Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/315

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HErrn glauben oder zu ihm kommen, nicht sich selbst waschen kann, sie wollen von Christo gewaschen sein; aber sie haben einen andern Stolz und Eigensinn, sie wollen dem HErrn in die Art und Weise seines Waschens einreden und wollen Ihm zeigen, wo er anfangen soll, sie zu waschen. Wenn z. B. ein Mensch eine Sünde im verborgenen thut, daß er keinen Zeugen hat, die vergißt er, als wäre Gottes Auge nicht ein Zeuge über alle Zeugen; wenn er aber eine Sünde thut, über welche er ergriffen wird, die schmerzt ihn, auch wenn sie an und für sich gering wäre, mehr, als irgend eine, wenn auch die größte seiner geheimen Sünden, da will er nun zuerst für diese ihm groß vorkommenden Sünden Trost und Frieden haben, während etwa der HErr ihm erst seine wirklich großen, unerkannten Sünden unter die Augen stellen will in ihrer Größe und ihretwegen trösten. ER will Trost geben für die Sünde des Menschengeschlechts, der Glaube will Trost für ein gesprochenes ungläubiges Wort. Der HErr will trösten für die große Sünde des Mißtrauens und der Verzagtheit, und der Glaube will etwa Trost für eine That des Mißtrauens und der Verzagtheit. Wieder andere sind, wie oben schon angedeutet, mit der ganzen Art und Weise seines Waschens unzufrieden: sie wollen nicht das Gewissen rein gewaschen, sondern ganz weggewaschen haben, damit sie seine Regungen nicht mehr spüren; sie sind nicht zufrieden, daß der HErr sagt: „Ihr seid rein um des Worts willen, welches ich zu euch gesagt habe“; sie wollen im Gegenteil gleich eine innere Umwandlung spüren. Sie wollen nicht eine Vergebung der Sünden, sondern eine plötzliche Bekehrung des ganzen Menschen. Sie wollen ernten ohne Saat und wollen Früchte, die nicht gewachsen, sondern hergezaubert sind, nicht nach Gottes heiliger Wunderweise, sondern so, wie ihr hochmütiges Herz es gern hätte. Mit einem Wort, nicht eine Gerechtigkeit des Glaubens wollen sie, die auf Gottes Thron erhoben unantastbar bleibe, sondern eine eigne Gerechtigkeit, eine heilige, reine, damit sie darauf stolz sein könnten. Sie suchen nicht des HErrn Ehre und in ihr ihre eigene Ruhe, sondern sie suchen sich, nicht den Geber der Gaben,