Theodot

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Autor: Theodot
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Titel: Fragmente
Untertitel:
aus: Altjüdisches Schrifttum außerhalb der Bibel S. 1263–1265; Erläuterungen 1339
Herausgeber: Paul Rießler
Auflage:
Entstehungsdatum: 1. Jahrhundert n. Chr.
Erscheinungsdatum: 1928
Verlag: Dr. B. Filser
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Erscheinungsort: Augsburg
Übersetzer: Paul Rießler
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Quelle: ULB Düsseldorf und Commons
Kurzbeschreibung:
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61. Theodot

1. Kapitel: Über Jakob

1
Theodot sagt im Buch über die Juden,

Sichem sei nach Sikimios, dem Sohn des Hermes, benannt worden.

2
Dieser habe die Stadt gegründet.
3
Ihre Lage schildert er im Buch über die Juden also:
4
„Sie war gar gut, für Ziegenzucht geeignet, reichbewässert.
5
Es führt kein langer Weg vom Feld zur Stadt;
6
noch muß man sich durch dichtes Buschwerk mühen.
7
Zwei feste Berge zeigen sich in ihrer Nähe,
8
mit Gras und Wald bewachsen.
9
Ein schmaler Pfad führt mitten durch sie hin.
10
Ihm gegenüber auf der untern Seite
11
erhebt sich stolz die Stadt der Sichemiten,
12
die heilige Stadt, am Fuß des Berges aufgebaut.
13
Als Mauer hat sie ringsum glatte Felsen,
14
die in die Tiefe schützend fallen.“


2. Kapitel

1
Später sagt er, die Hebräer hätten sie unter König Emmor besetzt,

Emmors Sohn sei aber Sichem gewesen.

3. Kapitel

1
Er sagt:

Von dort, o Fremdling, kam einst Jakob von der Weide
zum ausgedehnten Sichem.

2
Dort herrschte über die Bewohner Emmor samt dem Sohne Sichem.


4. Kapitel

1
Dann erzählt er von Jakob, seiner Wanderung nach Mesopotamien,
2
von seiner Heirat mit zwei Weibern, seiner Nachkommenschaft

und seiner Rückkehr aus Mesopotamien nach Sichem:
Es ging dann Jakob in das viehreiche Syrien

3
und überschritt des breiten Euphrat Wogenschwall,
4
und dort entzog er sich dem scharfen Drohen seines Bruders.
5
Und Laban nahm ihn gerne in sein Haus;

er war sein Vetter wie auch Syriens Alleinherrscher

7
aus einem neuen Stamm.
8
Und er versprach ihm, seine Jüngste ihm zum Weib zu geben.
9
Doch lag dies keineswegs in seinem Sinn.
10
Er griff vielmehr zur List
11
und schob gar heimlich Lia, die viel älter, unter.
12
Doch blieb’s ihm nicht verborgen;
13
er merkte ja den Trug.
14
Dann nahm er sich die andere Tochter
15
und wohnte so den beiden Schwestern bei.
16
Ihm wurden hochgemute Söhne, elf, geboren
17
und Dina, eine wunderschöne Jungfrau,
18
von herrlicher Gestalt und tadellosem Sinn.


5. Kapitel

1
Er erzählt, Jakob sei vom Euphrat nach Sichem zu Emmor gekommen;

dieser habe ihn aufgenommen und ihm etwas Land geschenkt.

2
Jakob selbst habe Ackerbau getrieben,

seine elf Söhne aber Schafzucht;
seine Schwester Dina aber hätte mit den andern Weibern Wolle verarbeitet.

3
Dina ging nun an einem Fest nach Sichem,

sich die Stadt anzuschauen.

4
Da erblickte sie des Emmor Sohn Sichem, gewann sie lieb,

verbrachte sie mit Gewalt in sein Haus
und schändete sie.

5
Dann ging er mit seinem Vater zu Jakob

und erbat sie sich zur ehelichen Gemeinschaft.

6
Dieser sagte, er könne sie nicht eher hergeben,

als bis alle Sichemiten beschnitten und Juden geworden wären.

7
Darauf sagte Emmor, er wolle sie dazu überreden.

Jakob erklärt ihnen die Pflicht der Beschneidung also:

8
„Hebräern ist es nicht gestattet,

von auswärts fremde Schwiegersöhne für die Töchter sich zu holen;
es müssen solche stammesgleichen Ursprungs sein.“

9
Dann sagt er bald darauf über die Beschneidung:

„Der einst den edlen Abraham aus seiner Heimat fortgeführt,
befahl vom Himmel her, er soll mit seinem ganzen Haus
die Vorhaut sich beschneiden, und er tat es.

10
So steht es fest; denn Gott hat selber es befohlen.“
11
Da ging nun Emmor in die Stadt zurück

und forderte alle Untertanen zur Beschneidung auf.

12
Simeon aber, einer der Jakobsöhne, beschloß,

Emmor und Sichem zu töten,
da er die Vergewaltigung der Schwester nicht ruhig hinnehmen wollte.

13
Seinen Plan teilte er seinem Bruder Levi mit.

Er gewann ihn zur Mithilfe und spornte ihn an,

indem er einen Spruch vorbrachte,
wonach Gott den Nachkommen Abrahams
zehn Heidenvölker zur Vernichtung übergäbe.

14
Es sprach Simeon also zu Levi.

„Ich kenne einen Gottesspruch:
Zehn Heidenvölker wolle er den Kindern Abrahams geben.“

15
Gott gab ihnen diese Gesinnung wegen der Gottlosigkeit der Sichemiten.


6. Kapitel

1
Er erzählt:
2
„Es züchtigte die Sichemiten Gott;

bei ihnen gab es nur Verbrecher, keine Tugendhaften.
Sie wahrten weder Recht noch Sitte in der Stadt;
es lagen ihnen Schlechtigkeiten nur am Herzen.“

3
Da betraten Levi und Simeon die Stadt mit den Waffen in der Hand

und töteten zuerst jeden, den sie antrafen;
dann ermordeten sie auch den Emmor und den Sichem.

7. Kapitel

1
Er berichtet über ihre Ermordung also:

„Da scheuchte Simeon den Emmor auf;
dann schlug er ihm das Haupt ab;
er hob den Rumpf mit seiner linken Hand empor;
dann ließ er ihn noch zuckend fallen.
Der Kampf ward heißer.
Indessen nahm der wilde Levi Sichem, der wie rasend tat
und seine Kniee umfaßte, bei den Haaren
und stieß ihn in das Schlüsselbein.
Das scharfe Schwert drang tief in seine Brust
und so verließ die Seele schnell den Leib.“

2
Auf die Nachricht hievon halfen ihnen auch die andern Brüder,

zerstörten die Stadt, befreiten ihre Schwester
und brachten sie samt den Gefangenen in ihr väterliches Gehöfte.


Erläuterungen

[1339]

61. Zu Theodot

Theodot war ein Samaritaner, der wohl im ersten Jahrhundert n. Chr. lebte. Sein Gedicht, wovon ein längeres Bruchstück bei Euseb Praep. ev. IX 22 mitgeteilt wird, handelt von der Geschichte der Stadt Sichem, die „heilige Stadt“ genannt wird. Es ist in Hexametern abgefaßt. (C. Müller, Fragm. hist. graec. III 207 ff.).

  • 1: 1 „Juden“ im weitern Sinn. Hermes geht auf Emmor = Chamor zurück s. 2, 1. 7 Ebal und Garizim.
  • 2: 1 Emmor = Chamor, der sichemitische Landesfürst Gen 34, 2.
  • 4: 1 s. Gen 20, 16. 2 Lea und Rachel. 4 „seines Bruders“ Esau. 7 Anklang an die Einwanderung der Aramäer nach Syrien. 8 Rachel.
  • 5: 9 s. Gen 17, 9. 11 „Gott sprach: .... Ihr sollt beschnitten werden“.

Anmerkungen (Wikisource)

Siehe auch folgenden Artikel aus Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft zu dem hier dargebotenen Text: