Seite:Zweihundert deutsche Männer in Bildnissen und Lebensbeschreibungen.pdf/90

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begleiteten Eckhof stets hohe Tugenden des Menschen, hohe Eigenschaften des Künstlers. Mit den körperlichen Mitteln hatte Mutter Natur Eckhof nur stiefmütterlich bedacht, ausgenommen das gewaltige, füllreiche und doch wieder milde, hinreissende Organ. Eckhofs Leibesgestalt war klein, der Bau seiner Füße unschön, die Schultern waren hoch, seine Haltung außer der Bühne nachlässig, schlotterig, aber auf der Bühne – da war an ihm nichts von allen diesen Gebrechlichkeiten und Nachlässigkeiten erkennbar. Die Gestalt abgerechnet, wurde Eckhof der Roscius der deutschen Bühne.

Eckhof war ohne alle Ansprüche, liebevoll, gefällig, wohlthätig, voll Ordnungsliebe, voll Redlichkeit, voll ächter Humanität und Religiosität; er war es, der den Stand eines deutschen Schauspielers durch seinen makellosen Wandel, durch die hohe Gediegenheit seines Charakters auch in gesellschaftlicher Beziehung auf eine Stufe der Ehre hob, die jener früher noch nicht einnahm. Als Künstler, als Mimiker, wie als Redner hatte noch keiner so gespielt wie Eckhof; so naturtreu, so hingebend an den Dichter, so zu den Gefühlen sprechend, so erheiternd, so erschütternd; denn er war gleich groß als Tragöde wie als Komiker, im Konversationsstück wie in der Posse.

Es ist überall bei allen, die über Eckhof geschrieben haben, nur eine Stimme des Lobes und der unbegrenzten Anerkennung. Er war, sobald er heraustrat auf die weltbedeutenden Bretter, nicht mehr der Schauspieler Eckhof – er war ganz der Mann des Charakters, den er darstellte, er spielte diesen nicht, er lebte ihn, darin bestand vor allen seine Größe.

Eckhof war selbst Schauspieldichter und schrieb als Dramaturg über die Bühne. Seine Stücke sind verklungen, sie sind es nicht, die seinen Namen unsterblich machen, darin allein hat sein Nachfolger Iffland ihn überflügelt. Aber in Darstellungen seiner Rollen verlieh Eckhof selbst der Tirade des Dichters Reiz, und verschönte die Alltagsrede, ohne aber zu predigen und zu deklamiren, nein, auch bei ihm war Ausdruck und Gefühl alles, „Name war Schall und Rauch, umnebelnd Himmelsgluth“ – wie Goethe’s Faust bei Erwähnung des erhabensten Gedankens sagt. Von Lessing wurde Eckhof auf das freudigste anerkannt.

Die bedeutendste Wirksamkeit Eckhofs entfaltete sich nächst der Schönemann’schen Bühne auf der von Franz Schuch, zu jener Zeit eine der besten in Deutschland, der von Koch in Lübeck, dem Eckhof nach Schönemann’s Tode dessen Gesellschaft zuführte, woraus 1764 Eckhof zu Ackermann nach Hamburg kam, dann 1769 bei Seyler in Hannover Engagement nahm. Im Jahr 1775 that sich ihm ein Hafen, nicht für träge Ruhe, sondern für energisches gesichertes Wirken auf, er wurde Mitdirektor der Sachsen-Gothaischen Hofbühne, die er, jede anderweite Lockung ausschlagend, nur zu Gastspiel in Weimar verließ. In Gotha vor allem lebt sein Andenken gefeiert fort, dort ist sein Grab. Der Geist im Hamlet war seine letzte Rolle, der Zuruf: „Gedenke meiner!“ – sein letztes Bühnenwort. Er blickte ruhig dem Tod ins Antlitz und starb sanft und ergeben, wenige Monden nach seinem letzten Auftreten. Höchst ehrenvoll war sein Leichenbegängnis. Er war Mitglied der Freimaurerloge Ernst zum Compaß in Gotha gewesen, die Loge veranstaltete seine Beerdigung mit entsprechender Feierlichkeit. Ein Baum beschattet sein Grab, ein einfacher Denkstein schmückt es.