Topographia Braunschweig Lüneburg: Diepholtz

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Topographia Germaniae
Diepholtz (heute: Diepholz)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 74–75.
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[T26]
Diepholt (Merian).jpg
[74]
Diepholtz.

Ist ein Schloß vnd Stättlein dabey / vor Zeiten der nunmehr gäntzlich abgangenen Grafen zu Diepholtz vhralt vätterliches Stammhauß / vnd gewöhnlicher Sitz / hat den Nahmen von tieff / vnd Holtz / als tieff im Holtze gelegen. Dann wie auß einer alten Tradition berichtet wird / soll der alte erste Graff bey Cornau (welches ein Flecken / vnweit von dem Schloß Diepholtz ligend) seinen Sitz gehabt haben. Weil er aber wegen Kriegsgefahr vnd Vnsicherheit / daselbst nicht ruhig bleiben können / sey er etwas ferner / oder tieffer ins Holtz / [75] vnd in die sümpffige Oerter gerücket / vnd habe daselbst an dem Orte / da jetzo das Hauß Diepholtz liget / weil derselbe mit Morast vnd Wasser allenthalben vmbgeben / seine Wohnung angestellet. Zu welcher Zeit solches geschehen / vnd wie dieser Graff geheissen / kan man nicht eigentlich wissen / wiewol etliche davor halten / es sey Graff Otto gewesen.

Es ist dieses Gräffliches Schloß in einer grossen ebene / zwischen zweyen grossen sümpffigen Höltzern / der Dann- vnd Hundsbruch genant / belegen / hart an einem strenglauffenden fischreichen Strom / die Lohn genant / die gegend ist zimlich fruchtbar / hat rings herumb gute Weiden vnd Wiesenwachs / schöne fruchtbare Gärten vnd Aecker / auch vnterschiedliche kleine / jedoch fruchtbare vnd lustige Höltzungen.

Besagter Strom die Lohn entspringet in dem Stifft Oßnabrücke / bey dem Adelichen Hause Wiedela / auß einem Gebürge / vnd fleusset durch den grossen stehenden See / der Dümmer genant / wird von seinem Vrsprung an / biß zu seiner Ergiessung in den Dümmer / die Hunte genant. Nach seinem Außfluß aber biß hinter das Flecken Diepholtz / führet er den Nahmen der Lohn / wie vor besaget. Allda bekommet er seinen vorigen Nahmen wieder / nimmet seinen Lauff auff Wildeshausen vnd Oldenburg zu / woselbst er schiffreich wird / vnd sich endlich bey dem Dorffe Elsflische in die Weser ergeusset.

Dieses Gräffliche Residentz-Hauß ist ins viereckicht gebawet / vnd mit grossen Saalen vnd andern Gemächern überflüssig versehen / auch mit einem hohen starcken Walle vmbgeben gewesen. Es hat aber bey wehrendem leidigen Kriegswesen seiner Ruin nicht entgehen können. Dann nach dem es im Jahr 1637. durch einen vnvermuhteten Anschlag übergangen / vnd von dem Schwedischen Obristen Kratzenstein eingenommen worden / ist darauff Fewr an die Gebäue geleget / welche etliche Tage gebrant / vnd wann das Fewr etwa durch Regenwetter oder sonsten an etlichen Orten erloschen / hat man es so fort mit dürrem Holtz vnd Stroh / welches auß dem Flecken bey Fudern hinauff gefahren worden / an andern Orten wieder angezündet / biß alles Holtzwerck / vnd was deß Fewers Macht vnterworffen / gäntzlich eingeäschert / vnd nichts als etliche Mauren vnd rudera stehen blieben. Die Wälle seyn gleichfalls / wiewol auff Landesfürstlichen Befehl / herab genommen / vnd in den Graben gebracht. Anno 1651. ist es auff beschehene Fürstliche Verordnung / wiederumb in etwas repariret / vnd ein Stockwerck daran auffgebauet worden / mit welchem Baw dann vermuhtlich ferner wird verfahren werden.

Ein halb viertel weges von dem Hauß vnd Stättlein Diepholtz / ist ein Dorff / S. Hülffe genant / gelegen. Am selbigen Orte solle Keyser Carl der Grosse mit den Sachsen eine Schlacht gehalten / vnd wie er / nach Anruffung Göttlicher Hülffe / den Sieg davon bracht / dieser Ort davon solchen Nahmen bekommen haben. Gestalt dann Keyser Carl eine Kirche daselbst gestifftet / welche noch vor etlich hundert Jahren gestanden / vnd viel Walfahrten dahin gewesen. Nunmehr aber keine rudera davon mehr zu sehen.