Spukhäuser zu Dresden

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Textdaten
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Autor: Johann Georg Theodor Grässe
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Titel: Spukhäuser zu Dresden
Untertitel:
aus: Der Sagenschatz des Königreichs Sachsen, Band 1. S. 119-120
Herausgeber:
Auflage: Zweite verbesserte und vermehrte Auflage
Entstehungsdatum:
Erscheinungsdatum: 1874
Verlag: Schönfeld
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Erscheinungsort:
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Originalherkunft:
Quelle: Google-USA* und Commons
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134) Spukhäuser zu Dresden.

An Spukhäusern zu Dresden war ehedem kein Mangel, vor zwanzig Jahren noch behauptete man, daß Niemand in dem Hause Nr. 4 der Carusstraße (sonst Borngasse) in der ersten Etage wohnen bleibe, weil es im ganzen Logis die Nacht rumore. Dasselbe sagte man von dem Hause Nr. 31 der Schloßgasse, zweite Etage. Ebenso sagte man, daß in dem großen Hause am Freiberger Platze Nr. 21a, unmittelbar neben dem Garten des Findelhauses sich in der Nacht eine weißgekleidete Nonne ohne Kopf sehen lasse, welche übrigens Niemanden etwas zu Leide thue. Jetzt ist sie schon lange nicht mehr erschienen. Auch von der dritten Etage des Hauses Nr. 13 der Moritzstraße erzählte sich das Volk sonst eine unheimliche Geschichte. Man sagte nämlich, es sterbe jedes Jahr in demselben irgend Jemand. Die Leute, welche des Nachts in die vierte Etage hinauf gingen, behaupteten, sie sähen ein sonderbar gekleidetes Frauenzimmer durch das auf die Treppe gehende Küchen- oder Vorsaalfenster herausschauen. Ein mir bekannter Dresdner Bürger, der vor einer Reihe von Jahren in diesem Logis wohnte, erzählte hierüber Folgendes. Er wohnte noch kein Jahr daselbst, da verloren sie ein kleines Mädchen durch den Tod; dasselbe ward unter Blumen in der sogenannten guten Stube aufgebahrt und er und seine [120] Frau und Schwiegereltern befanden sich gegen Abend in der Wohnstube, und wollten gerade zu Abend essen. Da ging die Mutter, während jene sich schon zu Tische gesetzt hatten, noch einmal in die obengedachte mit Lichtern hellerleuchtete und neben der Wohnstube befindliche Stube, erschrack aber fürchterlich und schrie laut auf, als sie über das Gesicht des todten Kindes sich eine alterthümlich gekleidete Frauensperson mit einer großen Flügelhaube, wie solche noch jetzt auf dem Lande alte Bäuerinnen zu tragen pflegen, bücken sah. Auf das Geschrei der Frau stürzten die in der Wohnstube befindlichen Personen heraus, konnten aber nichts mehr erblicken. Später erfuhr ich beim Nacherzählen dieser Geschichte von einem ältern Herrn, daß sich zu Anfang dieses Jahrhunderts in diesem Logis die Haushälterin eines Hofbeamten, Namens Kost, die, wie er aus der Beschreibung des Phantoms abnahm, ganz so gekleidet zu gehen pflegte – er hatte sie oft gesehen – aus Melancholie das Leben durch Erhängen genommen hatte, und also jedenfalls mit der nicht zur Ruhe gekommenen Erscheinung identisch war. Späterhin scheint aber auch dieses Gespenst ganz verschwunden zu sein, denn man hat nichts wieder von ihr gehört noch gesehen und die Sage von dem jährlichen Sterben eines dort Wohnenden hat sich längst als unwahr herausgestellt.