Topographia Braunschweig Lüneburg: S. Andreasberg

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Topographia Germaniae
S. Andreasberg (heute: Sankt Andreasberg)
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aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 43–44.
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S. Andreasberg.

Die Fürstl. Braunschweig- Lüneburg- Grubenhagische Bergstatt S. Andreasberg / genant nach dem Apostel S. Andreas / ist auffkommen / nach dem die Herren Grafen von Honstein vnd Lutterberg / Herr Heinrich / vnd Herr Ernst / Gebrüdere / eine Berg-Freyheit / Anno 1521. Sontags post Viti, abfassen / vnd publiciren lassen / welcher Berg-Freyheit alle die / so in I. I. G. Gn. Herrschafft / es wäre an welchem Orte es wolle / Bergwerck suchen / antreffen / vnd bawen würden / zu geniessen haben solten. Worauff Bergleute in den Hartz sich gemacht / an dem Ort / da jetzo die Bergstatt stehet / Bergwerck angetroffen / vnd wo der Marckt ist / woselbst es etliche frische Quellen gehabt / die ersten Häuser auffgebawet haben / in welchem Jahr aber solches geschehen / ist vnbewust. Diese Bergstatt ist gelegen im Hartze / [44] zwo Meilen von dem grossen / hohen / vnd weitbekanten Berge / dem Brocken / nach Süden werts / Sie hebet sich an in einem Thal oder Grunde / nach dem Westen / vnd ist zu beyden seiten der Berge hinauff / biß vff die ebene gebawet / woselbst die Kirche stehet / genant zur H. Dreyfaltigkeit. Es ist daselbst vor 80. Jahren / wie es die Herren Grafen von Honstein gehabt / ein sehr reiches vnd löblich Bergwerck / vnd zur selben Zeit die Bergstatt in ihrem besten flor gewesen / zu welcher Zeit auch daselbsten mancherley reich Ertz gebrochen / wie vff den alten Zechen noch zu spüren / als rothgülden Ertz / braun rothgülden / Glaßertz / härig Ertz / ist wie ein krauß Haar / vnd fast gediegen Silber / Item / Kublet / Eisenschoß / Bleichschweiff / Glantz / etc. Vff einer Zechen / S. Georgen genant / hat ein Kux 500. Reichsthaler gegolten / vnd Außbeuthe geben in einem Quartal 68. Reichsthaler.

Vff einer andern fürnehmen Zeche / genant die Gnade Gottes / hat man in dem Silbergange ein Bergmännlin funden / eines Fingers lang / von reinem Silber / mit der Kittelkappen / Arßleder / Trog voll Ertz vff der Achsel / vnd sonsten gestalt wie ein Bergmann / welches die Natur in der Erden also artig formiret hat / daß es mit Verwunderung anzuschawen gewesen.

Vff einer andern Zeche / der Samson genant / hat man ein Crucifix funden / worauff der Leichnamb Christi / mit der dornen Cronen / außgestreckten Armen / vnd auffgenagelten Händen / biß vnten an den Leib / von feinem Silber formiret / als obs Menschen Hände gemacht hätten.

Es bestehet aber das Bergwerck selbigen Ortes in sehr schmalen Gängen / welche wie Zwirnsfäden durch das feste Gestein streichen / vnd wo sie zusammen kommen / sich veredlen / vnd einen stock Ertz machen / welches sehr reich am gehalt ist / daß vff etzlichen Zechen der Centner Ertz an die hundert Marck Silber gehalten. Vff etlichen Zechen ist rein gediegen Silber gebrochen / das man mit einem Hammer breit schlagen / vnd prägen mögen.

Man hat auch daselbst vor Alters / bey guter Auffnahm deß Bergwercks / vmb die Bergstatt Ackerbaw gehabt / so aber nunmehr gantz eingestellet. Noch vor dreyssig Jahren seynd bey die 500. Häuser allda gestanden / alle von Fichtenholtz gebawet / vnd formiret / wie in den nechstgelegenen Flecken / vff dem Lande Lauterberg vnd Hertzberg / welche sieder dem grossen Sterben / vnd bey eingerissenem Kriegsvnwesen / über die helffte abgangen / das Bergwerck auch gefallen / daß es wenig Nahrung gibt / vnd die Einwohner ihre Nahrung jetziger Zeit im Walde / vnd vff den Eisenhütten / mehrentheils aber vff dem Lande suchen müssen.

Das Wasser so die Einwohner gebrauchen / wird in einem Graben / der eine halbe Meil weges über der Bergstatt / nach Norden werts / im Walde sich anfähet / auß den nechsten Quellen vnd Bächlein zusammen / hernach durch einen Berg / der Sandhügel genant / vnd dann weiter in höltzern Röhren vff die Bergstatt geführet / vnd auff alle Gassen außgetheilet.

In dem vorgewesenen dreyssig Jährigen schrecklichen Teutschen Kriege / ist diese Bergstatt / mittels deß lieben Gottes / vnd der hohen Landesfürstlichen Obrigkeit Schutzes / vor aller gefährlichen vnd schädlichen Einquartierung / Außplünderung vnd Vberfall befreyet vnd verschonet blieben / da doch starcke Partheyen / zu etlichen hundert Pferden / mitten vnd oben durch die Bergstatt marchiret / vnd draussen auff den Wiesen ihr Nachtquartier nehmen müssen / auch vnterschiedliche Anschläge / die Bergstatt zu überfallen / von den kriegenden Völckern gemacht worden.