Topographia Austriacarum: Freysach

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Topographia Germaniae
Freysach (heute: Friesach)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1679, S. 58.
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Freysach / Friesach.

Diese an den Ober-Steyrischen Gräntzen gelegene Statt / wollen Theils für die ältiste in Kärndten halten / und ihren Nahmen von den Friesen herführen. Andere aber sagen / sie seye wegen einer grossen wilden Sau / so man der Orten Bern heisset / und die sich in dieser Gegend auffgehalten / Anfangs Bernau genant worden / darauß die Römer Verunum gemacht / und die Leut herum das Ach darzu gethan / und daher Virunsach / und endlich Vriesach herfür kommen / so man aber jetzt ins gemein Friesach schreiben thut. Es stehet aber hierüber einem jeden zu urtheilen frey. Es liegt an einem bequemen / und lustigen Ort / nahend dem Saltzburgischen Lande: Ist mit feinen / und angenehmen Berglein umgeben; hat gute Nahrung ab dem Felde / und von dem stätigen Durchräisen. Die Gründe und Aecker herum seynd zwar nicht groß / aber fruchtbar / und tragen gut körnig Getraide. Vor Zeiten hat es auch ein Goldbergwerck da gehabt / so aber folgends gewaltig abgenommen. Das Wasser im Stattgraben ist so hell / daß man einen Pfenning an dem Grund / oder Boden / leichtlich sehen mag / doch wächßt auch Graß darinn / welches man gemeinlich alle Jahr mähen muß. Es werden darinn sonderlich grosse Fohren gefunden / die man wochentlich speisen thut. Die Mauren aber um den Gräben seynd durch die Wassergüß / in den vorigen Jahren allenthalben eingangen; mögen aber vielleicht seithero wieder gemacht worden seyn. Man findet viel alte Sachen allhie: Item / 2. Clöster / der Prediger Mönch / und Closterfrauen / S. Benedicti-Ordens; Item / ein Schloß die Hauptmannschafft genant / darin vor Zeiten ein Landshauptmann in Kärndten seine Wohnung gehabt hat. Die Grafen von Zeltschach haben diese Statt vor Jahren / biß auff Graff Wilhelmum, besessen / dessen Gemahlin die Heilige Hema, oder Hemma gewesen / die Megiserus zu deß Hertzogs Marquardi zu Kärndten Tochter; Lazius aber zu einer Gräfin von Beylstein machet; der auch in Commentar. de Rep. Rom. fol. 1097 sagt / daß er ihre Reliquien, Ring / und wunder schlechte Gürtel / gesehen habe. Diese beede Eheleut haben zween Söhn mit einander erzeugt / die aber hernach von den Ertz- oder Bergknappen zu Zeltschach seynd ermordet worden; deßwegen dann beagter Graff Wilhelm ein Einsidler worden; die H. Hemma aber das Gottshauß zu Gurck in Kärndten gebauet (daselbst sie auch begraben liegt /) und diese Statt Friesach dem Ertzbistum Saltzburg geschenckt hat; so / nach den Jahren tausend und siebentzig / geschehen; wie abermals Megiserus will; wiewol gedachter Lazius lib. 12. sect. 6. cap. 5. sagt / daß Käiser Henricus II. diesen Ort dem Stifft Saltzburg geschenckt; die Hema aber die Probstey zu Gurck ums Jahr 1056. auffgerichtet habe. Es hat der Herr Ertzbischoff / neben einem Probst / und Ertz-Diakon / in dem Geistlichen / auch in dem Weltlichen seinen Vitzdom allhie / welcher in dem herrlich grossen / und gewaltigen Schloß / Geyersperg genant / gleich oberhalb der Statt / auff einem schönen lustigen Berg gelegen / wohnen. In dem 1. Theil Metrop. Salisburg. Hundii stehet am 8. Blat / daß Gebhardus, der 27. Bischoff zu Saltzburg / das Schloß in der Statt erbauet habe. Anno 1090. Schloß in der Statt erbauet habe. Anno 1090. ward das Schloß allhie zu Friesach (wird / sonders Zweiffels / besagtes Geyersperg seyn) von deß gefangenen Ertzbischoffs Thyemonis zu Saltzburg widerwärtigen belagert; aber von denen darinn tapffer bewahret; ohnangesehen der gefangene Thyemo an den Ort gebunden worden / auff welchen die Belagerten insonderheit ihre Werck gerichtet hatten; auch deß Ertzbischoffs liebste / und vornehmste Freunde / so mit ihme gefangen gehalten wurden / man / vor seinem Angesichte / weil er das besagte Schloß / zu Erhaltung ihres Lebens / nicht auffgeben lassen wolte / hingerichtet hat; wie hievon im dritten Theil der Bayerischen Chronic Brunneri pag. 152. sequent. mit mehrerm zu lesen. Anno 1275. ward diese Statt von deß Königs Ottocari in Böhheim Volck eingenommen und zerstört. Anno 1285. (wie gedachter Brunnerus lib. 15. Annal. pag. 914. rechnet /) zog Hertzog Albrecht von Oesterreich / für Friesach / gewan die Statt / und zündete sie an allen vier Orten an / daß sie zu Grund außbrann. Im Jahr 1481. hat der Maubitsch / oder Tabesch von Tschenyhor / Königs Matthiae in Ungarn Oberster / daselbst wider die Kärner ein Schlacht gehalten / und obgesiget / und darauff die Statt auch erobert; und mit Ungarn besetzt / denen sie Anno 1496. bey Nachts / durch einen Kriegslist / von den Kärnern wieder abgenommen / und übel da mit ihnen gehaußt worden; wie zwar dieses / und auch vorgehendes / die Kärndterische Chronic meldet. Aber in obgedachtem ersten Theil Metrop. Salisburg. Hundij. stehet am 28. Blat / daß der Ertzbischoff zu Saltzburg Bernhardus Anno 1479. in dem Krieg / den er wider Käiser Friederichen den Vierten geführt / dem König Matthiae in Ungarn / daß gantze Vitzdom-Ampt zu Friesach / mit Schlössern / und Stätten / versetzt / so er / der König / eilff Jahr lang inngehabt / die hernach / zun Zeiten Ertzbischoff Friederichs / ausser Gmunden / von deß nunmehr verstorbenen Königs Matthiae Kriegsleuten wieder gelößt / und zur Saltzburgischen Kirchen gebracht worden seyen. Es hat Friesach auch sonsten / sonderlich durch Feuer / viel außgestanden; sich doch immerzu fein wieder erholet.

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Statt Friesach (Merian).jpg