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Des Wohllauts ewige Kette zieht

Auch meinen Geist. Es wallt mein Herz
Im Strome der Melodie zum hallenden Ocean
Der Allvollkommenheit.
     Wach auf in mir, du leiser Himmelston,

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Der meine Seele ward.

Aus keiner Engelsharf’ entquollest du. Dich
hauchte
Der Ewige selbst mir ein.
Und bist mir Ewigkeit,
Bist Gottes-Gefühl in mir, der unendlichen Hamonie

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Vorahndende Verkünderin.

Wenn einst mein Geist
Vom Erdenstaube sich hebt empor,
Und seiner Fesseln sanft sich windet los;
Zu Hülfe komm’ ihm dann, du heilger Strom

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Von Tönen andrer Welt,

Umström’ ihn ganz, und trag’ ihn sanft hinüber.
     Des Himmels Gabe bist du uns,
O Tonkunst! bist ein Tropfe

Empfohlene Zitierweise:
Johann Gottfried Herder: Zerstreute Blätter (Fünfte Sammlung). Carl Wilhelm Ettinger, Gotha 1793, Seite 321. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Zerstreute_Blaetter_V.djvu/337&oldid=- (Version vom 1.8.2018)