Seite:Wilhelm Löhe - Sieben Vorträge über die Worte JEsu Christi vom Kreuze.pdf/48

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Fertig. Dieser Text wurde zweimal anhand der Quelle korrekturgelesen. Die Schreibweise folgt dem Originaltext.

er konnte den Auftrag JEsu vom Kreuze nicht anders verstehen, und verstand ihn auch nicht anders, wie er denn selbst in unserem Texte bezeugt, daß er Maria von jener Stunde an zu sich und in sein Eigenes genommen habe. So traten also Maria und Johannes von der Stunde an trotz möglicher Einwendungen auf das Wort JEsu hin äußerlich und ohne Zweifel auch innerlich in ein Verhältnis, wie es das vierte Gebot bedingt, und wie man mit Rücksicht auf die Umstände sagen kann, in ein einziges Verhältnis ohne Gleichen. Denn es gab ja keine Mutter und gibt keine und wird keine geben, der man, sei es den Verlust oder den Gewinn eines Sohnes, wie Marien zuschreiben könnte, und ebenso hat es nie einen Adoptivsohn gegeben, noch kann es einen geben, dem eine solche Frau als Mutter zugewiesen würde und der so gestaltete Kindespflichten zu übernehmen hätte. Bei dem eingehenden Gehorsam beider in den letzten Willen des HErrn am Kreuze ist es gewis vollkommen offenbar, daß JEsus Christus, auch in jenen Stunden der höchsten Noth und der Anfechtung der Seinen, dennoch im vollen Besitze ihres Vertrauens und in der vollen Macht über ihre Seelen sich wußte und erwies. Was der Teufel der Gebenedeiten und dem Jünger Johannes in die Seele raunen mochte, um sie anzufechten, in welchem inneren Zustande beide gewesen sein mögen, es ist doch aus dem augenblicklichen Gehorsam beider offenbar, daß sie JEsu, auch da Er am Kreuze hieng, ihre Seelen, ihr Leben und ihre ganze Zukunft vertrauten und Ihm einen Gehorsam weihten, der über Sein irdisches Lebensziel hinaus gieng. Damit stehen wir auf der zweiten Sproße der Leiter, die ihr an meiner Hand zur Verehrung eures HErrn am Kreuze