Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/316

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und die Gabe nicht um ihretwillen, noch um des Gebers, sondern um ihrer selbst willen.

 O, es ist ungemein schwer, keinen Willen haben, stille sein und den HErrn machen lassen. Es ist ungemein schwer, stille halten in friedlicher Geduld und also erwarten, was der Herr aus uns macht. Es ist ungemein schwer, sich an Seiner Gnade genügen lassen zu sollen, wo einem die Fortschritte in der Heiligung verborgen werden. Es ist ungemein schwer, der Verheißung trauen, welche die Gottlosen gerecht spricht. Es ist ungemein schwer, alle Einbildungen und Vorurteile von Ihm und Seinem Thun fahren zu lassen, alle Hoffnungen, alle Wünsche inwendig verstummen und von Herzen so ganz sich Ihm hingeben, daß er bloß hört, was ER sagt, bloß will, was ER will, bloß nimmt, was ER giebt, bloß thut, was ER befiehlt. Ach, wer das kann, wer dahin, nicht will ich sagen, gedrungen ist, sondern nur dringt, forteilt, unverweilt; wohl, wohl dem! In dem ist Demut, der ist nicht mehr hochmütig, in dem ist des HErrn Hoheit auf den Thron gekommen und herrscht. Bis es dahin kommt, muß unser alter Mensch in seinen stolzen, eigengerechten Bemühungen schon sehr ermüdet worden sein durch von Gott gelegte Hindernisse, ach bis dahin braucht es eine große, sieghafte Gnade des heiligen Geistes, tiefeindringende, unwiderlegliche Beweise Gottes von unsrer Sünde, unsrer Ohnmacht, kräftige Züge zu Ihm und viel, sehr viel Vergebung! Wie oft hatte Petrus seinen eigenen Willen, wie oft war er fürwitzig! Noch am andern Tage verhieß er JEsu Treue bis in Bande und Tod, und wenige Stunden darauf schwor er die Treue ab! Viel Thränen, Kummer und Reue bedurfte es, bis er auf die dreimalige Absolution am See Liberias stille wurde und Mut gewann, bei JEsu Allwissenheit ohne Übertreibung zu schwören, daß er Ihn liebe und nicht mehr herrschen, sondern Schafe und Lämmer weiden wolle! Seliges Ziel, im Glaubensweg, voller Friede der Vergebung gehen, wert, um Demütigkeit und Demut zu beten, denn nur durch Demütigung macht ER uns groß, der selbst in seiner tiefsten Demut so groß ist!