Seite:Wilhelm Löhe - Predigten für die festliche Hälfte des Kirchenjahres.pdf/420

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 Anders verhält sich’s mit dem, was zu unseres Leibes zeitlichem und zu unserer Seele ewigem Leben unumgänglich nötig ist, nämlich mit dem Geiste Gottes und dem täglichen Brote. Um diese zu bitten haben wir Befehl, wir brauchen hier nicht hinzuzusetzen: „wenn es Dein heiliger Wille ist;“ denn wir wissen es aus Seinem heiligen Worte, daß es Sein eigener, hoher Wille ist, daß alle Menschen mit aller Notdurft des Leibes versorgt und ihre Seelen durch den heiligen Geist neugeboren werden. Es ist daher nicht mehr und nicht weniger, als recht und gut, wenn wir namentlich in diesen Vorbereitungstagen auf das Fest der Ausgießung des heiligen Geistes um den heiligen Geist und seine Ausgießung über uns beten. Wir thun nur, was uns allezeit geboten und wozu uns allezeit Erhörung zugesagt ist. Darum, meine lieben Brüder, betet auch ihr getrost das Gebet um den heiligen Geist. Christus spricht: „So denn ihr, die ihr arg seid, könnet euern Kindern gute Gaben geben, wievielmehr wird der Vater im Himmel den heiligen Geist geben denen, die Ihn bitten“ (Luk. 11, 13). Darauf trauet und rufet getrost: „Hosianna! Erbarme Dich! Komm herein, Du Geist des HErrn!“


IV.

 Wenn die Jünger bitten: „HErr, lehre uns beten!“ so liegt hierin auch die Bitte: „HErr, lehre uns, für wen wir beten dürfen und sollen!“

 Ich setze den Fall, die Türken bekämen wieder Macht, und kämen daher in unser liebes Vaterland wie eine Flut, unsere Königreiche und Fürstentümer einzunehmen und an die Stelle des einzigen wahren Glaubens ihren Aberglauben und Schwärmerei zu setzen. Sagt mir, würdet ihr für sie beten? Ich sage ja und nein. Nein, weil ich nicht um Fortgang ihrer Pläne beten dürfte, die gottlos sind; ja hingegen, weil ich allerdings für Errettung ihrer Seelen von ihren gefährlichen Wegen beten soll und darf. Wir dürfen für Juden, Türken, Heiden beten, aber nicht für das Gelingen jüdischer, türkischer, heidnischer Pläne. So betet David oft für seine Feinde in den Psalmen Böses: er flucht ihnen, aber nur so, daß er