Seite:Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen.pdf/69

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal korrekturgelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Matthias Claudius.jpeg


Matthias Claudius.
Geb. d. 17. Aug. 1740, gest. d. 21. Jan. 1815.


Einer der beiebtesten deutschen Volksschriftsteller, ausgezeichnet durch Naivität und Humor, glückliche Laune und biderbe Deutschheit, welcher einem großen Theile der bessern seiner Zeit genug that, in welcher freilich, namentlich in der beliebten volkstümlichen Schreibweise die Lorbeerzweige tiefer hingen als jetzt, und leichter zu erreichen waren.

Claudius wurde zu Reinfeld im Lande Holstein geboren, nicht weit von Lübeck, und studierte in Jena Philosophie und Jurisprudenz, von welchen Doktrinen er in spätern Jahren keinen sonderlichen Gebrauch machte. Nach Wandsbeck zurückgekehrt, begründete er die von ihm herausgegebene Zeitschrift: der Wandsbecker Bote, und nannte sich als dessen Herausgeber Asmus, sammelte auch bereits von 1775 an seine im Boten und in andern Zeitungen befindlichen Aufsätze und Gedichte in eine selbständige Ausgabe unter dem Titel: Asmus omnia sua secum portans, oder Sämmtliche Werke des Wandsbecker Boten, die von 1775 bis 1812 in 8 Bändchen erschienen. Im Jahre 1776 bot sich Claudius eine Stelle als Oberland-Kommissar in Darmstadt, er nahm sie an, hatte aber das freie Leben eines ungebundenen Schriftstellers und Dichters viel zu lieb gewonnen, als daß die geregelten Geschäfte eines Bureaumannes ihm hätten zusagen können. Schon das folgende Jahr fand Claudius wieder in Wandsbeck; später schien ihm doch wol ein Aemtchen wünschenswerth, und Graf Bernstorff verschaffte ihm das leichte eines Revisors bei der schleswig holsteinischen Landesbank in Altona, wobei ihm freigestellt blieb, in Wandsbeck wohnen zu bleiben.

Der Humor des Dichters in Verbindung mit einem wohlwollenden menschenfreundlichen Sinn gewannen ihm viele Herzen; er durfte, als der ungleich minder begabte, Klopstock dennoch Freund nennen; auch die Stolberge und Voß wandten ihm ihre Theilnahme zu, und wie hätte der Vater Gleim fehlen sollen, in dessen Herzen die ganze deutsche Dichterwelt gleichsam wohnte und ihre Heimath hatte!

Das Leben des Dichters floß in hellerem Frieden dahin, seine Lebensverhältnisse waren befriedigend, große Schicksale berührten ihn nicht, mit Ausnahme