Topographia Austriacarum: Baden

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Topographia Germaniae
Baden
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1679, S. 4.
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Baden.

Diese Lands-Fürstliche Unter-Oesterreichische wolgebaute Statt ligt von Wien / auff die Seiten hinauß / vier Meilen / und hat den Nahmen von dem Gesund-Bäd / welches viel Schwefel / deß Bergsaltzes weniger / und von Alaun am wenigsten führet. Das Wasser getruncken / erleichtert die vom Schleim beschwerte Brust / dienet der Leber / Magen / kaltem und flüssigem Gedärm; Ist wider die Wassersucht; zertheilet den zähen Schleim; dienet den Weibern / bringt wieder die verlohrne Gedächtnuß / stillet das Kopffwehe von Feuchtigkeit / und ist wider den Schwindel / wann man das Haupt damit bähet / oder Tröpfflingsweise solches von oben herab darauff schiessen läßt; doch / daß der gantze Leib zuvor gereinigt seye. Es hilfft auch denen von Feuchtigkeit verletzten Senn-Adern; dienet für die Taubheit / Winde / und Sausen der Ohren. In diesem Wasser gebadet / ist es gut wider das Podagra / wann es vom Schleim herkompt / und noch neu ist; das alte aber lindert es / und dienet zu den schwachen Glaichen / und die voller Feuchtigkeit seyn. So wird es auch gelobt wider die böse / und herum fressende Geschwer / das Rothlauffen / und den Krebs: Den Gallsüchtigen aber / Item / den magern Leuten / Knaben / Jünglingen / und Schwangern (es seye dann mit ihnen nahend zu der Geburt / so darnach erleichtert wird / kommen) taugt es nicht. Es wird mehrentheils im Junio, Julio, Augusto, und September gebraucht / in welchen Monaten es auch am gesündesten ist; wie hievon beym Johan. Guintherio Andernaco, de balneis, et aquis medicatis, pag. 68. zu lesen. Es hat für die Bad-Gäste ansehenliche Gelegenheiten / und bequemes Unterkommen allda; wiewol auch ihr viel / nur deß Wollusts halber / dahin sich begeben sollen.

Dieweilen uns / von einem guten Ort / von deß obgedachten Bades Gelegenheit / nachfolgendes zu kommen / ist solches / zum Beschluß dieser Beschreibung / auch hieher gesetzt worden; so also lautet: Es quillt diß warme Bad auß der Erden / wird Sommers-Zeiten / von den Wienern / und andern umbliegenden Orten / häufig besucht / und sind in dem Stättlein der Bäder zwey; eins wird das Hertzog-Bad / das andere das Fronen-Bad genant / beede fast auff einerley Weise erbauet: Dem ersten laufft die Quell von aussen herzu / das Fronen-Bad aber / quillt gleich unter den gebretterten durchlöcherten Boden herfür.

Es ist aber die Art zu baden / daß Junge und Alte / Edel und Unedel / Manns und Weibsvolck (wofern sie keine offene Schäden haben) untereinander baden / mit angezogenen / und mit Fleiß dazu gemachten Badkleidern / Theils seynd nur in Hembder / und Schlaffhosen angethan / die Männer mit bedecktem Haupt / welches sie im ein- und außgehen / entblössen / und neben dem Gruß / das Bad gesegnen müssen; Das Weibervolck aber mit theils angethanen Uberschlägen / Zierd und Schmuck um den Kopff auff Oesterreichische Manier geputzt / gehen ohne Unterschied untereinander mit Führung bey der Hand / ausser den Sitzstellen / deren doch zwo unter dem Weibervolck / dem Männervolck befreyet seyn / denen das Cristallnklare Bad biß an den Halß gehet / und unten zur Rechten seinen Abfall und Docken hat; Rings umher seynd Staffeln und Bäncke geordnet / darauff man steigen / und gleichfals biß an den Halß / im Bade sitzen kan / ob ihnen ist rings umher ein Brett / darauff sie ihren Badzeug / Sanduhren und dergleichen / trucken legen können. Das junge Volck / tragen nach ihrer proportion und Höhe deß Bads / höltzerne Schuh / und gibt das Bad von oben herab sehend / sehr krumme Posturen an den Personen / theils Frauen lassen ihnen den Saum an den Badröcken / mit Bley einnehen / damit solche nit über sich schwimmen können.

Es hat seine eigene erkießte Badrichter und Fiscaln / und werden alle Straffgelder nach dem Pfund / (so ein Pfenning ist) angelegt / und den Armen zugeeignet / wie man dann nach dero Badordnung / gar bald Straff fallen kan / und soll kein unschändbar Wort / Fluchen / Spritzen / Springen gethan / oder das Bad ein Wasser genennet werden. Alle Tag wird das Bad zweymal abgelassen und gesäubert / laufft bald wiederumb ab / und hat starcke Quellen / laulecht / oder erträglich warm. Es leidet kein ander Metall / ausser Gold / dann es wird alles andere gleich schwartz / dahero das Frauenvolck kein falschen Schmuck / oder Ketten / anthun darff / seynd dannenhero alle Riegel und Band an den Thüren / von Holtz gemacht. So bald man etlichmal angefangen zu baden / fängt der Leib an außzuschlagen / thut aber bald wieder vergehen und heilen / macht den Magen etwas blöd / dahero sich die Badleute mit Fätschen / umb die Mitte / binden. Man badet gemeiniglich 4. Wochen / und wird bey einer Viertelstunde zu und abgenommen; hat im Stättlein für die Badgäste / bequeme Gelegenheiten / und lustige Spatziergänge / wird aber von vielen auch nur für Lust gebraucht / und allhie manche Abentheuer getrieben. Ausser dem Stättlein / haben von dem Abfall die armen Leute / und absonderlich die Juden / ihr Badgelegenheit. Dieses schreibe ich auß Erfahrung / dann ich vor etlich Jahren in dem Hertzogbad allda selbst gebadet / etc.

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Das Bad zu Baden (Merian).jpg