Siegfried und Mime
[579] Siegfried und Mime. (Zu dem Bilde S. 553.) Da steht er vor uns, der edle jugendliche Held, Siegfried der Drachentöter, in der Hand das siegreiche Schwert; hinter ihm liegt Fafner, der Drache, erschlagen, der Wächter des Nibelungenhortes mit dem gewaltigen Schweife, dem schuppigen Rücken, dem Rachen, der jetzt nicht mehr drohend die Zähne weist. Wie er auch voll Wuth sich aufgebäumt – er widerstand nicht dem Heldenmuth des Jünglings und seinem Schwerte. Wotan selbst hatte dieses Schwert in einer Esche Stamm gestoßen. Dem sollt’ es zu eigen gehören, der es aus dem Stamme herauszöge. Doch keiner der stärksten Helden vermochte dies; nur dem kühnen Siegmund, Siegfrieds Vater, gelang’s – und er führte tapfer das Schwert im Streite, bis es an Wotans Speer zersprang. Die beiden Stücke aber schweißte Siegfried zusammen, während sein Pflegevater, der Zwerg und Waffenschmied Mime, sich vergeblich damit bemüht hatte.
Jetzt, nach Siegfrieds Triumph, gelüstet’s den Zwerg, des Sieges Preis für sich zu erbeuten, den Nibelungenring und -hort sich zu erobern. Er hat einen Trank gebraut, der die Sinne des Jünglings in Nacht und Nebel versenken, ihn betäuben und bewußtlos machen soll: dann will
Mime ihm das Haupt abschlagen, damit er vor seiner Rache sicher sei, wenn er die Beute für sich gewonnen. Mit widerlicher Zudringlichkeit reicht er dem Helden das Trinkhorn, in das er vorher aus einem Gefäß das verderbliche Gebräu gegossen. Siegfried aber hat bereits das Schwert gefaßt und in einer Anwandlung von heftigem Ekel streckt er Mime damit zu Boden. †