Topographia Bohemiae, Moraviae et Silesiae: Teschen

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Teschen (heute: Cieszyn)
<<<Vorheriger
Tarnowitz
Nächster>>>
Tost
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1650, S. 184–185.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Cieszyn in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[184]
Teschen / Tessin.

Dieses ist fast die älteste Stadt in Ober-Schlesien / welche ihren Namen von deß Lesci III. in Polen Sohn / dem Cessimiro, oder Gessimiro, bekommen haben solle; weilen er um das Jahr Christi 810. das Schloß und die Stadt Teschen anfänglich erbauet / und nach seinem Namen genennet hat. Ligt zwischen 2. Flüssen / nemlich der Weixel / so unter Teschen / neben der Plesse / sich auff Polen zu wendet / und zu einem mächtigen grossen Haupt-Wasser wird; und der Else / so ein schnelles Wasser / das bey Oderberg in die Oder einrinnet. Sonsten ligt die Stadt Teschen an den Gräntzen / zwischen Schlesien / Mähren / Klein-Polen und Ungarn / 13. Meilen von Cracau / 12. Meilen von Olmütz und 11. Meilen von der Syleine in Ungarn. Gegen dem Dorff Puntzen liget sie in der Höhe; aber die lange Gasse / gegen dem Schloß zu / liget in einem Thal. Die Lufft an diesem Ort ist auß den Gebürgen frisch / gesund und sehr bequem / so wol den Menschen / als dem Viehe. Uber der Stadt ist an Holtz ein grosser Uberfluß: dannenher es sehr wolfeil ist. Die Victualien sind auch gar wol zu erlangen: Wildpret und grosse Vögel hat man da gar reichlich; und auß Ungarn werden die köstliche Wein / und Früchten / in grosser Menge gebracht; und will fast nichts / so zu deß Menschen Unterhalt / und Wollust / dienstlich / an diesem Orte mangeln: und seyn die besagte Wasser / als die Weixel / so etwas abgelegen / und die Elsa / so nahe ist / fischreich. Man siehet da zweyerley Gebürg. Dann / Auffgangwerts / berühret das Carpatisch Gebürg Schlesien / scheidet dasselbe bey Teschen und Beuthen / von Ungarn und Polen / und wird das Ungarisch Gebürg / von dem gemeinen Mann aber die Jablunka genant / so überauß reich an Silber und Bley ist. Man nennet die Inwohner dieses Gebürgs Walachen / deren im Jahr 1643. eine gute Anzahl sich zu denen in Mähren gelegenen Schwedischen gesellet / und den Käiserlichen Abbruch thun helffen; aber darüber auch zu kurtz kommen seyn. Gegen Mittag hat es einen Strich der Sudödischen Gebürge / so am Ende deß Glatzischen Gebürge anheben / und im Teschnischen Fürstenthum / bey der Spitzen deß Ungarischen Gebürgs / sich enden. Dieses scheidet Mähren und Schlesien / und wird das Mährische Gebürg / ins gemein aber das Gesencke genant. Es hat die Stadt Teschen starcke und veste Thor / auch dicke Mauren. Von Kirchen ist sonderlich die im Prediger-Closter zu sehen / so schön / hoch / liecht und groß ist / und in welcher die Hertzogen zu Teschen ihre Fürstliche Grufft / und Erb-Begräbnuß / haben. Neben dieser / ist die Stadt-Kirche / darinn man Böhmisch prediget. Dann die Burgerschafft allhie zum theil Teutsch / und zum theil Böhmisch ist. Auff der Fürstlichen Burgk ist auch eine alte gemauerte Kirch / welche / vorzeiten / ein Heydnischer Tempel gewesen. Es ligt diese Fürstliche Residentz auff einem ziemlich hohen Berg / und ist wol bevestigt. Zum Eingang stehen unter dem Thor-Gewölbe / so etwas in die Runde gebauet ist / viel unterschiedliche grosse Geschütze: die Zimmer sind schön und wol außgefertiget. In der Stadt ist das Rathhauß zu sehen / so an einer Ecken deß Marckts / hart an dem gedachten Prediger-Closter stehet. Und ist solcher Marckt / oder Platz / ziemlich groß / weit und gar sauber / auff welches Mitte ein schöner / grosser Röhrkasten / mit Kupffer bedeckt / zu finden. Die Häuser daherum seyn in Stein hoch geführet; aber in den Gassen gibt es noch viel höltzerne Häuser / so oben mit Gängen herauß gemacht seyn. Man brauet da Weitzen- und Gersten-Bier. Das Gersten-Bier nennen sie Matznotz / und halten die obangedeute Walachen / so zum Wochenmarckt in die Stadt kommen / solches für ihren besten Alicant / und werden dardurch zum Heyduckischen Tantz stattlich auffgefrischet. Sonsten ist diese Stadt sonderlich berühmt von feinen Jahrmärckten /

[T40]
Teschen (Merian).jpg

[185] wie auch wegen der schönen allda geschmiedeten Büchsen-Röhren. Und haben daselbst der Primas / Burgermeister / und andere Rathmanne / die Justitz zu befördern / nach den allgemeinen Schlesischen Rechten und ihren Freyheiten. Es führet die Stadt / im blauen Schilde / eine weisse Burgk / mit gespitzten Thürnen / darfür der gelbe Adler herfür leuchtet. Es seyn die Inwohner / wegen der Augspurgischen Confession, auff ewige Zeit / vorhin statlich privilegirt gewesen: Aber / als Hertzog Adam Wentzel zu Teschen / Römisch-Catholisch worden / hat er dieselbe Freyheiten zum ersehen erfordert / darauff er solche zerschnitten / und die Stück in einer Schüssel / durch einen Edelknaben / ihnen wieder zustellen lassen; und so dann die Religions Enderung mit grossem Ernst vorgenommen; wie in der Schlesischen Chronik lib. 1. cap. 43. fol. 259. seq. zu lesen. Er starb im Jahr 1617. dessen Sohn / Hertzog Friederich Wilhelm / hernach Anno 1625. ohne mannliche Erben auch abgangen / und zugleich den uralten Königlich-Pyastisch-Polnischen Manns-Stamm / so viel die Teschnische Lini / (die / neben Lignitz und Brig / am längsten / unter allen Schlesischen Fürsten gewähret) belangt / beschlossen hat. Es ist aber eine Erbin / und Fürstlich Teschnisch Fräulein / nemlich hochgedachten Hertzog Friederich Wilhelms Schwester / Fräulein Elisabetha Lucretia / überblieben / die Fürst Gundacker von Liechtenstein zur Ehe-Gemahlin / und mit derselben auch Kinder / und das Fürstenthum / bekommen; in welches gehören die Städte Bielitz / Freystättlein / Friedeck / Jablunke / Nistköw / Strummen / Skotschau und Schwartzwasser. Theils thun Laßla darzu / so sonsten zu Troppau gezogen wird. Anno 1570. den 3. Aprilis / ist das obgedachte Fürstliche Schloß allhie mehrern Theils außgebrant. Was sonsten in dieser Stadt / und sonderlich bey den jetzigen letzten Kriegs-Zeiten / vorgangen / finden wir noch zur Zeit fast nichts auffgezeichnet; ausser / daß einkommen / daß die Schwedischen das Schloß Anno 1645. und hernach den 21. Aprilis / Anno 46. die Käiserlichen dasselbe wieder mit Beding erobert haben. Siehe die letzte Accords-Puncten in dem V. Theil deß Theatri Europaei, fol. 1070. seq.