Topographia Austriacarum: Pozen

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Topographia Germaniae
Pozen (heute: Bozen)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1679, S. 86–87.
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[86]
Pozen.

Wird vom Paulo Diacono Bauzanum, vom Blondo Banzanum, von andern Bozzenum, und von den Welschen Bolsano, oder Bolzano, genant. Und solte daher mehrers mit einem B. geschrieben werden. Viel aber bleiben beym P. ins gemein. Liegt an dem Einfluß der Aisack in die Etsch. Ist zwar ein offene / aber schön und wolerbaute zimlich grosse Statt / zwischen dem Gebürg / welche die vier Jahrmärckt berühmt machen / zu welchen auß Teutsch- und Welschen Landen / auch auß Illyrico, und Dalmatia, viel Kauffleute jährlich zu kommen pflegen; daselbsten auch das Hoffgericht / wegen deß Etschlands / alle Jahr viermal gehalten wird / und da der Oesterreichische Landshauptmann im Etschland sein Residentz hat. Besagte vier Jahrmärckt werden jetzt gehalten / der Erste am Montag nach dem Sontag Oculi (vorhin auff Mitfasten) der ander den ersten Wercktag nach dem Fronleichnamstag. Der Dritte den achten Septembris. Der Vierte / den Tag nach S. Andrea. Jeder währet fünffzehen Tag lang. In solcher Zeit haben die Kauffleut ihren eygnen Magistrat / als / einen Richter / oder Consulem, und zween Räthe / in der ersten Instantz: Von welchen man aber an den Richter / und zween Räthe / in der andern Instantz appelliren mag; bey deren letzten Außspruch es sein Verbleibens hat: Wie hievon / und wie es in Falliment-Sachen / auch in anderm / gehalten / die Kauffleut in deß Marckts Matricul einverleibt / die zu- und abräisende Kauffleut in denen O. O. Landen nicht sollen auffgehalten werden / deß Consulis, und der Räthe Insiegel (in Form einer Weltkugel / mit unterschiedlichen gebund- und ungebundnen Güter Ballen / mit diesem Spruch; ex merce pulchrior,) und dergleichen /

[T89]
Statt Botzen (Merian).jpg

[87] in dem Anno 1635. zu Ynspurgg in quarto gedrucktem Privilegio, denen nach Botzen handlenden Kauffleuten / von Ihr Fürstlichen Durchleucht / Ertzhertzogin Claudia zu Oesterreich / etc. gegeben / weitläufftig zu lesen. Es gibt von Trient auß / biß auff Pozen / in den Dörffern / noch alle weil Welsche Leut: Aber von Pozen auff Insprugg zu ist es nunmehr fast alles Teutsch. Und weilen dieser Ort auff selbiger Landstrassen gelegen / so gibt es daher allhie viel Durchräisens. Grasserus meldet in seiner Schatzkammer / daß die Inwohner allda die Ochsen mit eisenen Schuhen beschlagen / damit sie im Gebürg besser fortkommen können. Es hat diese Statt vor Zeiten zu Trient gehört; ist aber vom Käiser Meinhardo II. Hertzogen in Kärndten / und Grafen zu Tyrol / der Anno 1295. gestorben / dem Bischoff mit Gewalt eingenommen / und folgends / durch einen hierüber auffgerichten Vertrag behalten worden; wie Johann Guler lib. 11. Raetiae fol. 159. b. schreibet. Und ist er Meinhardus erst ein Jahr vor seinem Tode deßwegen auß dem Bann kommen; als in der zu Eingang dieses Tractats angezogenen Kilianischen Beschreibung stehet. In dem Krieg / den Käiser Carolus M. mit Hertzog Thassilone in Bayern geführt / hat sein Sohn Pipinus Pozen angriffen. Zun Zeiten Käisers Henrici II. hat die Eisack allhie sehr grossen Schaden gethan; wie beym Brunnero in Annal. Boicis, part. 2. fol. 860. zu lesen. Anno 1224. den 22. Julii, ist die gantze Statt / mit 150. Menschen verbronnen. Anno 1483. den 14. Martii / ist sie / biß auff 15. Häuser / und die Kirche abgebronnen; schreibet Hundius tom. 1. Metrop. Salisburg. fol. 453. et 56. Es seynd da zu sehen / die Pfarrkirchen / die Clöster der Dominicaner / Franciscaner / und Capuciner / S. Johannskirchen / das Teutsche Hauß / und etliche offentliche weltliche Gebäu.