Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Joachimsthal

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Topographia Germaniae
Joachimsthal (heute: Jáchymov)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 36–37.
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Joachimsthal.

Dieses Thal / oder Ländlein / ligt auff Teutschem Boden / wird auch von Teutschen Leuten / so das Römische Reich lieb haben / bewohnet; aber von den Böhmen / wie Goldastus im 1. Buch vom Königreich Böheim / am 97. Blat redet / sequestrirt / und hat seinen eignen Hauptmann. Ligt gegen dem Voigtland im Gebürg / und seynd die nächste Ort herumb Gottesgab / Himmelstein / Hauenstein / Plat / S. Peter / Neukirchen / Neudeck / Klastenretz und Felixburg; darunter etliche / und zwar die meiste / Städtlein seyn sollen; davon wir aber keinen gewissen Bericht geben können. Wegen deß Bergwercks dieser Orten ist im Jahr 1516. an einem rauhen und ungebauten Ort eine Stadt / sonderlich durch Hülff und Vorsorg Graf Stephan Schlicken / deß Böhmischen Canzlars / zu erbauen angefangen worden. Casp. Bruschius, in Beschreibung deß Fichtelbergs / meldet also von diesem Ort: Es komt in die Weseritz ein Bach / doch nicht benamet / so durch Joachimsthal läufft / ein fast berühmte Berg-Stadt / durch gantz Teutschland / denen Herren Schlicken (im Jahr 1542. da er dieses geschrieben) zugehörig. Ist vor 36. Jahren ein klein elend Dörfflein gewesen / Conradsgrün genant / nun aber in solchen Reichthum und Gebäu / durch Silber erwachsen / daß wenig Städt in Teutschem Land seyn / die ihm der Grösse nach / verglichen werden mögen. Sonderlich aber hat solches Glück sich erhebt unter deß theuren Herrn / Herrn Stephan Schlicks Regiment / welcher wenig Jahr darnach / nachdem er von deß lieben Vatterlandes wegen / mit König Ludwigen in Ungarn / wider den Türcken gezogen war / jämmerlich ist gefangen / und in die Türckey weggeführet worden. Biß hieher Bruschius. Anno 1519. wurden allhie erstlich die Thaler geschlagen / so von der Stadt die Joachimsthaler genant worden / auff deren einer Seiten S. Joachims Bildnuß / auff der andern aber Anfangs deß gedachten Grafens / folgender Zeit aber König Ludwigs in Böheim gestanden ist. Es schreibet Dresserus, in seinem Städtbuch am 579. Blat / es seye Joachimsthal ein Lehen deß Königreichs Böheim / so vom Hauß Sachsen auff König Ferdinand den Ersten / in dem Teutschen Krieg / kommen seye: welches / wie es sich zu dem obstehenden schicke; der Sachen mehr Erfahrne erklären werden. Herr Johannes Matthesius, so von deß Doctoris Martini Lutheri Leben / und anders mehr geschrieben / auch eine Chronik von dieser Käiserl. freyen Berg-Stadt / wie sie genennet wird / gemacht hat / (welche Chronik wir zwar nicht gesehen) ist lang allhie Pfarrer gewesen; der von dieser Stadt folgenden Spruch geführet hat:

ECCe fLorent VaLLes CUM eVangeLIo

So ist der der Podagrische Nicolaus Hermann / so viel schöner geistreicher Psalmen / und darunter den; Wenn mein Stündlein vorhanden ist / etc. gemacht hat / allhie bey der [37] Schulen Cantor gewesen. Siehe / was von diesem Ort / neben den angezogenen Autoren / wie auch dem Bergwerck allda / Petrus Albinus, in der Meißnischen Berg-Chronik / tit. 8. weitläufftig schreibet. Anno 1631. wolte man allhie auch die Religions Aenderung vornehmen / darüber eine Auffruhr entstunde / und musten die Commissarii wieder abziehen / und die Inwohner bey der Augspurgischen Confession lassen. Anno 1634. haben Stadt und Schloß die Chur-Sächsische eingenommen / aber nicht lang behalten.