Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Iglau

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Topographia Germaniae
Iglau (heute: Jihlava)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 99–100.
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Iglau (Merian).jpg
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Iglau / Gihlawa.

Diese Landsfürstliche Stadt ligt an den Böhmischen Gräntzen / und an der Igla / zwischen Polna und Teltsch. Gibt Gebürg und Holtz nahend herumb; in der Stadt aber wird herrliches Bier gebrauet / und gutes Tuch gemacht. Sie hat sich Anno 1458. ob sich schon allbereit die Städte Brinn und Olmütz mit dem neuen Böhmischen König Georgio vertragen hatten / demselben / weil er Hussitisch war / widersetzt; daher er sie belägert / die sich auch endlich / nach empfangenem grossen Schaden / mit Accord ergeben hat. Boregk sagt / es habe die Belägerung in 4. Monat lang gewähret / und sich Käiser Friederich in die Sach gelegt / und sie miteinander vertragen; [100] sie ist aber gleichwol folgends von diesem König ab- und samt Znoym / Brinn und Olmütz / zum König Matthia in Ungarn / gefallen. Gedachter Boregk meldet auch am 626. Blat / daß im Jahr 1522. König Ludwig in Ungarn / und Böheim / die von Iglau zu sich auff Olmütz erfordert / und sie mit ernsten Worten / wegen der veränderten Religion / und daß sie sich vom Sperato hätten verführen lassen / angeredt / und ihnen gedrohet habe / da sie nicht wiederkehren würden / er / der König / die Stadt / wegen solches Fürnehmens / strafen wolte; und seye Speratus unterdessen auffgehoben / und ins Gefängnuß gelegt worden. Es ist gleichwol nichts destoweniger allhie Aenderung in der Religion gewesen. Der Zeit aber wird allein die Römische allda exercirt / und haben auch die Jesuiten in der Stadt ein Collegium; darzu Käiser Ferdinandus der Ander Anno 1626. etliche Häuser und Güter überlassen hat. Anno 1619. den 22. April / hat der Böhmische General / Graf von Thurn / und Anno 1620. der Käiserliche General / Graf Bucquoy, Iglau eingenommen. Anno 1625. seyn allhie über neun tausend Menschen an der Pest gestorben. Nach der Schlacht bey Janckau / giengen Anno 1645. die Schwedischen auch hieher / und bekamen sie diese Stadt mit Accord: ward gleichwol gebrandtschatzt / eine Magazin allda auffgerichtet / und musten die Iglauer 60. tausend Reichsthaler zahlen; es haben sich auch allda viel vornehme Herren mit Geld gelöst. Und zu solcher Zeit hat auch der Schwedische General Major Duglas das veste Hauß Liebnitz einbekommen; so aber vielleicht noch in Böheim ligen mag. Es hat hernach / noch in diesem 45. Jahr / die Schwedische Besatzung allhie zu Iglau / auff 3. Meil Wegs umb die Stadt alles abgebrant / damit man sie nicht blocquiren könte; wie in Tomo V. Theatri Europaei fol. 975. b. stehet. Aber im Jahr 1647. ist diese Stadt von den Käiserlichen recht belägert worden. Und obwoln die Schwedischen sich lange Zeit tapffer gewehret / unterschiedliche Abschnitt gemacht / und letztlich gar auß dem Rathhauß dem Gegentheil zu schaffen gemacht / und demselben viel Volcks / und gute Leute / erlegt; so haben sie sich doch endlich auff Beding ergeben. In der Franckfurter 48. Frühlings-Relation stehet / daß Iglau den 8. Decembr. dieses 47. Jahrs / nach vier monatlicher Belägerung / vom Herrn Christoph / Grafen von Buchheim / mit Accord / der gleichwol von den Käiserlichen Soldaten nicht völlig gehalten / erobert worden / nachdem er von 5. in 600. Mann verlohren / bey 5160. Canon Schüsse hinein geschehen / auch 357. schwehre Granaten dahin geworffen worden / und ein guter Theil von der Stadtmauer eingefallen.