Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Prag

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Topographia Germaniae
Prag (heute: Praha)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 55–69.
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Prag (Merian).jpg
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Prag im Prospect (Merian).jpg
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Prag.

Das Haupt deß Königreichs Böheim / oder desselben vornehmste / gröste und Königliche Residentz-Stadt ist Prag. Was sie vor einen Namen vorzeiten bey den ersten deß Landes Inwohnern gehabt / das findet sich in den Schrifften nicht. Folgends / als die Bojer hieher gelangt / haben sie diesen Platz / wie auch das Land selbsten / nach sich Bojoheim / das ist / der Bojen Sitz / Wohnung / Königliche Hofstatt / Palast und Residentz / genant: Strabo sagt lib. 7. daß in Teutschland der Hartzwald / darinn Bojoheim / deß Marobodui Königlicher Sitz seye. Welches Goldastus in seinem Buch vom Königreich Böheim lib. 1. c. 10. mit Justo Lipsio, nicht von dem gantzen Lande / wie Cluverius wil / sondern allein von Prag zu seyn / verstehet. Aber darinn gibt er Goldast dem Cluverio recht / wann derselbe lib. 3. German. Antiq. cap. 30. schreibet / daß dieses / deß Strabonis Bojohaemum hernach von dem König Maroboduo, dessen oben im Eingang dieses Tractats gedacht / Marobodum zugenant worden seye; wie solchen Namen Ptolomaeus setzet. Und hält er Goldast darfür / daß selbiger Königlicher Sitz auff dem Wischehrad / so der Hertzogen und Königen in Böheim uhralte Wohnung gewesen seye / welcher Sitz erst / von den folgenden Fürsten / von dannen / auff den Berg Peterzin / oder Hraczin verlegt worden. Daß aber auch darneben ein Castell / oder Flecken / gestanden / so der Marcomanner Haupt gewesen / das werde daher erachtet / weilen die Schwaben / das ist / die Marcomanner / deren König besagter Märbod war / ihren Raub dahin gebracht haben; welcher Flecken dann eben an dem Ort gestanden zu seyn / nicht unrecht erachtet werde / wo jetzt die grosse Stadt Prag zu sehen: Und wolle der Böhmische Chronik-Schreiber Hagec. part. 1. Ann. 795. fol. 39. daß die kleine Seiten / oder das kleine Prag / älter seye als die alte Stadt Prag. Folgends / zun Zeiten der Heydnischen Fürstin Lybussä / nachdem die jetzige Wendische / oder Slavische Inwohner ins Land kommen / hat erst diese Stadt den jetzigen Namen bekommen. Es wollen aber die Böhmische Scribenten / daß Prag zur selben Zeit (vielleicht wegen der vielfältigen Kriege) fast öde gelegen / und damaln nur ein Dörfflein gewesen seye / von welchem die besagte Zauberin Lybussa viel geweissaget habe. Sie melden auch / daß sie ihren Leuten befohlen / an diesen Ort zu gehen / und 2. Männer (Boregk sagt von einem / so die Aeste von einem Stock abhieb) die da gearbeitet / zu fragen / was sie machten; und als solche antworteten Prah / das ist / eine Schwelle (zu einer Thür) so habe sie den Ort Prah / oder Praha / zu nennen / und allda eine Stadt zu erbauen befohlen / welche die Teutschen hernach Prag geheissen haben. Es schreibet aber der glaubwürdige M. Procopius Lupacius Hlawac Sowaeus, [56] von Prag bürtig / in seinem Calendario Historico, Anno 1584. allhie gedruckt / daß Prag erst unter dem Hertzog Mnatha ihren Anfang bekommen / und Anno 823. von Bogeno, oder Wogeno, mit Gräben und Mauren / umbgeben und erweitert worden seye. Folgender Zeit aber hat sie gewaltig zugenommen; sonderlich / da man auch Teutschen allda hat einkommen lassen. Und sagt oberwehnter Wentzel Hagek / in Chron. part. 2. und im Jahr 1377. also: Zu der Zeit ist der halbe Theil im Rath der Stadt Prag Böhmisch / und halb Teutsch gewesen / und es stund jederman vor dem Rechte / auff dem Rathhause / frey / ob er Böhmisch oder Teutsch / reden wollen. Es ligt Prag fast mitten in Böheim an der Muldau / oder Wltavv, in einem sehr lustigen und ziemlich weiten Thal / zwischen den Hügeln und schönem Weingebürg / über welche ein ebener Bezirck / von einem edlen Feldbau / etliche Meilen Wegs ringsherum sich erstreckt / und sehr lustig anzusehen ist. Hat eine gute gesunde Lufft / und wird vornemlich in 3. Theil / oder Städte / nemlich in die alte / neue und kleine Stadt / abgetheilet / und hat jede ihr absonderlich Regiment und Obrigkeit / und scheidet gedachter Fluß die kleine Stadt von der alten und neuen / die gleichwol alle 3. an seinem Gestade / und zwar die kleine Seiten gegen Nidergang / und die alte Stadt gegen Auffgang / ligen / welche Letztere von der neuen Stadt gleichsam umringet wird / also / daß solche ob und unter der alten Stadt gleichfals an das Wasser reichet. Besagter Hagecus schreibet im 2. Theil seiner Chronik / am 187. Blat / daß vom Käiser Friederich dem Vierten / im Jahr 1477. zu Wien / als er dem Böhmischen König Wladislao offent- und ansehnlich / auff vorgangene Lehens-Pflichte / das Lehen über das Königreich / und die Fürstenthum ertheilet / die alte Stadt Prag ein neues Käiserliches Wappen / nemlich zwey Löwen / mit der Käiserlichen Cron auff dem Helm: die neue Stadt Prag aber (bey welcher das ob gedachte alte Königliche Schloß Wischehrad gestanden) einen kleinen zweyköpffigen schwartzen Adler / mit auch einer Käiserlichen Cron auff dem Helm empfangen habe: dessen ansehnlichen Privilegii beyde Städte noch auff den heutigen Tag geniessen. Theobaldus aber sagt part. 3. vom Hussiten Krieg / cap. 24. also: Die Neustädter bekamen in dem Schild einen schwartzen Adler / auff welchem Schild 2. andere Adler auch eine Käiserliche Cron halten.

Es ligt aber die alte Stadt Prag auff der rechten Seiten der Muldau oder Multaviae, (so allhie sehr geschwellt / und breit ist / und 3. Meil Wegs unter Prag in die Elb laufft) gantz in der Ebene deß Thals / darinn viel herrliche Gebäu / meistens auf die alte Manier / zu sehen seyn / und unter denselben viel schöne Kirchen / als zu Unser Frauen (dabey ein Ort / so Laeta Curia, oder auff Teyn / auch insgemein / besagte Kirch selbsten im Theyn genant wird) und andere; Item ein Jesuiter Collegium, und Kirch neben der Brücken: wie auch die Hohe-Schul / oder Käisers Caroli IV. Collegium, neben andern Collegiis mehr. Gedachter Lupacius sagt / daß dieser Käiser die Hohe-Schul Anno 1348. angerichtet habe. Andere setzen das 60. theils das 66. und theils das 1370. Jahr. Welche etwan sehr berühmt gewesen / also / daß man vor dem Hussiten Krieg / über die 44. tausend Studenten / wie abermals Hagek bezeuget / von allerley Nationen / allda hat zehlen können; davon / als Johann Huß zu predigen angefangen / Anno 1409. innerhalb acht Tagen / über 40. tausend hinweg gezogen seyn; wiewol Aeneas Sylvius nur von 5000. und Dubravius von 24. tausend / schreiben thun. Und hat / nach solchem Krieg / sich diese Universität nie mehr recht erholen können; obschon der Zeit die Jesuiter / als die solche Hohe-Schul jetzt zu bestellen Anno 1622. erlangt / auch einen ziemlichen Zulauff haben sollen; sonderlich / weil auch die Landschafft-Schul in ihren Händen ist. Dann dieselbe / nach ihrer Außschaffung / noch zu End deß 1620. Jahrs / wieder allhie eingeführet / in ihr Collegium zu S. Clement: hergegen / in gemeldtem 1622. Jahr / die Evangelische Prediger zu Prag abgeschafft worden seyn.

Das Rathhauß in dieser alten Stadt ist vornemlich zu sehen / so einen hohen Thurn hat / daran ein sehr künstliches Uhrwerck / deßgleichen / so viel die Kunst anbelangt / in

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[57] der gantzen Welt kaum solle zu finden seyn; es wäre dann / daß Straßburg / mit seiner Münster Uhr / da einen Zutritt hätte; oder auch / in dem nächsten Kriegswesen / allhie Schaden daran geschehen wäre: wie dann David Frölich part. 1. lib. 3. Viatorii dahin zielet / wann er sagt / daß solche Uhr nicht mehr in ihrem Esse vorhanden seye. Es waren an solcher deß Himmels-Lauff durchs gantze Jahr / mit der Zahl der Monat / Tag / und Stunden / Auff- und Nidergang der Sternen; der längst und kürtzeste Tag; die Aequinoctia; die Feste durchs gantze Jahr; die Länge der Nacht und deß Tags / der Neu- und Vollmond / neben den Vierteln / die 3. unterschiedliche Schlagstunden / nach der gantzen und halben Uhr (die doch nur eine Hand / oder Zeiger weisete / so von einem der 12. so benanten himmlischen Zeichen in das ander / mit der Sonnen / und täglich einen Grad fortgienge) zu sehen. Und war darunter ein andere grosse Spaera, darinn ein Calender / in welchem ein Engel / so auff der Seiten stunde / und täglich den gegenwärtigen Tag weisete. Siehe den V. Tomum Theatri Urbium Görg Braunens / und P. Bertium. Denckwürdig ist / daß in dieser alten Stadt / bey den Fleischbäncken / sich keine Fliege auff das Fleisch setzet / welches / vor der Zeit / durch einen Schwartzkünstler / zu wegen gebracht worden seyn solle. Bey dem Wasser / und Mitternachtswerts / haben die Jüden ihre Wohnung / und so viel Platz innen / als manche Stadt haben mag. Das alte Rathhauß / Rychta / oder alte Gericht genant; Item / das Tuchmacher / oder Gewandtschneider und Kürschner-Hauß / die Böhmische Kotze genant / und der Spital bey der steinern Brücken / seyn da auch zu sehen: Item / die 2. prächtige Häuser / darinnen etwan Könige gewohnt haben / in deren einem heutiges Tags die Müntz geschlagen / und das ander noch der Königs-Hof genennet wird: und das Zollhauß. Es ist aber diese Brücke / über welche man / auß der alten / in die kleine Stadt / oder auff die kleine Seiten / gehet / unter den 3. fürnehmsten in Teutschland eine / auß welchen sie die breiteste seyn solle. Petrus Albinus in der Meißnischen Chronik pag. 327. sagt: daß solche Cytha (oder Githa) Uladislai I. Tochter / in 3. Jahren erbauet habe. Gedachter Lupacius meldet / daß sie ums Jahr 1174. von der Königin Guta seye erbauet / und Anno 1272. vom Wasser zerrissen worden. Wenceslaus Hagecus schreibet in Ann. 1171. daß sie von Wladislai II. in Böheim Gemahlin / der Judith, in 3. Jahren erbauet; und als sie hernach durchs Wasser verderbt / wieder vom Käiser Carl dem Vierten 1358. zu bauen angefangen / und erst / zur Zeit deß Hussitischen Kriegs / vollendet worden sey. Boregk aber berichtet / daß König Uladislaus, durch einen Italiänischen Werckmeister / diese Brücke habe machen lassen. Gedachter Albinus setzet die Länge von 872. Pragerischer Eln / die Breite von 4. Wagen. Und sagt er weiter / daß sie 16. Schwibbögen habe; mit welchem auch hierinn Albizius, Ens, Bertius und Dresserus übereinstimmen. Abraham Sauer / Görg Braun / Michael Heberer / Johannes Limnaeus, Adrianus und Martinus Boregk schreiben von 24. Aber Aegidius Sadeler / hat in seiner Pragerischen Beschreibung und Abbildung / auch nur 16. Schwibbögen / und sagt / sie seye vom Käiser Carolo IV. mit lauter Werckstücken sehr künstlich außgebauet worden / seye 1770. Werckschuh lang / und 35. breit: habe an jedem Ende einen starcken hohen künstlichen Thurn / durch welche der Weg gehe / und seyen beyde / samt der Brücken / zu der alten Stadt gehörig.

Die Neue Stadt ist vor diesem / von der besagten Alten / mit Mauren und einem Graben / unterschieden gewesen: Als aber die Mauren theils vom Alter eingefallen / theils eingerissen / und der Graben biß auff etwas weniges / so noch davon vorhanden / angefüllet worden; so siehet man / an derselben statt / jetzt Gärten / Felder und Plätze. Bey dem alten Königs-Hof stehet ein ansehnlicher Thurn / da beyde Städte sich scheiden. Es ist diese neue Stadt weitschweiffig / und grösser dann die alte. Es seyn darinn sehr grosse neue Märckte / und am obern Theil hat sie etliche Hügel / als S. Caroli, S. Catharinae, S. Apollinaris, der Slowaken / oder Emaus / und den Wischehrad / in ihrem Begriff / so mit Clöstern und Gebäuen gezieret seyn: wie es [58] dann in dieser Stadt auch sonst viel schöne Kirchen / Clöster / Schulen und Häuser / und sonderlich ein stattlich Rathhauß / mit einem schönen Thurn / hat. Was das gedachte Slowacken Closter / oder Emaus / anbelangt / so hat solches gemeldter Käiser Carl der Vierte / als der auch diese Neu-Stadt Anno 1348. erbauet / auffgerichtet / in welchem das Privilegium, so Alexander der Grosse den Slaven / oder Wenden / gegeben haben solle / und dessen Hagegk gedencket / zu lesen. Es seyn auch noch Anzeigungen am Ende dieser Stadt vorhanden / wo das obgedachte gewaltige Schloß gestanden / das man Wizschijhrad / oder das höhere Schloß / genant / welches Anno 683. solle erbauet worden seyn / und das mit 13. Kirchen gezieret gewesen / aber Anno 1420. von den Hussiten außgehungert / geplündert / und verbrandt worden; nachdem es lange Zeit der Hertzogen und Könige in Böheim Wohnung gewesen ist. Der Probst allda war nicht unter dem Bischoff / sondern übte in den Kirchen seiner Probstey den Bischofflichen Gewalt. König Uratislaus soll diese Fürstliche und ansehenliche Probstey / Anno 1088. angeordnet / und Käiser Heinrich der Vierte bestättiget haben. Theobaldus in der Histori deß Hussiten Kriegs / schreibet von gemeldtem Schloß / unter anderm also: Dieses 1420. Jahr / den 2. Novembris, bekamen die Prager / durch Accord / das Schloß Wischerad. Den 3 hernach haben sie es angezündet. Unter den 13. schönen köstlichen Kirchen darinn / war S. Petri und Pauli, nach Form der Römischen gebauet; so alles / samt dem Königlichen Saal / und den Fürstlichen Zimmern / darauff gangen / dessen Rudera noch zu sehen. Hiesse anfangs Psary / hernach Libin / und wurde ferners vom Praemislao, dem Ersten Hertzog / Wyzschijhrad / das ist / das höhere Schloß / genant. Heut zu Tag ist es ein Wüsteney; doch siehet man noch veste Mauren / dessen Kalck man schwehrlich mit Dolchen / oder andern Instrumenten / auffstechen kan. Gegen dem Wasser ist ein hoher spitziger Felß / also / daß einer / wie von einer Mauer / in das Wasser siehet / an welchem Ort ein rundes Gemäuer / das sie Balneum Libussae, oder der Libuschen Bade / nennen / zu sehen; dessen Ursach er am 172. Blat / deß I. Theils / setzet / auch ein mehrers hiervon schreibet / und saget / es seye hernach auß diesem Fürstlichen und Käiserlichen Hof / ein Garten worden. Vornen bey dem Thor / das vermauert / ist in dem Wasen ein Irrgarten außgehauen / der seltzame Gänge hat. Und ob er wol kaum 4. Tisch breit / will er doch Zeit haben / ihn außzugehen. Ausserhalb deß Schlosses sind 3. Kirchen gar schlecht wieder gebauet / und weiset man in obgedachter Kirchen Petri und Pauli, das Grab Longini, so in einem Stein außgehauen / 9. und ein halbe Spannen lang / und 4. breit ist. Weiters / so saget Boregk / daß obgedachter Probst allhie / der Oberste Cantzlar deß Königreichs Böheim gewesen. Den Ort / da die Erde / bey dem Schloß / sich auffgethan / und die Drahomira, deß H. Wenceslai Mutter / samt dem Wagen / und allen denjenigen / so mit ihr gewesen / ausser einigen Fuhrmanns / so ein Christ war / verschlungen / meiden noch heutiges Tags / meldet er / die Wandersleute / so vom Abend nach dem Prager Schloß gehen / ob gleich die Erden sich wieder zusammen geben habe. Der auch am 621. Blat seiner Chronik schreibet / daß bey Anfang deß Königs Ludwigs in Böheim Regirung / Anno 1516. die Prager dahin gehandelt / damit sie auß beyden Städten eine machten: Derowegen sie einerley Recht / und Obrigkeit / in beyden Städten verordnet / die Gräben außgefüllet / sie eben gemacht / und die Thor auffgethan hätten. Welches dann auch im 5. Theil deß Görg Braunen Städtbuchs / Item beym Bertio l. 3. Rer. German. p. 643. gesagt wird: wiewol C. Ens, in deliciis apodemicis per Germaniam pag. 291. berichtet / daß alle 3. Städte jede ihre besondere Jurisdiction, und eigenen Rath haben; wie auch oben gemeldet worden / und es Aegidius Sadeler / von seiner Zeit / im Jahr 1606. bezeuget: und auch folgends saget / daß nemlich Anno 1518. in Abwesen Königs Ludwigs / die auß der alten und neuen Stadt eine Verbündnuß gemacht / und sich unterstanden / beyder Städte Regiment und Recht / unter eines zusammen zu ziehen; seyen aber bald hernach unter dem König Ferdinando wiederum zertrennet worden. Es ist in der Neu-Stadt ein Bach / Boticz genant / darüber ein Schwibbogen gehet.

[59] Die Kleine Stadt oder Seiten / ligt zur Lincken der Mulda / oder Multhau / darinn / an der steinern Brücken / das Sachsen Hauß / dessen auch Dubravius gedencket / und welches vom Churfürsten Rudolpho zu Sachsen / der Anno 1356. gestorben / prächtig erbauet worden ist. Gemeldter Boregk schreibet / am 321. Blat / also: Der Hertzog zu Sachsen Rudolphus I. nahm / auß Vergünstigung Käisers Caroli V. nahe bey der Brücken zu Prag / einen Platz ein / und bauete daselbst / von Grund auff / ein herrliches und prächtiges Hauß / in welchem er auch / biß in die Höhe hinauff / etliche gläserne Hälter bauete / in welchen die Fische von denen / so vorüber giengen / wie sie herum lieffen / konten gesehen werden. Biß hieher Boregk. Es ist diese Kleine Seite heutigs Tages ihrem Namen entwachsen. Dann sie mit aller Zugehör der Alten Stadt fast gleichet: und ist sonderlich unter Käiser Rudolpho II. von den Inwohnern und Land-Herren mit sehr köstlichen Palästen und Gebäuen / auff Italiänische Manier / aller Orten trefflich gezieret und erweitert worden. Es hat in diesem Theil auch seine eigene Kirchen / die aber der Zeit / sammt den andern allen zu Prag / (deren gedachter Boregk 72. zehlet) nach Außschaffung der andern Religionen Prediger / im Jahr 1622. beschehen / jetzt von Mönchen / und andern Römisch-Catholischen Priestern / etc. besungen und versehen werden. Und ist so gar die neu-erbaute Evangelische Lutherische Teutsche Kirch auff dieser kleinen Seiten / so seyt der Prager Schlacht gesperret gewesen / den 7. Herbstmonats Anno 1624. den Carmeliten / und hernach auch die Evangelische Kirch in der Alten Stadt den Jesuitern eingeraumt worden. Und hat man allbereit vorhero im Jahr 1621. die Prediger in den Kirchen zu S. Niclas / S. Egidii / und S. Heinrich abgeschafft; ist auch vom Käiser Ferdinando II. den 3. Junii / dieses Jahrs / Fürst Carln von Liechtenstein befohlen worden / wann es seyn könte / daß auch die Kirche zu S. Adalbert in Potskal / und die zum Thein in der Alten Stadt / den Catholischen möchten eingeraumt werden. Der Hussiten Kirch auff der kleinen Seiten / die man ihnen den 4. Julii Anno 23. genommen / ward nach der Weyhung S. Leopolds Kirche genant.

An diese Kleine Seite / oder Stadt / stösset und wird gerechnet das Städtlein Augezd / jetzt Neiß genant / auff der andern Seiten aber ist ein Hügel oder Berglein / auff welchem das Städtlein Hradezan / Hraczinium, oder / wie mans insgemein nennet / Hratschin / liget / welches Theils auch die Obere Stadt Prag heissen / so ihren Burgermeister und Rath / auch eigenes Stadt-Buch hat.

Neben diesem Städtlein ist S. Wenceslai, oder das jetzige Prager- und Königliche Schloß gelegen / darauff der Zeit die Könige / wann sie allhie seyn / Hof halten; hat eine grosse Weite in sich / so der vielen Mauren und Gebäuen / oder Königlichen Palästen / auch Herren- und Burger-Häuser halber / wie eine Stadt anzusehen ist. Der Saal darinn hat in der Länge 212. und in der Breite 69. (theils haben nur 30.) Werck-Schuh. Ist oben her gantz künstlich gewölbt / und hat in der Mitte kein Seul / auff welcher er ruhete. Der untere Boden / oder das Paviment / ist so starck / daß etliche Cornet Reuter allda sich tummeln / und Ritterspiel halten können; wie dann dergleichen Turnier Anno 1549. in Gegenwart Churfürsts Moritzen zu Sachsen / allda sollen seyn gehalten worden. In der Höhe hangen vier sehr grosse und schöne messinge Leuchter / so die Stadt Nürnberg Käiser Ferdinand dem Ersten verehret hat. Daran ist die Landstube / darinn die Landtäge / etc. gehalten werden. Daher dann auff solchem Saal täglich viel Volcks / auch allerhand köstliche Waaren / sonderlich wann eine Königliche Hofhaltung allhie ist / und bey den Landtägen / zu finden. Und ist gleich an diesem Schloß die schöne / trefflich weite / und sehr helle Thum-Kirch / die Anno 923. der heilige Wenceslaus, Martyrer / und Hertzog in Böheim / S. Vito zu Ehren erbauet / und Hertzog Boleslaus, der Fromme / sie Anno 967. oder 68. zu einer Bischofflichen Kirchen / gemacht; Hertzog Spitigneus II. aber Anno 1060. erneuert und erweitert hat. Und als sie Anno 1142. Schaden gelitten / hat König Johannes Anno 1344. das Fundament deß Chors gelegt / sein Sohn [60] Käiser Carl aber / sie mit vielen Heiligthümern / als mit dem Cörper deß H. Sigismundi, Königs in Burgund / (welchen er selbsten auß dem Closter zu S. Moritz im Wallisserland / abgeholt / und mit sich hieher Anno 1366. gebracht) und andern; wie auch mit Geschencken begabet und gezieret hat. Und ist sie damahln ein Ertzbischoffliche Kirch worden. Käiser Wentzel hat Anno 1392. den hindern Theil daran gebauet / und als sie / die Kirch / samt dem Schloß / Anno 1541. vom Feuer grossen Schaden gelitten / so hat Käiser Ferdinand der Erste Anno 1555. alles wieder erstattet / und dieselbe herrlich gezieret. In der schönen Capell / so Käiser Carl der Vierte auffs prächtigste / mit grünen und braunen Steinen / so wie Edelgestein schimmern / und mit eingetragenem Golde / erbauet hat / ruhet obgedachter H. Wenceslaus. Und ist in solcher Capell / und in diesem Grab / vorhin die Königliche Cron auffgehalten worden / biß man zu deß Zischka Zeiten / und umb den Anfang deß Hussitischen Kriegs / dieselbe ins Schloß Carlstein / als an einen sichern Ort / gethan hat. Es liget auch allhie der H. Adelbertus, der ander Bischoff in der Ordnung zu Prag / der Anno 996. oder 97. von den Preussen getödtet worden; deßwegen gleichwol die Polen strittig seyn. So haben ingleichem in der Kirchen ihre Ruhstatt etliche Käiser und Könige / und unter denselben höchstgedachter Käiser Carolus IV. sammt seinen 4. Gemahlin / und Sohn / dem Käiser Wenceslao: Item / Käiser Maximilian der Ander / der von Regenspurg erstlich nach Lintz / und von dannen hieher geführet worden ist: Item / die Könige / Ladislaus und Georgius, in Böheim / und Käisers Ferdinandi I. Gemahlin Anna: Item / so seyn an unterschiedlichen Orten dieser Kirchen / auch andere Könige / Bischoffe und Fürsten / und unter denselben der berühmten Barbarae, Käiser Sigismunds Gemahlin / Begräbnussen / vorhin zu sehen gewesen / und vielleicht zum theil noch. Dann Anno 1619. den 21. Christmonats / auff deß Pfaltzgrafen Friderici, Churfürstens / als neu erwählten Königs / Befelch / die Bilder / sammt den Altären / auß dieser schönen Kirchen / hinweg gethan worden; da dann zugleich auch andere Sachen darauff gangen seyn; wie auß einem den 2. Jenner Anno 1620. in Prag gegebenen / und im Druck vorhandenen Schreiben / weitläufftig zu ersehen. Der Chur-Pfältzische Hof-Prediger / Abrahamus Scultetus, hat zwar solche That / in einer den 22. Christmonats / in dieser Schloßkirchen gehaltenen Predigt / verthädigt; aber es haben ihme bald darauff Doctor Fridericus Balduinus zu Wittenberg / und Balthasar Hagerus, ein Jesuit geantwortet; wie deren beyder Anno 1620. zu Wittenberg und Mayntz / außgegangene Schrifften / hievon zu lesen. Und hat gedachter Fridericus, Churfürst / damit ihme die meiste Böhmen zu Feinden gemacht. Käiser Rudolph der Ander / so deß Jahrs 1612. gestorben / und von deme Julius Caesar Bulengerus lib. 13. Histor. sui temporis fol. 405. schreibet / daß er / in seinem Schatz / an Perlen / Edelgestein / Gold / Silber / und anderm / über die siebenzehen Millionen Goldes verlassen / hat auch in dieser Schloß- oder S. Veits Kirchen (deren Beschreibung ingleichem Schadaeus part. 4. Sleidani Continuati lib. 1. fol. 60. setzet) seine Ruhstatt gefunden. Käiser Ferdinand der Ander hat Anno 1621. den 29. Jenner / dem Fürsten von Liechtenstein befohlen / daß diese Kirch wieder solte gezieret / die Bilder / und anders auffgerichtet werden. Es hat solche einen hohen starcken Thurn von Quadratstücken. Nicht weit von solcher / gegen Morgen / ist ein Frauen-Closter / so daß älteste in gantz Böheim. Dann deß H. Wenceslai Vatter solches S. Görgen zu Ehren am ersten erbauet hat; in welchem auch er / und seine Mutter / die H. Ludmilla / wie auch Hertzog Boleslaus, der Fromme / begraben ligen. Die Aebbtissin allda ist Fürstlichen Standes / und muß bey der Königin Crönung seyn. Aegidius Sadeler sagt / sie gebrauche sich einer Cron und Stabs / und werden durch sie Königinne im Böheim gecrönet. Auff einer andern Seiten / etwas weiters davon / ist das Closter Strahoro / ins gemein Strahoff genant / so man auch den Berg Sion heisset / und neben der Stadtmauer / auff einem hohen / und sehr gähen Hügel / Petrzin genant / Wratislaus oder Uladislaus, der erste Böhmische König / erbauet [61] hat / der auch daselbst begraben ligt. Boregk schreibet / daß / wo jetzund das Closter Strahoff / ein grosser und dicker Wald / zur Zeit Hertzogs Jaromiri, und seines Bruders Ulrici, gewest seye. König Uladislaus habe hernach das Closter von dem Gelde / so die Meutmacher wider ihn eins theils zur Straffe geben musten / von neuem auffbauen lassen / und es den Berg Sion genant: weil es auff diesem S. Petersberg ein solche Gelegenheit haben soll / wie mit dem Berge Sion in Orient / und derselbe jenem gleich seyn solle. Obgedachter Sadeler schreibet also: Von dem Schloß ein Weglein gegen Nidergang ist ein anders Closter / Prämonstratenser Ordens / ingemein der Strahow genennet. Ligt nächst an der Stadtmauer / auff einem ziemlichen hohen Hügel Petr’in / der ein Stück ist vom weissen Berg / und sich fast auff ein Meil Wegs erstrecket. Diß Closter hat gebauet König Uladislaus der Erste / wecher allda begraben ligt / und es den Berg Sion genennet / dieweil er von Bischoff Heinrichen von Olmütz / nach dessen verbrachter Räiß zum H. Grab / berichtet worden / daß die Gelegenheit dieses Bergs der Stadt Jerusalem gar ähnlich sey. Die Kirch ist im Hussiten-Krieg übel zugerichtet und zerstöret / neulich aber wiederum / sammt noch 2. deren eine S. Mariae Assumptae, die ander S. Rochi, beyden innerhalb deß Closters Ringmauren / stattlich und zierlich aufferbauet worden. Biß hieher dieser. Es wurden bald im Anfang in diß Closter Mönche Prämonstratenser-Ordens geführet / welcher seinen Ursprung von einem Praemonstratus genant / haben soll; der / wegen seiner Gottseligkeit beruffen war / und eine weisse Kleidung trug. Und dieses meldet Boregk / am 148. Blat. Sonsten wird S. Norbertus, zum Stiffter selbigen Ordens gemacht / dessen Gebeine auch hieher / in diß Closter von Magdeburg / zun Zeiten Käiser Ferdinands deß Andern / gebracht worden seyn. Und sagt Aubertus Miraeus in Fastis Belgicis, Mens. Jun. pag. 287. also: S. Norbertus, Magdeburgensis Archi-Episcopus, Candidi Ordinis Praemonstratensis Fundator, natus est Sanctis Cliviae oppido, in Dioecesi Coloniensi, quod à S. Victore, aliisque 300. Martyribus, Thebeae Legionis, Maximiani Imp. jussu, Anno salutis 298. eo loci, pro Christo, caesis, nomen habet, olim Trajana Colonia dict. Caeterùm Ordinis sui fundamenta jecit Norbertus Anno 1120. in Praemonstrato, dioecesis Laudunensis praedio; à quo totus Ordo cognomentum posteà induit. Obiit Anno 1134. Magdeburgi sepultus. Auß welchen Worten / unter andern / zu ersehen / daß gedachter H. Norbertus, gewesener Ertzbischoff zu Magdeburg / so Anno 1134. gestorben / der erste Stiffter dieses weissen Ordens seye / welcher nicht von einer Person / sondern einem Landgut / so den Namen Praemonstrati, gehabt / und an dem er Norbertus, Anno 1120. denselben angeordnet / geheissen worden / und hierinnen dem Miraeo sicherer / als dem besagten Boregk zu glauben seye. Der Benedictiner Mönch Romanus Hay, berichtet in seinem Anno 1648. zu Franckfurt gedrucktem Buch / Aula Eccles. und Hortus Crusianus genant / daß die Jesuiter vom Käiser gebeten / daß Ihre Majestät ihnen dieses Closter zu einem Lust-Ort / oder loco recreationis, eingeben solle. War aber vergebens / als der Abbt Ihrer Käiserl. Majestät einen Fußfall gethan hat / p. 102. Anno 1645. den 5. Febr. N. Cal. ward das jenige Marien-Bild / so die Schwed-Sächsische hiebevor zu Brandeiß bekommen / in einer stattlichen Procession, auß dem Schloß in diesen Strohhoff gebracht. In der Franckfurter Frühlings-Relation stehet p. 58. Es hätten die Schwedischen solches wieder umm zwölff tausend Gülden verkaufft / welches man dahin gestellt seyn läst. Ferners / war vor dem nächsten Böhmischen Krieg / auch der schöne Garten / neben dem Königlichen Schloß zu besichtigen / und noch: wiewol vielleicht die herrliche frembde Gewächs: Item / Granat-Aepffel / Pomerantzen / Citronen / Limonen / nicht mehr also / wie vordiesem / allda zu finden seyn mögen. Man hat auch daselbst Löwen / und andere frembde Thier unterhalten. Und ist in diesem Lust-Garten ein sehr schönes steinern Hauß / darvon ein gar lustiges Außsehen / und welches vorhin mit schönen Bildern gezieret war / und vielleicht noch. Obgedachter Aegidius Sadeler berichtet also: Weiter ist nicht weit vom Strahow gegen Mitternacht / [62] besser im Grund / neulicher Zeit / von den Capuccinern ein schön Closter und Kirch gebauet worden. Gegen Mitternacht deß Schlosses / über dem tieffen Wildgraben / und höltzern verdeckten Brücken / ist ein Königlicher Lust-Garten. Gegen Nidergang am Garten / werden in sonderlichen Gebäuen / in einem höltzernen Gitter / Löwen / auch andere wunderbarliche Thiere / auffgehalten. Im hintern Theil deß Gartens / gegen Auffgang / ist Käisers Ferdinandi I. künstliches Lust-Hauß / darauß man nicht allein die gantze Stadt / sondern auch deß Flusses Molda Krümme / und die umligende Landschafft weit und breit übersehen kan. Es hat zwey Umgänge und Gewölbe über einander. Der unter Umgang ist rings herum mit runden in gleicher Abtheilung stehenden Seulen eingefangen / nach der rechten Architectur-Kunst. Der Obere ist unterm freyen Himmel / hat ein steinern Geländer / und Cedern Boden. Und seyn die Capitäl überall mit eingehauenen / auß alten Historiis und Poeten genommenem Laub- und Bildweck / artlich gezieret. Gegen dem Schloß seynd zwey mit grossen Unkosten gebaute Ballhäuser. Biß hieher abermals Sadeler. Nicht weit von vorgedachtem Lusthauß ist der Königliche Thier-Garten / so mit einer Mauer weit umfangen; der aber dem andern / so bey einer halben Meil vom Schloß ligt / nicht zu vergleichen / in dessen Mitten ein sehr schöner Palast / wie ein Stern gebauet / darvon er auch den Namen bekommen. Der Boden ist von schönem Marmor / und die Zimmer mit sehr anmuthigen Gemählden gezieret gewesen / (wie von solchen jetzterwehnten Stücken C. Ens in del. apodem. p. 292 zu lesen /) so vielleicht noch seyn mag. Und in diesem / eine halbe Meil / wie gemeldt / von Prag gelegenem Thiergarten / oder Stern / hat Anno 1619. den 21. 31. Octob. obgedachter Pfaltzgraf Friederich / Churfürst / vor seinem Einzug zu Prag / zu seiner Crönung / das Mittagmahl gehalten; und ist hernach im folgenden 20. Jahr / den 8. Novembr. N. Calenders / nahend diesem Garten / auff dem weissen Berg / die bekandte und berühmte Schlacht / zwischen den Käiserlichen und den Böhmen / vorgangen / darinn diese unten gelegen / und besagter ihr neuer König Friederich flüchtig; die Stadt und Schloß Prag aber / nach erlangtem Sieg vom Hertzog Maximiliano auß Bäyern / und den Käiserlichen / wieder erobert worden: davon weitläufftig in dem I. Theil deß Theatri Europaei fol. 461. seqq. der ersten Edition, zu lesen; daselbst auch die Beschreibung deß gemeldten weissen Bergs / zu finden. Und hat Käiser Ferdinandus II. Anno 1628. den 25. Aprilis / den ersten Stein zur neuen Kirchen und Closter S. Mariae de Victoria, an dem Ort / wo der Sieg erhalten worden / gelegt; auff welchem die Überschrifft mit grossen Buchstaben / wie in besagtem I. Tomo fol. 1247. zu lesen / gestanden: Anno 1628. die 25. Aprilis, Ferdinandus II. Imp. semper Augustus, Catholicae fidei Defensor acerrimus, pro gratiarum actione victoriae, contra rebelles & haereticos, Anno 1620. die 8. Novembris, in Monte albo obtentae, hujus sacri Templi S. Mariae de Victoria, primum fundamentum posuit, Urbano Pont. Max. Eleonora Gonzaga Imper. Hungariae & Bohemiae Rege Ferdinando III. Archiepiscopo Pragensi, Cardinali Ernesto ab Harrach, P. Henrico Generali Ordin. Serv. B. Mariae Virg. Zum Beschluß / ist zu der obstehenden Beschreibung der Stadt Prag zu thun / so an seinem Ort vergessen worden / nemlich / daß / wann man von der Brücken auff der Altstädter Ring oder Marckt gehen wil / und sich auff die rechte Hand hält / man zur Kirchen S. Gilgen / und von dannen nicht weit zum Collegio S. Lazari kommt: daneben die Kirche Bethlehem stehet / an welcher ein Hospital für arme Leute gebauet ist. Es seyn vordiesem allhie vom Hussen / und seinem Mit-Arbeiter Hieronymo, unterschiedliche Sachen: Item / in einer Capellen ein Kasten / und darinn in einem Särglein ein Kindlein / das Herodes / wie man das Volck berichtet / hat ermorden lassen / zu sehen gewesen. Und ist solche Kirche Bethlehem in den Historien wol bekandt. Huß hat daselbst seine Wohnung gehabt; wiewol er auch sonsten in dem Collegio Caroli IV. welches man das gröste nennet / in einem kleinen finstern Stüblein gewohnet hat. Anno 1621. den 3. Junii / ward dem Fürsten von Liechtenstein / von Hof auß anbefohlen / daß die beyde lang verschlossene Kirchen in Bethlehem [63] / und zum Fronleichnam / den Catholischen solten eingeraumt werden. Das Gefängniß / darinnen Käiser Wenceslaus 15. Wochen lang gefangen gesessen / ist auff der Altstäder Rahthauß / und wird Schpinka genennet: Jetzt setzt man die Weiber darein. Das Slowacken Closter / sonsten Emaus genant / in der Neustadt / dessen im vorgehenden gedacht worden / ist nicht weit von dem Carolhof: hat einen wunderschönen Creutzgang. Es ligt in der Kirchen auch die grosse Schleuder / mit welcher die Prager das Schloß Carolstein beschossen: weil sie aber zerlegt / und / wie zu vermuthen / etwas davon kommen / so ist noch keiner funden worden / der sie wieder zusammen hätte setzen können. Es gehen am Oster-Montag etlich tausend Menschen / wegen deß alten Gebrauchs / auß den drey Prager-Städten in dieses Closter; gleichwie den andern Tag hernach hinauß in den Käiserlichen Thiergarten / zu den Auer-Ochsen / wie Theobaldus, in der Histori vom Hussiten-Krieg / berichtet.

Es haben sich allhie zu Prag viel denckwürdige Sachen zugetragen; wie dann an derogleichen grossen und volckreichen Orten / sonderlich / wo Königliche Hofhaltungen seyn / zu geschehen pfleget / deren wir auch zum theil allbereit oben gedacht haben; von andern aber Cosmas Pragensis, Przibislavus Pulkava, Procopius Lupacius, Wenceslaus Hagecius, und andere Böhmische Geschicht-Schreiber / zu lesen seyn. Wir wollen Kürtze halber / zum Beschluß / allein etlicher noch gedencken; als / daß Anno 928. Prag vom Käiser Heinrich dem Ersten gestürmet und erobert worden. Anno 1043. hat Marggraf Egbert der Erste zu Sachsen / auch Prag mit Sturm eingenommen / weil ihr Hertzog Wratislaff / Käiser Heinrich dem Dritten ungehorsam worden. Anno 1401. ist Prag / von den Marggrafen zu Meissen / etc. auß Verordnung Käisers Ruperti, anderthalb Monat lang / belägert worden. Im Jahr 1420. giengen alle Clöster in den Prager Städten / und darunter auch das Closter S. Johannis in der Neustadt / Na Bogischti genant / beym Schweinthor / darinnen Creutzherren Rhodiser Ordens / biß auff S. Jacobs in der alten Stadt darauff; welches S. Jacobs Closter / darinn Minoriten seyn / und das ein hohe gewölbte Kirch / und in solcher Fenster von schönen gemahlten Gläsern hat / die Fleischer oder Metzger / errettet haben. Anno 1421. den 7. Junii / ergibt sich auch das jetzige Prager-Schloß S. Wenceslai, an die Prager. Anno 1422. werden / von dem auffrührischen Pöfel zu Prag wider die Obrigkeit / die Collegia daselbst gestürmet / und den 11. Mertzen die eiserne Thüren etlicher Gewölber deß grossen Collegii auffgeschlagen / die köstliche herrliche Liberey zerrissen und verbrennet. Anno 1432. hat das Wetter / den Abend vor Petri und Pauli / den Knopff auff der Kirchen zu S. Ilgen / in der alten Stadt Prag angezündet / und ist dieses hohe spitzige Dach / welches von köstlicher Arbeit / und mit Schiefer bedeckt gewesen / zusamt dem grossen Geleut in dem Thurn verbrunnen. Bald darnach / den Montag vor Maria Magdalena / ist das grosse Gewässer in Prag gewesen / davon alle Historici schreiben. Das Wasser gieng biß auff den Obst-Marckt. Indessen ist die steinerne Brücken / an 2. Orten gebrochen / als bey der alten Stadt 3. Bögen / bey der kleinen Seiten aber 2. Bögen / und ist das Wasser verlauffen: doch hat es das Spithal / und die andern Badstuben / auch alle Mühlen / außgenommen eine / den Neustädtern / weggerissen. Auff dem Podskal hat es fast alle Häuser weggenommen. In der Kirchen S. Aegidii, ist es 3. Eln hoch gestanden. Das Spithalfeld ist alles mit Wasser bedeckt gewesen / und hat biß an den Zischken Berg gedemmet. Anno 1436. wird dem Käiser Sigismunden / nach gestillter Unruhe in Böheim / das obgedachte Closter bey S. Jacob eingeraumt / dahin die Mönch wieder kommen / welchen auff heissem Fuß alle andere Ordens-Brüder / als Augustiner / Celestiner / Slowacken / Marien-Knecht / Teutsche Herren / Johanniter / zusamt den Nonnen im Closter S. Georgii, auff dem Schloß / gefolget seyn. Und ward hierauff der Römische Gottesdienst an solchen Orten / wie auch in der obgedachten Domkirchen zu S. Veit auff dem Schloß / wieder angerichtet. Als aber die Römisch-Geistlichen überhand nehmen wolten / auch der Hussiten Ertzbischoff Rockyzan / und andere ihre Priester von Prag weichen musten / [64] da ließ es sich zu einem neuen Lermen ansehen; so aber unterkommen ward / sonderlich / weil höchsternanter Käiser Sigismund zu Znoym in Mähren gestorben war. Anno 1448. hat Herr Girzick Podjebratsky / so hernach König worden / Prag heimlich überfallen und eingenommen; ist aber niemands kein Leyd in allen 3. Städten geschehen. Aber die auffm Schloß und Ratschin / oder Hradczian / bey welchem Meinhardus von Neuhauß war / wolten sich wehren; aber weil die Raisigen über das Weingebürg / und von der Mulda / im Grund hinauff / auff den Weissenberg zogen / auch den Owencz / Bubey / und die Höhe nach Letin einnahmen / auff daß niemand ihnen zu Hülff / oder von ihnen jemand davon kommen möchte; da fieng allererst Meinhardus an / sein Unglück / und daß er gutem Rath nicht gefolget hatte / zu beklagen: das Schloß ward erstiegen / Meinhardus begehrte mit Georgio zu reden / der hieß ihn auffs Neustädter Rathhauß kommen / daselbst er gefangen / und auff das Schloß Podjebrat geführet ward. Als dieses geschehen / und es nacht wurde / da samlete sich ein herrnloß Gesinde und Handwercksbursch; zu welchen sich auch hernach deß Georgii Soldaten schlugen / welche der Jüden-Gassen mit Gewalt öffneten / todtschlugen / raubten und plünderten / was einer nur bekommen konte. Sonsten gieng er ferner zu Prag still ab / und veränderte Georgius, als ein erkießter deß Königreichs Gubernator, die Rath-Schöffen in den Prager Städten / und wurde auch obgedachter M. Johann Rockyczan / von Grätz an der Elbe / nach Prag / zu seinem alten Dienst / erfordert. Kurtz nach dem neuen Jahr 1449. stirbt obernanter Meinhardus in dem Gefängnuß / welcher auß Anhetzung der Romanisten / mit List und Gewalt / der Thaboriten Obristen Procopium Rasum, gedämpfft hat. Anno 1451. war ein groß Sterben in Böheim / und wurden offt einen Tag über 200. Personen auff der Prager Kirchhöfe begraben. Anno 1481. im Frühling / ist ein grosses Gewässer zu Prag gewesen / daß es auch den Bradatzschen (das ist ein Merckzeichen am Ende der Brücken beym Spital) gantz bedeckt hat. Im Closter S. Anna ist es biß an den Altar gangen. Auff dem Kirchhof zum H. Creutz hat man mit Kähnlein fahren könnnen. Anno 1483. entstunde allhie ein Aufflauff / sonderlich weiln die Thum-Herren / und Mönch / das Unter-Consistorium abbringen wolten / auch der König den Rath mit lauter Römisch-Catholischen angefüllet hatte / welche den Hussitischen Priestern den Pabst zu nennen verbotten: sonderlich gieng den 24. Herbstmonats der Handel an / da der Burgermeister ist der alten Stadt zum Fenster hinauß / von der Rathstuben geworffen; die andere Raths-Herren aber zuvor todt geschlagen / hernach auch herauß gestürtzt; etliche aber gefangen genommen / und im Schmerhof verwahret worden / welche sie folgends peinlich befragen lassen; und weil sie bekannt / sie hätten die / so daß H. Abendmahl unter beyderley Gestalt gebrauchten / unterdrucken wollen; so haben sie dieselbe mit dem Schwerdt richten lassen. Theils Rathsherren seyn nicht auff das Rathhauß kommen / sondern haben sich davon gemacht. Darauff gieng es über die Mönch / Nonnen und Pfaffen / deren etliche gar erschlagen / theils verwundet worden; und nahm man bey den Nonnen / alles / so man antraff. Die Jüden musten auch herhalten. Und gieng es in der Neu-Stadt auch also daher / da 6. Rathsherren todt geschlagen / die übrige geköpfft / die Clöster geplündert / Mönch und Nonnen / so nicht entloffen / erschlagen / und das Closter S. Ambrosii eingerissen worden. Hernach seyn beyde Gemeind in das Schloß gefallen / haben die Prälaten / Canonicos, Vicarien / etc. verjagt / und was da gewesen / genommen: ward auch hierauff Augustinus Lucianus, ein Welscher / und der Sanctuarienser Bischoff (welcher Anno 1482. in Böheim kommen / das Abendmahl zu Lipnitz und Nimburg / in beyderley Gestalt gereicht / und viel junge Personen / mit der Hussiten Wolgefallen / ordinirt hatte) nach Prag erfordert / in die Kirche Teyn (so der erste Christliche Hertzog Borziwog ums Jahr 898. der H. Jungfrauen Marien zu Ehren erbauen lassen; welche hernach von dem Frieden-Zaun / oder Umschränckung / welches Böhmisch Tynienij heisset / Tein genennet worden) begleitet / und von ihnen / und andern Königs-Städten / zu ihrem Bischoff auff- und angenommen. Die Hertzogen [65] von Münsterberg haben sich in die Sach geschlagen / den König Wladislaum zu friedlichen Mitteln ermahnet / so er auch gethan / dardurch der Krieg im Lande / darzu sich die unter beyderley Gestalt allenthalben gerüstet / vermitten blieben. Und dieweil sich die Prager gedemütiget / die Schuld auff den ungehaltenen Pöfel geworffen / so hat der König / der Anno 1484. von Trzebicz auß Mähren / am Tag Wenceslai, wieder nach Prag kommen / ihnen ihr Verbrechen erlassen / und den Rath / auff deß Lands Vorbitt / erneuert / dessen / wegen deß Königs Bescheidenheit und Glimpff / jederman froh worden ist. Weil aber etliche von dem alten Rath / auch Prager Bürger / entloffen / sich zu dem König gehalten / und deren etliche jetzt wieder vermummet / unter dem Königlichen Hofgesinde / nach Prag kommen; so ist ein neuer Aufflauff vor deß Königs Hof entstanden / so kaum gestillt hat werden können. Und war der König nicht in geringer Gefahr / Sorg und Forcht / gar traurig und erschrocken / in seinem Zimmer; und weil einer schrye / man solt den Polen / als er / der König von Polnischer Ankunfft / sich einsmals sehen ließ / todtschlagen / und selbsten den Armbrust spannte; so ist er desselben Abends / mit wenig der Seinigen / zu Fuß / biß an das Wasser gangen / in ein Känlein / oder Schifflein gesessen / über die Wltau gefahren / und auff das jetzige Prager Schloß geflohen / welches er mit allerhand Pasteyen und Wehren bevestigen / und nach 2. Monaten / die Land-Tafel / Land-Privilegien / und alles dergleichen / von der alten Stadt wegnehmen / und auff das Schloß führen lassen. Und hat / von der Zeit an / kein Böhmischer König mehr in der alten Stadt Prag gewohnet. Was aber vor Schaden die Alt- und Neustädter ihnen / durch diese Auffruhr / selbsten gethan / mag man auß dem erachten / daß jetzt der Rätschin / das Schloß / und kleine Seite / mit viel schönern Häusern / als in der Alt- und Neu-Stadt zu finden / erbauet seyn. Bald nach dieser That / ist der König von Prag nach Czaßlau gezogen / weil er den Pragern nicht trauen wolte / und hat darauff einen Land-Tag nach Kuttenberg außgeschrieben / dahin die Böhmen und Mährer kommen solten; allda dann ein beständiger Religions-Friede auffgerichtet worden; auff welchen auch Fried im Land erfolget ist. Anno 1493. den 7. Mertz / ist obgedachter Bischoff Augustinus Lucianus, an Seiten deren sub utraque Administrator deß Ertzbisthums Prag / allhie gestorben / und in oberwehnten Kirchen Tein ehrlich begraben worden. Anno 1497. kam gemeldter König Wladislaus, von Ofen auß Ungarn / wieder nach Prag; deßwegen die Mönche allda wieder einnisteten; hergegen die unter beyderley Gestalt einen Administratorem, nemlich M. Jacobum Columbum, oder Holub / erwählten / den der König bestätiget hat. Anno 1501. am Tag Sixti, ist wieder ein so groß Wasser zu Prag gewesen / daß es den Bradaschen 2. Eln hoch bedeckt hat. Es hat den Prager Burgern grossen Schaden in den Kellern gethan / und seltzame Sachen mit sich geführet: Auff einem Haber-Mandel ist ein lebendiger Hase gesessen / und so fort geschwummen. Anno 1503. waren allhie 2. grosse Feuersbrunsten / in der Jüden Gassen / und auff der kleinen Seiten / und kam das Feuer auch in die Alt-Stadt. Anno 1506. haben die Herren / und der Ritterstand / es so weit gebracht / daß die zwo Städte / Alt- und Neu-Stadt Prag / auff das feindseligste seyn in einander gewachsen. Der König hatte die Neustadt mit dem dritten Jahr-Marckt / auch Roß- und Vieh-Marckt begnadet / und ihr die Freyheit geben / daß 18. Personen in ihrem Rath / wie in der Alt-Stadt sitzen solten. Dieses verdroß die Alt-Städter: Es ward aber die Sach durch den König gestillt. An. 1509. hielten die Mönch bey S. Thomas / am Tag der Himmelfahrt Christi / ein Fest / und zogen ein höltzernes Bilde hinauff / darzu die Königliche Trompeter / auff der Emporkirchen / bliesen; da dann selbige eingieng / sechs Menschen erschlug / ohne die / so tödlich seyn verwundet worden. Um selbige Zeit / haben sich auch die Geistlichen allhie unter einander gezanckt / indem sich etzliche für Calixtiner / etliche für Piccarden / außgeben. Aber es seyn / auff deß Königs Befelch / den Piccarden alle Versamlungen verbotten / und befohlen worden / daß sie entweder in einer gewissen Zeit zu der Römischen Kirchen / oder zu den Calixtinern / tretten solten. Anno 1510. wie es Nicolaus Isthuanfius rechnet / seyn nach der Crönung deß jungen Königs [66] Ludwigs / in der kleinen Stadt Prag 16. vornehme Ungarische Herren / und von der Ritterschafft / ausser der Verwundten / in einem Tumult / wegen einer losen Vetteln / als ein Ungar mit einem Böhmen / ihrentwegen einen Hader angefangen / umbs Leben kommen / die man allhie bey S. Thoma begraben / so noch der Ungar Capell genant wird. Der gröste Theil der Auffrührer / so der Ungarn Todschlag verursacht / seyn geschunden / und theils in eisernen Hacken auffgehenckt worden. Anno 1541. den 9. Junii / ist das herrliche Schloß zu Prag / samt der Landtafel / und anderen Monumentis, auch dem Ratschin / durch Verwahrlosung deß Feuers / im Rauch auffgangen / welches unter Käiser Ferdinando I. wieder verbessert und auffgebauet; sonderlich aber von Käiser Rudolpho mit köstlichen Gebäuen herrlich gezieret worden ist. Wie sich Prag / zun Zeiten deß Smalkaldischen Kriegs / gegen ihrem König Ferdinando I. verhalten / das zeiget auch kürtzlich P. Bertius p. 654. an. Siehe ingleichem Calvisium in Opere Chronolog. fol. 840. b. & in An. 1547. und wie die Prager deßwegen gestrafft worden / obernanten Isthuanfium lib. 16. rer. Ungaricar. p. 242. da er auch sagt / daß die Ungarn / als sie auß Sachsen im Jahr 1547. wieder zurück gezogen / den Pragern viel Schaden zugefügt haben. Anno 1605. ist Hermann Roßwurm / Obrister / so in Ungarn sich tapffer gehalten / weil er den Grafen von Belgioiosa umgebracht / auffm Rathhauß in der Alten Stadt geköpfft worden. Was Anno 1608. als Ertzhertzog Matthias / wider seinen Herrn Brudern / Käiser Rudolphum II. gezogen; wie auch Anno 1611. bey dem Passauischen Einfall in Böheim / allhie vorgangen; davon ist der continuirte Sleidanus zu lesen. Anno 1618. den 13. 23. Maji / haben etliche Böhmische Stände / den Cammer-Präsidenten und Stadthaltern / Herrn Wilhelm Slawata von Chulm / und Kossumberg / etc. Item / Herrn Jaroßlaw Borzita von Martinitz / auch Käiserlichen Rath und Stadthaltern / etc. und den Secretarium M. Philippum Platterum, im Prager Schloß / zum Fenster hinauß / und in die 27. Elen tieff herab geworffen / dadurch der blutige Krieg erfolgt / so sich folgends in Teutschland gezogen / und so viel Jahr lang gewähret hat; davon / neben den Relationibus, insonderheit die Acta publica, und das Theatrum Europaeum Merianum, zu sehen. Von der Schlacht im Jahr 1620. bey dieser Stadt gehalten / ist oben gesagt worden. Anno 1631. den 1. Novembris, hat deß Herrn Churfürsten zu Sachsen Volck diese Stadt eingenommen / und hat der Herr Churfürst / als er folgends selber hieher kommen / in allen Kirchen Evangelisch predigen / und die Häupter der Justificirten Herren von der Brücken herab nehmen und begraben lassen; wie im neuen Meterano lib. 48. fol. 129. deß 4. Theils / gesagt wird. Es hat aber solche Stadt Anno 1632. den 4. Maji / der Hertzog von Friedland / Käiserlicher Generalissimus, bald wieder erobert; der allhie einen gantz prächtigen und grossen Palast zu erbauen angefangen / welcher jetzo dem Käiserlichen Obrist-Stallmeistern / Herrn Graf Maximilian von Wallenstein / gehörig seyn solle; wie in Tomo 5. Theatri Europaei, fol. 1377. a. stehet. Es bekamen dazumaln die Chur-Sächsischen auff dem Ratschin / und im Schloß / einen schlechten Accord: und brachte der Friedländer auch Eger / Falkenau / Ellebogen und gantz Böheim wieder an den Käiser. Bog. Phil. Kemnitzius schreibet p. 131. seines I. Theils vom Schwedischen Krieg / es hätte bey obgedachter Eroberung Prag / durch die Chur-Sächsischen / Arnheim deß Fridländers obbemelten trefflichen Palast / samt darinn verhandenen köstlichen Mobilien / starck Salva-guardirt: dardurch / und andere Actiones, in Schlesien / die er anderswo beschreibet / Arnheim sich verdächtig gemacht habe: Welches aber dahin gestellt wird. Anno 1634. versuchten die Schwedisch-Sächsisch- und Brandenburgischen Prag wieder zu bekommen; war aber vergebens. Anno 1636. den 20. 30. Maji / ward allhie der Friede / zwischen der Käiserlichen Majest. etc. und Churfürstl. Durchl. in Sachsen / etc. geschlossen; weil selbige Zeiten so beschaffen / daß man Prag für tauglich hierzu gehalten; auch ohne das diese Stadt / und das gantze Königreich Böheim / ein Theil deß Teutschlandes / und Römischen Reichs ist / allda viel Reichs-Sachen abgehandelt worden; wiewol man nicht findet / [67] daß man jemals einen Reichstag dahin gelegt hätte. Als Anno 1639. der Schwedische General / Johann Banner / sich an Prag machte / auch den Thiergarten innen hatte / sturben allhie an geist- und weltlichen Personen viel tausend / und wurden täglich 500. Menschen zu Grab getragen / wie Carve im II. Theil seines Reißbüchleins / am 109. Blat schreibet. In dem IV. Theil deß Theatri Europaei, fol. 123. seq. wird hievon / wie es damaln allhie zugangen / ein mehrers gelesen / und stehet am 126. Blat / daß allbereit um den 19. Novembris, in die 18. tausend Christen / und 10. tausend Jüden / an der Pest gestorben gewesen. Anno 1643. ist der Schwedische Feld-Marschall Lienhard Torstensohn / nahend Prag / mit seinem völligen Kriegsheer / und zwar zwischen Prag und Brandeiß / da der Käiserliche General / Graf Matthias Gallas / mit seinem Kriegsvolck gelegen / in guter Ordnung vorüber- und durchgezogen; in welchem 43. Jahr / den 3. Aprilis / eylff Häuser zu Prag in brand gerathen. So ward auch ein Schatz allda gefunden / in der alten Stadt / davon in Tomo V. Theatri Europaei, fol. 112. a. zu lesen. Und ist den 6. 16. Decembris, allda / einem alten betagten Mann / wegen vieler unterschiedlichen Mordthaten / und daß derselbe / unter andern / auch 5. Weiber auffgeschnitten / durch den Nachrichter / sein verdienter Lohn worden. Anno 1645. den 4. 14. Maji / ist allhie ein grosses Ungewitter entstanden / daß man in der Alt- und Neu-Stadt / in den Gassen / mit Kahnen fahren können. Anno 46. hat es daselbst unterschiedliche Ungelegenheiten zwischen der Wacht / und den Studenten / gegeben. So ist beym Hospital-Thor / ein Stück der Stadtmauer 24. Klafftern lang / und bey dem Strohhoff / auch ein Stück besagter Stadtmauer 16. Klafftern breit / eingefallen. Und in diesem 1646. Jahr / den 5. Augusti / neuen Calenders / ist Ihre Majestät / Käisers Ferdinandi III. Sohn / Herr Ferdinandus IV. zum Böhmischen König allhie gekrönet worden. Siehe von der gantzen Handlung / und was vor der Crönung / und bey derselben hergegangen / den obgedachten V. Theil deß Theatri Europaei, fol. 1155. seq. und fol. 1173. seqq. Anno 1647. ward Prag ringst herum mit starcken Haupt-Wercken bevestiget; daran täglich 200. Soldaten / und 500. Bürger arbeiteten; auch die Jüden hundert Personen auff die Schantzen hinauß schicken musten. Anno 1648. hat der Schwedische General Hanß Christoff von Königsmarck / den 16/26. Julij / in der Nacht / sich der kleinen Seiten / Ratschins / des Schlosses und Strohhoffs / durch ein Kriegslist bemächtiget: hernach Alt- und Neu-Stadt Prag beschossen / biß der Generalissimus, Herr Pfaltzgraf Carl Gustaf darzu kommen / da dann von Ihrer Fürstl. Durchl. und den beyden Generalen / Königsmarck und Wittenberg / beyde Städt mit Ernst seyn belägert / aber nichts außgerichtet / sondern beyde erhalten / und deßwegen von Ihr. Käiserl. Majestät / wie man berichtet hat / ansehenlich begnadet und befreyet worden.

Was endlich das Ertzbisthum zu Prag anbelangt / so hat Hertzog Boleslaus der Ander dieses Namens in Böheim / der Fromme und Gütige zugenant / Anno 967. vom Papst erlangt / daß er selbsten ein Bisthum zu Prag anrichten möchte; und ward der erste Bischoff Ditmarus, ein Magdeburger / den der Ertz-Bischoff zu Mayntz ordinirt; Käiser Otto I. aber bestätiget hat. Er ist Anno 969. gestorben / und hat ihme S. Adalbertus, oder Woytechus, succedirt; der entweder im Jahr 996. oder 97. von den Preussen erschlagen / hernach in Polen / und von dannen Anno 1390. nach Prag / wie zwar die Böhmen wollen / gebracht worden ist. Es haben die Böhmische Bischöffe ihre Freyheit / und den unmittelbahren Stand im Reich / biß auff die Zeit Käisers Friederichs deß Andern / beständig erhalten; von welchem der Böhmische König Primislaus Ottocarus erlangt / daß er die Bischöffe zu Prag und Olmütz eximiren / und selbsten investiren möchte: jedoch / daß sie ihre Freyheit / das ist / die Würde eines Reichs-Fürsten / und ihre Regalien / behalten solten. Und daher huldigen die Bischöffe zu Prag Olmütz und Breßlau / dem König nicht / sondern geloben ihme nur treu zu seyn. Und wegen dieser Freyheit / die ihnen der Käiser vorbehalten und außgedingt / so seyn die Bischöffe in Böheim / Mähren und Schlesien / den [68] Concordatis Germaniae Nationis noch unterworffen / gebrauchen / und geniessen auch ihres Rechts; und seyn dahero der höchsten Aempter und Würden / im Reich Teutscher Nation / allezeit fähig gewesen. Und haben dieselbe allwegen mit Fleiß dahin gesehen / daß ihnen ihre alte / von den Römischen Käisern und Königen / ertheilte Privilegia, ungeschmälert bestätiget würden. Es haben auch die Thumherren zu Prag ihre freye Wahl; wiewol sie auff die Böhmische Nation gerichtet ist; wie hievon Goldastus im 5. Buch vom Königreich Böheim / weitläufftig zu lesen. Es waren beyde Bischöffe Prag und Olmütz / vorzeiten unter dem Ertz-Bischoff zu Mayntz; der auch die Könige in Böheim zu salben und zu krönen gepfleget hat: Aber Käiser Carl der Vierte / als ein König in Böheim / hat es beym Pabst außgebracht / daß beyde Bisthümer dem Mäntzischen Stuhl Anno 1346. entzogen / das Pragerische zu einem Ertzbisthum erhöhet / und demselben das Olmützische / wie auch das neue / von gedachtem Käiser / zu Litomißl angerichte Bisthum / unterworffen worden. Georgius Braun / in Tomo V. Theatri Urbium sagt / daß der Ertz-Bischoff zu Prag / vom Pabst Urbano V. zu einem gebornen deß Päbstischen Stuhls Legaten / seye gemacht / und solcher Legation auch die Bischöffe Regenspurg / Bamberg und Meissen / mit ihrer Clerisey und Volck / unterworffen worden. Und gemeldter Goldastus schreibet auch cap. 4. pag. 579. daß der Ertz-Bischoff allhie ein geborner Legat seye / und sein Gebiet über die Exempte oder Befreyte / die allein den Pabst für ihren Oberherren erkennen / als Bamberg / Regenspurg und Meissen erstreckte; wiewol er sich der Exemtion halber / mit Regenspurg irret; wie dann selbiger Bischoff dem Ertzbischoff zu Saltzburg unterworffen ist; wie in der Topographia Bavariae vermeldet worden. Sonsten aber machet er Goldastus lib. 3. pag. 341. allein den Bischoff zu Olmütz / zu deß Ertz-Bischoffs zu Prag Suffraganeo; wiewol er hernach / am 583. Blat / den von Olmütz gantz eximirt; wie unten bey Mähren gesagt wird. Ist also zwischen der Legation deß Römischen Stuhls / und dem Böhmischen Ertz-Bisthum / ein Unterscheid zu machen. Er Goldast schreibet auch / daß Albertus Argentinensis erzehle / obgemeldter Käiser Carl der Vierte / habe das Bisthum Prag / zu einem Ertzbisthum / mit der Gerechtigkeit die Könige zu crönen / auß Haß gegen den Ertz-Bischoff zu Mayntz / Heinrich von Firneberg / erhöhet / und solches dem Mäyntzischen Joch entzogen; und nicht um Geld / vom Ertz-Bischoff Gerlaco Nassovio, das ist / gegen Uberlassung deß Städtleins Höchst am Mayn / und deß Zolls daselbst / erkaufft; wie Serarius wolle; welcher den Bruschium, und andere / mit Unrecht strafe. Käiser Ferdinand der Ander hat / zu Auffrichtung 4. Bisthümer in Böheim / die Nothdurfft verordnet / auch dieses Ertzstifft Prag mit 24. tausend Gülden jährlichen Einkommens bereichert; wie Lammormaini, von dieses Käisers Tugenden / im 25. Capitel schreibet; aber die angedeute Bisthümer nicht mit Namen nennet. In der Herbst Relation deß Jahrs 1630. stehet p. 23. daß höchstgedachter Käiser Ferdinand 4. Bisthümer in Böheim gestifftet / als / das 1. zu Pilsen / das 2. zu Böhmisch Budweiß / das 3. zu Leutmeritz / und das 4. zu König Grätz. Denen sey ein grosses Einkommen von dem Saltzhandel zugemacht worden; und in solche vier Theil seye nunmehr Böheim abgetheilet / und hergegen die übrigen Cräise / mit ihren Haupt-Leuten / cassirt: welches man dann mit den Bisthümern / sonderlich wegen obgedachter vorhin Bischofflichen Stadt Leutomissel / und weiln Carolus Carafa deß Bischoffs zu Teinitz gedencket / dahin gestellt seyn läst: aber wegen Auffhebung der Cräise / sehr anstehet; dieweil in den einkommenden Zeitungen noch allweil der Cräise / und gar nicht der Bisthümer / in welchen diß / oder jenes geschehen / gedacht wird. Siehe oben den Eingang dieses Tractats / und im übrigen / was höchstermeldte Ihre Röm. Käis. Majest. etc. nicht allein dem vorerwehnten Ertzbisthum allhie; wie auch dem Closter zu S. Jacob / S. Anna, S. Thomas, S. Maria ad Nives, den Capucinern / denen Bedienten in der Schloß-Kirchen / den Spitälen / den Geistlichen zu S. Agnes / S. Maria Magdalena / dem Abbt zu Emaus / dem Closter Carlshof / den Carmelitern / den Mönchen S. Francisci de Paula, und andern / und sonderlich den Jesuitern zu [69] vielen malen; sondern auch an anderen Orten dieses Königreichs / ausser Prag / den Geistlichen geschenckt / und verordnet hat / den obgedachten Carolum Carafam, Episcopum Aversanum, in seinen Commentariis de Germania sacra restaurata, in desselben Buchs Anhang; allda auch die außgegangene Decreta, wegen Abschaffung der Prädicanten / und andere / so nicht Römisch-Catholisch gewesen / in diesem Königreich / und wie die Reformation anzustellen; Item / daß keiner in den Städten / so nicht Catholisch / zu einem Burger solle auffgenommen / ehelich eingesegnet / und befördert werden / zu befinden.