Topographia Braunschweig Lüneburg: Dannenberg Schloß vnd Statt / sampt dem Hause Gümbse

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Topographia Germaniae
Dannenberg Schloß vnd Statt / sampt dem Hause Gümbse (heute: Dannenberg)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 71–73.
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Dannenberg (Merian).jpg
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Dannenberg Schloß vnd Statt / sampt dem Hause Gümbse.

Das Fürstl. Lüneburgische Schloß Dannenberg / hat vor Zeiten den Grafen von Dannenberg zugehöret / vnd soll der letzte Grafe Nicolaus, wie Meibomius in seiner Chronica setzet / Anno 1303. Hertzog Otten zu Braunschweig vnd Lüneburg / das Schloß / sampt der Statt vnd Herrschafft / für 40. Marck Lüneburgischer Wehrung jährlicher Pension übergelassen haben. Als aber nach der Zeit diese Herrschafft hinwiederumb in andere Hände kommen / vnd sich die Possessores deß Schlosses der Rauberey gebrauchet / so haben die vmbligende Benachbarten / insonderheit die Stätte Lübeck vnd Hamburg / sich darüber bey Carolo IV. dem domahligen Römischen Keyser / wie Er persönlich zu Lübeck gewesen / beschweret / der dann Hertzog Albrechten zu Sachsen vnd Lüneburg / imgleichen Hertzog Rudolphen zu Sachsen / die Execution über solche Rauber befohlen / So auch mit gewehrter Hand / Anno 1376. für das Schloß gerucket / dasselbe gestürmet / die Mauren eingerissen / wie dann die rudera davon noch heutiges Tages am Schloßwall zu sehen seyn. Ist also das Schloß / weil zu der Zeit an demselben Orte nur ein Bohldamb herdurch gegangen / vnd keine Statt / besondern nur etliche Fischerhäuser dabey [72] gestanden / sampt der gegend herumb / an das Hauß Braunschweig vnd Lüneburg / vnd hernacher Anno 1592. sampt andern Aemptern / an die Fürstliche Lüneburgische Dannenbergische Lini gekommen / wobey es auch biß auff diese Zeit geblieben.

Die Statt Dannenberg ist lange hernach erbawet / vnd von den Dannen / die das mahl vff einem kleinen Hügel / nicht weit vom Schlosse / da jetzt der Marcktplatz in der Statt ist / gestanden / seyn genennet worden.

Diese Statt hat vom Fewr vnd Brand grossen Schaden / zu vnterschiedlichen mahlen erlitten. Sonderlich ist Anno 1608. am 10. Octobris, ein Fewrsbrunst nahe am Schlosse / in eines Beckers Hause entstanden / die so starck vmb sich gefressen / daß in wenig Stunden / nebst dem Rahthause / 130. Wohnhäuser in die Asche geleget seyn; Ob nun zwar die Einwohnere durch solchen Brand sehr erschöpffet worden / haben sie doch ihre abgebrante Haußstätten hinwieder zu bawen angefangen / vnd innerhalb 16. Jahren / biß Anno 1624. den Riß so weit wieder ergäntzet / daß weniger wüste Stetten sich jetzo finden; Daferne auch der dreissig jährige Teutsche Krieg diesen Ort / wegen der Vestung Dömitz / so nicht weit davon gelegen / so hoch incommodiret hätte / würde diese Statt / wegen der allda gewesenen Fürstl. Hoffstatt / weitlich mit Häusern vermehret worden seyn / Sie ist sonsten in die länge gebawet / vnd mit feinen Wohnhäusern gezieret.

Die Burgere vnd Einwohnere dieser Statt ernehren sich theils von ihrem Handwerck / anders theils von ihrer BrawNahrung / vnd Kauffmanschafft / Insonderheit wird ein groß Gelt von dem groben Leinwand / das man Pechtling nennet / vnd von den Dörffern zu verkauffen hinein kompt / gemachet / dasselbe wird hernacher zu Schiffe nacher Hamburg / vnd von dannen weiter in Engelland / Norwegen / vnd Island geführet / vnd daselbst in grosser menge verbrauchet.

Der Jetzel-Strom / so auß der Alten Marcke kompt / vnd oberhalb der Statt sich in drey Flüsse theilet / treibet ein Fluß die Mühlen / vff den übrigen zweyen Flüssen gehen die Schiffe nacher Hamburg vff vnd nieder.

Im übrigen liget diese Statt fein lustig / weil sie mit schönen Wiesen vnd Acker gantz herumb vmbgeben ist / zu deme fleusset der Strom zwischen den Wiesen allenthalben hindurch / vnd gebrauchen sich die Burgere daselbst kleiner Schiffe oder Kähne / wormit sie hin vnd wieder zu ihren Gärten / Wiesen / vnd benachbarten Stätten / sonder grosse Bemühung gelangen können. Noch liget ein schönes lustiges Gehöltze / der Wärder genant / gar nahe an dieser Statt / gehöret der Burgerschafft zu / worin nebst gutem Eichholtze zu brauen / auch gesunde Weide für das Vieh / vnd ander Gebüsche / so die Leute daselbst zu Zäunen gebrauchen / zu finden ist.

Das Fürstl. Schloß / so fast in der mitte dieser Statt liget / ist mit einem hohen / runden / vnd von gebranten Steinen dick vffgeführten Thurn / auch andern Gebäuden vnd Zimmern wol versehen / gestalt dann über 80. Jahr eine Fürstl. Residentz daselbst gewesen.

Den Schloßplatz hat Hertzog Augustus zu Braunschweig vnd Lüneburg / etc. verweitern / die verfallene Gemächer repariren / auch eine grosse Windelstiege / einem Thurne gleich / gantz von newem darauff bawen lassen / auch sonsten noch andere mehr Gemächer zu verfertigen / weiter gnädigst befohlen / die also den Platz schliessen werden / daß er gantz viereckicht wird.

In der mitten dieses Platzes / wird jetzo ein newer Brunnen / zimblicher tieffe / mit grossen Costen verfertiget / damit man stets Wasser zum Platze haben möge.

In dem alten Thurn / so vff dem Platze stehet / soll vormahl der König auß Dennemarck / Christiernus, gefangen gehalten worden seyn / wie die Custodia, da er gesessen / noch heutiges Tages gezeiget wird.

Dieses Schloß hat auch einen forder Platz / so mit einem Wassergraben vnd Brücken von dem rechten Schlosse separiret ist / in diesem Platze befinden sich die Fürstl. Cantzley / Amptstube / Marrstall / Schmiede / vnd dergleichen Gebäwde.

[73] Zu diesem Schlosse gehören weiter das Ampt / so in vnterschiedliche Vorwercke / Meyereyen / Schäffereyen / Dorffschafften / Mühlen / vnd dergleichen abgetheilet ist / dazu hat es guten Acker / Viehezucht / Wiesen vnd Weiden / vnd erstrecket sich vorlängst den Elbstrom / in die zwey gute Meil weges lang. An der ander seiten stosset vnd grentzet es mit den Aemptern Luchow vnd Hitzacker.

Es ist auch dieses Ampt mit einem Gehöltze / die Lucie genant / versehen / dergleichen man nicht so leicht finden wird: Dann anfangs ist es ein fruchtbar Holtz / von guter Mastung / hernach dienet es zu allerhand grossen Gebäwden / In dem Gesümpff / so vmb diesen Wald her gehet / stehet es voller Weichholtz / Drittens ist gute gesunde Vieheweide darin / Viertens hat es ein gute Wildbahn / von allerhand grossem vnd kleinem Wildbrät / Fünfftens gute Pferde- vnd Viehezucht / Fischerey / Ackerbaw / vnd Hopffen; Imgleichen gibt es vorlangst dem Jetzelstrom / so an der einen seiten deß Gehöltzes beyher gehet / die schönste Wiesen / so sich von der Statt Dannenberg an / biß nacher Luchow erstrecket / daher es dann auch kompt / daß das Holtz oder Wald mit Dörffern vnd wolgebawten Häusern versehen ist.

Die Einwohnere an diesem Orte / wie auch fast durchs gantze Ampt / gebrauchen sich / nebst ihrem Ackerbaw / vnd habenden Viehezucht / noch anderer Handthierung vnd Kauffmanschafft / als eines theils seyn Viehe- vnd Pferdehändler / andere gute Zimmerleute / Sägere / Schiffknechte / die so wol in Hispanien / Indien / vnd dergleichen abgelegenen Orten / als sonsten vff dem Elbstrom / vnd dieser ends sich gebrauchen lassen.

Es findet sich ein Alaunsberg oberhalb Dömitz / recht am Elbstrom belegen / wovon der Alaun / wann derselbe gesotten ist / weit vnd breit abgeholet vnd verkauffet wird. Es sind auch viele Heidberge in diesem Ampte gelegen / von denen etzliche halten möchten / daß sie gar nichts nutzeten / Es halten aber die Einwohner dieses Ampts / wegen deß grossen Gewins / den sie ohne einige Mühe vnd Costen von dem Wachs vnd Honig / so die Bienen auß den kleinen Heidbäumichen herauß suchen / vnd zusammen tragen / davon sehr viel / daher eins theils Leute diß Gebürge / weil sie es ohne grosse Gefahr / Mühe vnd Arbeit geniessen können / vnd ihnen Reichthumb bringet / weit höher schätzen / als sonsten andere Fundgrubener ihre Silber- vnd Metallene Berge / die sie mit grossen Kosten / Gefahr / Mühe vnd Arbeit bebawen vnd handthieren müssen / aestimiren möchten.

Es befindet sich auch ein Saltzbrunn mitten in dem Walde der Lucien / bey einem Dorffe / Nahmens Grossenheide / darauß kochen die Leute ihre Speise / vnd weil die Saltzader mit dem wilden Wasser gar vmbgeben ist / daß sie nicht kan separiret werden / so verleuret diese Sultze dadurch in etwas ihre Kräffte / vnd muß hingegen mit anderm Lüneburger Saltze verstärcket werden.