Seite:Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin II.djvu/331

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große Zahl Staatsländereien, aus deren Erträgen die Truppen in Kobdo, Uliassu-tai und zum Theil auch im Ili-Gebiet verproviantirt werden. Obwohl nur ein Dsargutschei seinen Sitz in Hutschen hat und der Amban (Gouverneur), dem Hutschen, wie auch Hami untergeordnet sind, in Urumtschi residirt, so erklären die Eingeborenen doch Hutschen für bedeutender, als das letztere; sie behaupten, daß ersteres stärker bevölkert ist als dieses und rechnen auf Hutschen ungefähr 1000, auf Urumtschi 800, auf Hami 700 Häuser. Diese Zahlen haben an sich schwerlich irgend einen statistischen Werth, sie zeigen nur die relative Bedeutung an, welche die bezeichneten Städte in den Augen der Eingeborenen (von Hutschen?) haben. Die commercielle Bedeutung von Hutschen wird aber andrerseits dadurch bestätigt, daß die jährlich aus diesen Gegenden nach Urga gelangende Karawane nach Hutschen oder Zontschi benannt wird, nicht nach Urumtschi. Wenn letzteres in commercieller Beziehung höher als ersteres stände, so würde diese Karawane wahrscheinlich die Karawane von Urumtschi heißen, zumal da beide Orte nur 100 Werst von einander entfernt sind. Diese aus verschiedenen Quellen geschöpften Angaben (fügt der russische Autor hinzu) sind von Zyzin Chan, dem mongolischen Amban von Urga, der ehemals Amban von Kutscha und also den genannten Städten nahe genug war, bestätigt worden.

Allerdings lauten die in Tschugutschak gesammelten Nachrichten über die Bedeutung von Urumtschi anders, als die in Urga, und außerdem ist im Westen nichts bekannt von einem andern Centrum commercieller, industrieller und agricoler Thätigkeit – von Hutschen.

Diese Stadt (wahrscheinlich das Kutschun Ritters) erschien zum ersten Mal auf der Karte von Mittelasien, die im J. 1863 von dem russ. Militär-Topographischen Depot herausgegeben wurde; Urumtschi findet man auf den Special- wie Generalkarten von Asien.

Wenden wir uns nun zu dem Hauptzweck dieser Bemerkungen.

Der im Eingang derselben genannte Kapitän Printz hatte behauptet, daß die gerade Linie von den Theedistricten Chinas auf Nischni-Nowgorod ungefähr Kobdo berühren würde, und daß die jetzige Straße des Theehandels über Kalgan, Urga, Kiachta, Irkutsk, Tomsk, Tjumen, Perm und Kasan zu dieser Linie sich etwa wie die Katheten eines rechtwinkligen Dreiecks zur Hypotenuse verhalte. Die Sache hat, geometrisch betrachtet, ihre Richtigkeit, aber wenn wir auf der Hypotenuse unübersteigliche Hindernisse finden, zuerst in den Gebirgen des nordwestlichen Chinas, dann in den Sandsteppen der Hochebenen von Turkestan und der westlichen Mongolei, endlich in dem Berglande der Dsungarei, so stellt sich schließlich heraus, daß

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Verschiedene: Zeitschrift der Gesellschaft für Erdkunde zu Berlin. Zweiter Band. Dietrich Reimer, Berlin 1867, Seite 316. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zeitschrift_der_Gesellschaft_f%C3%BCr_Erdkunde_zu_Berlin_II.djvu/331&oldid=- (Version vom 1.8.2018)