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Conrad Ekhof.jpeg


Conrad Eckhof.
Geb. d. 12. Aug. 1720, gest. d. 16. Juni 1778.


Zum Vater, Begründer und Bildner der neuern deutschen Schauspielkunst – selbst, wie diese, aus ärmlichen und beschränkten Verhältnissen hervorgegangen, war Eckhof berufen. Er wurde zu Hamburg geboren, sein Vater bekleidete den Posten eines Stadtsoldaten, und versah das Geschäft des Lampenputzers und Theaterdieners bei der Schinemann’schen Bühne. Da lernte nun freilich frühzeitig genug der Knabe Eckhof die Welt hinter den Coulissen praktisch kennen, doch fesselte sie ihn damals noch nicht. Erst später wob sich um ihn das magnetische Band, das selten einen, und am wenigsten die begabten, aus seinem Banne läßt.

Der Knabe lernte lesen und schreiben, und konnte ziemlich frühzeitig die Stelle eines Postschreibers bei einem schwedischen Postkommissar versehen, den das Glück später bis zum Gesandten in Hamburg emporsteigen ließ. Einem Scribenten Lakaiendienste anzusinnen, war in jener Zeit gar nichts unerhörtes, und so sollte auch der junge Eckhof Sonntags, wenn die Frau Postkommissarin zur Kirche fuhr, hinten auf stehen. Er that es einmal und nie wieder; er verließ seinen Dienst und schritt weiter vor in der Schule des Lebens; er wurde noch einmal Schreiber – bei einem Advokaten in Schwerin. Dieser Prinzipal war kein trockener juristischer Aktenwurm, der Justinian stand ihm nicht über allen Musen und Gracien; er besaß eine treffliche schönwissenschaftliche, zum Theil theatralische Büchersammlung, deren Benutzung der Schreiber sich mit erfreuen durfte. Da weckten Funken Flammen, die Jugenderinnerung lockte mächtig, und Schönemann – spielte mit seiner Gesellschaft in Schwerin. Ihm schloß Eckhof sich an, folgte ihm, trat 1740 zum erstenmale in Lüneburg auf, und blieb Schönemann siebzehn und ein halbes Jahr treu verbunden, in welcher Zeit sein angeborenes Talent zum Genie sich verklärte und ernstes redliches Studium dem Genie die gediegene künstlerische Grundlage gab, durch die allein es möglich ist, auf die Dauer großes zu leisten und dem flüchtigen Kranze des Mimen Unverwelklichkeit zu verleihen.

Durch sein bewegtes Künstlerleben, das, in das einzelne zu schildern, den Umfang von Büchern erfordert,