet hat, mit demselben auch deine Seele waschen will, und du schreist: „Es ist zu viel! ich darf’s nicht annehmen!“ so gleichst du den Leuten, die in eingefleischtem Stolze keinen Dienst annehmen wollen, weil sie sich nicht gleich machen können, die von niemand Wohlthaten annehmen, um niemandem verbunden zu sein, ja, ja, du bist recht bettelstolz.

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 Einige sehen das ein. Sie haben’s aus Erfahrung, daß der Mensch nicht aus eigener Vernunft an JEsum Christum, Seinen