Topographia Austriacarum: Stertzingen

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Topographia Germaniae
Stertzingen (heute: Sterzing)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1679, S. 87.
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Stertzingen.

Wird von Theils Stercingum, von Theils Stiriacium, die Inwohner Stiriacii, und die Gegend herum das Wipthal genant. Lazius vermenyt / es seye dieser Ort der Alten Fortia Castra, daselbsten Röm. Schrifften gesehen werden. Und meldet Warmund Igl von Volderthurn / in Beschreibung Tyrols / daß sich die Römer allda losirt haben / seye noch ein Wahrzeichen der Marmelstein an der Pfarrkirchen / mit dieser Uberschrifft: Ossa legionis decimae, die Gebeiner deß zehenden Regiments. Philippus Cluverius de Antiqua Italia schreibet / daß der Alten Vipitenum mit dieser Statt übereinkomme. Felix Fabri bringt gegen dem Ende deß Herrn Hanß Werli von Zimber / und anderer Herren Walfahrt zum H. Grab / eine seltzame Meynung hievon / und sagt / daß er den Wirth allhie um den Ursprung deß Nahmens gefragt / der ihme geantwortet habe / daß ein krummes höckrichtes Männlein / Stertzlein geheissen / allhie zum ersten seine Wohnung / und Häußlein gehabt / daher die Leute zu dem Stertzlein gebauet haben / biß daß da eine Statt worden seye. Sie liegt an dem Fluß Utio, so von Theils die Ultz / von andern aber der Brennerbach genant wird / auff der Landstrassen / zwischen Brixen / und Insprugg / und zwar von diesem letzten Ort 7. Teutsche Meilen. Ist eine kleine / aber fein gebaute Statt / und wegen deß Silberbergwercks berühmt.

Bald bey der Statt / auff Insprugg zu / fangt sich das Pirenaeisch Gebürg / oder die Juga Rheatica, an / so die Inwohner den Brenner nennen. Ist ein sehr hohes Gebürg / da der Schnee selten gar abgehet; daher Georg. Fabricus, in Itinere Chemnic. p. 51. gesagt hat: Hûic nive tincta coma, et glacie riget aspera barba. Wolffg. Lazius schreibet lib. 12. Reip. Rom. sect. 2. fol. 918. daß dieses Pyrenaei montis, oder Brenners / die ältisten Authores, als Appian. Alexan. in Illyrici belli enarratione, Caecil. Plin. in Panegyricis, Dionysius Geograp. Graecus, und Maximus Planudes graec. Epigrammatarius, gedencken. Es erstreckt sich solches Gebürg weit / und werden seine Jöcher von den Leuten daselbst jetzt genant der Junffen / der Serren / der Loffer / und der Ritten. Und ist zu erachten / daß ein alter Historicus, wann er schreibt / daß die Thonau in dem Pyrenaeischen Gebürg entspringe / nicht das / so Hispanien von Franckreich absondert / sondern dieses in Tyrol / verstanden habe; wiewol er auch hierinn geirret hat.