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sichtbare Vorteile – bewirkten diese drei Hände voll Wassers mit dem kurzen Seufzer drüber nur etwa, daß des Kindes Haupthaar schnell hervorsproßte, eine Sache, die ohne Wert, doch in die Augen fallend ist – man würde jedermann darauf aufmerksam machen. Es sind freilich alle sichtbaren Vorteile nur vergänglich – und nur was unsichtbar ist, also vornehmlich die Vorteile der heiligen Taufe, ist ewig; aber die Menschen glauben in der Regel im Ernste nicht an eine Ewigkeit – und Vorteile für die Ewigkeit sind ihnen darum keine Vorteile. Was sich nicht im gemeinen, irdischen Leben als nützlich erweist, ist nichts geachtet – darum auch die Taufe. – Um so nötiger aber ist es, davon zu reden und zu lehren.


II.

 Wenn wir nun fragen: Was ist die heilige Taufe? so ist hierauf die Antwort: Sie ist fürs erste ein Sakrament. Ein Sakrament aber ist eine vom HErrn eingesetzte heilige, geheimnisvolle Handlung, in welcher unter einem irdischen, sichtbaren Zeichen ein himmlisches Gut ausgeteilt und dadurch evangelische Gnade versiegelt oder gewirkt wird. Zu einem Sakrament gehören demnach vier Stücke: 1. die Einsetzung des HErrn, 2. ein irdisches, sichtbares Zeichen, 3. ein himmlisches Gut, 4. evangelische Gnade, das ist, Vergebung der Sünden. Alle diese vier Stücke finden sich bei der heiligen Taufe: die Einsetzungsworte sind euch allen, hoffe ich, bekannt – von der Vergebung der Sünden haben wir hernach zu reden. Hier bei der Frage: „Was ist die heilige Taufe?“ kommt uns insbesondere zu, auf das zweite und dritte Stück, auf das irdische Zeichen und himmlische Gut hinzuweisen. Das irdische Zeichen ist Wasser – das gehört zur Taufe, und zwar reines, ungemischtes, so daß eine Taufe keine Taufe und ungültig ist, wenn verderbtes, gemischtes Wasser oder eine andere Flüssigkeit dazu genommen wird. Das himmlische Gut ist Gott der heilige Geist – und mit ihm die ganze heilige Dreieinigkeit. Solange das Wasser auf dem Tische oder Altare steht, ist es nur Wasser und weiter nichts; sowie aber der Priester es unter lauter Anrufung des dreieiniges Gottes,