Seite:Zerstreute Blaetter V.djvu/230

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Sammlung vorhandnen neue Stücke, und endlich die schon herausgegebnen (der Manessische Codex ist viel reicher) in einem andern, dem Thüringischen Dialekt. In alle diesem kann er sehr lehrreich werden. Was herausgegeben ist, darf nicht wiederholt werden; eine Vergleichung dieser Stücke aber möchte Materialien zu einer Abhandlung über die allmähliche Bildung der verschiednen Dialekte Deutschlands geben, die manches aufhellte. Eigentliche Minnelieder sind in ihm wenige; die meisten sind moralisch, lobend oder strafend, satyrisch, geistlich. Dies führt von selbst auf die Geschichte der Begebenheiten, Meinungen und Sitten der Zeit. Viele Lieder haben Melodieen, woran es dem Manessischen Codex fehlte; zum Verständniß der Sylbenmaasse und des Versbaues, überhaupt auch zur Geschichte der Declamation und des Tons der Zeiten sind diese ein schätzbares Hülfsmittel, gleichsam ein Aufschluß zur Form der Gedichte. Denn wenn wir unpartheiisch

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 214. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/230&oldid=- (Version vom 1.8.2018)