Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Freystat

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Topographia Germaniae
Freystat (heute: Kożuchów)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 140–141.
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Freystat / Freystätlein.

Dieses Namens seyn zwo Städte in Schlesien. Die erste im Hertzogthum Glogau / so gleich der Mittel-Punct gegen die umligende Städte / Sprottau / Sagan / Grünberg und Beuthen / ist. Dann dieses Freystat von einer jeden 3. Meilen / von Breßlau 16. von Groß-Glogau 5. und gleichwie in einem Thal / ligt / so um und um / auff allen Seiten / mit Bergen und Höhen / ausser gegen Nord-Ost / umgeben ist. Der Diameter hat bey 2. Stadia, der Umkreiß fast 6. Stadia. Es ist dieses Freystat erbauet worden / als allbereit wieder Teutsche in diesem Lande gewohnet / und sonder Zweiffel / unter Henrici III. Hertzogs zu Glogau / Söhnen / deren Frau Mutter Mechtild / Hertzog Albrechts zu Braunschweig Tochter war; daher die Stadt im Secret Insigel einen Thurn und ein M. führet. Die Polen haben[1] Freystat Cozuchoviam, von den Peltzen genant; weiln sich viel Teutsche Handwercksleute da nidergelassen / die Peltz / und Kotzen / gemacht haben. Das Schloß ligt nach Nord / so die alten Fürsten erbauet / und sonderlich Henricus X. mit Gräben bevestiget; welches / folgender Zeit / vom Herrn von Schöneich / als Pfands-Herrn dieses Orts / statlich zugerichtet worden ist. Es hat da / vorhin eine gute Schul gehabt; und finden sich daselbst feine steinerne Häuser. Doctor Joachimus Cureus, so von hinnen bürtig gewesen / schreibet im II. Theil seiner Schlesischen Chronik / am 43. und folgenden Blättern / daß diese Eleutheropolis Elysiorum, oder die Freystat / von Natur ein gesunder Ort / der zu Erhaltung reiner Lufft / und aller Fäulniß zu wehren / sehr bequem; aber die Lachen und Pfüdelen um die Stadt / darein die Handwercksleute allerley Unflat werffen / geben einen bösen Dunst und Gestanck / davon die gute Lufft verderbet werde; die darneben sehr zärtlich / und etwas kalt / so der Lungen / und Brust / schädlich; darum in dieser Stadt Phthisis, die Darre / oder Schwindsucht / ein erbliche und gar gemeine Kranckheit / dieselbe auch gantz unheilbar seye / also / daß gantze Geschlechter daran untergehen; fürnemlich aber seyen die Weiber damit behafft: Die Oder sey eine gantze Meil davon; die Aecker umher seyen sandicht / zum theil auch steinicht / werden aber durch fleissige Acker-Arbeit traghafftig gemacht: Es seyn um die Stadt lustige Gärten / mehr / und besser / als um Glogau; Item / im Freystätischen viel Dörffer / und in der Stadt kein Closter: ihr Name komt entweder daher / weilen man den Teutschen grosse Freyheit vorgeschlagen /damit sie sich allda desto lieber niderliessen / wie dann das Gefilde herum / noch heutiges Tages / die Freyheit genant werde / auff welchem diese Stadt erbauet worden / welche weite Felder jedermann frey / und von der Obrigkeit / um einen gewissen Zinß / jedermänniglich zu gebrauchen / vergünstiget waren. Und dieses sagt gedachter Cureus. Anno 1488. den 14. Weinmonat / liesse Hertzog Hanß von Sagan / durch seine Böhmen / die er nicht zu bezahlen vermochte / selbsten seine Stadt Freystat plündern und anzünden / [141] und ward die gantze Stadt / außgenommen das Schloß / der Pfarrhof und die Schule / abgebrant. Das besagte Schloß / haben hernach die Ungarn / nach Eroberung Glogau / einbekommen. Nach deß Königs Matthiae in Ungarn Tod / ist das Freystätisch Gebiet an Polen / hernach an Böheim / und folgends / durch Versatz / an Hertzog Bartholomäum von Münsterberg gelangt / und / nachdem dieser Hertzog in der Thonau ertruncken / so bekam das Schloß allhie zu Freystat / und die darzu gehörige Dörffer / ein fürnehmer vom Adel / Hanß von Rechenberg genant / der / mit sonderm Ruhm / Reuter in Ungarn / Moscau und Preussen / geführet hat. Er that der Stadt Freystat viel Guts / und starb Anno 1537. Im Jahr 1521. hat der Rath allhie die Evangelische Predigten zugelassen; und haben / mit der Zeit / Johannes Gigas, und Abrahamus Bucholzerus, da gelehret. Siehe die vermehrte Schlesische Chronik D. Schickfusii lib. 4. cap. 23. und 35. Im Jahr 1642. hat der Käiserliche Graf von Bruay, dieses Freystat / im Augustmonat / den Schwedischen abgenommen; gleichwie auch das Jahr zuvor sich die Schwedisch-Stalhansischen / um den 10. Wintermonat/ in dem Schloß allhie / den Käiserlichen auff Gnad und Ungnad / ergeben musten.

Das ander Freystat / ins gemein Freystätlein genant / ligt im Teschnischen / zwischen dem Teschnischen Städtlein Strummen / und dem Mährischen Städtlein Ostra / auff der Strassen / von Cracau / nach Wien; derhalben auch dieses Freystätlein wol bekandt ist.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: hahen