Topographia Circuli Burgundici: Ivois

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Topographia Germaniae
Ivois (heute: Carignan)
<<<Vorheriger
S. Johannsberg
Nächster>>>
Kettenhoven
aus: Matthäus Merian (Herausgeber und Illustrator) und Martin Zeiller (Textautor):
Merian, Frankfurt am Main 1654, S. 234.
Wikisource-logo.png [[| in Wikisource]]
Wikipedia-logo.png Carignan (Ardennes) in der Wikipedia
Bearbeitungsstand
korrigiert
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Um eine Seite zu bearbeiten, brauchst du nur auf die entsprechende [Seitenzahl] zu klicken. Weitere Informationen findest du unter Hilfe
Link zur Indexseite


[234] Ivois, Ivodium, Yvesum, auff Teutsch Yvers / ein vornehmer Ort im Hertzogthumb Luzenburg / an den Grentzen der Graffschafft Chini, ein Meilwegs von der Frantzösischen Statt Mouzon, und an einem lustigen Ort gelegen. Soll den Nahmen vom Jove haben / der vor Zeiten allda einen ansehenlichen Tempel gehabt. Es seyn vor mehr als 400. Jahren / eigne Herren dieses Orts gewesen / so die Graffen von Chini nicht für ihren Oberherren erkant; biß selbige Graffen entweder mit Geld / oder durch Heurath / diese Herrschafft Ivois zur Graffschafft Chini gebracht haben. Aber Anno 1340. hat Johannes, König in Böheim / und Graff zu Luxemburg / erstlich dieses Ivois, hernach auch Fertè, Vierton, und Estelles, umb ein grosse Summa Gelts erkaufft; dardurch dieses Ivoidische Gebiet / von der Graffschafft abgesondert worden ist. Und als folgends Anno 1372. die Gräfin Margaretha von Chini, und Loos / ohne Kinder verstorben / so hat der Käyser die Graffschafft Chini dem Hertzog Wenceslao zu Luzenburg geben / die Herrschafft Loos aber dem Stifft Lüttich gelassen; wie hievon auch oben bey Chini gesagt worden ist. Bertelius schreibet / daß Richardus Wassenbourg / Archidiaconus zu Verdun, dieses Stättlein Euasium nenne / bey welchem auch gelesen werde / daß Käyser Henricus II. umbs Jahr 1022. (al. 23.) allhie ein Concilium gehalten habe / auff welchem König Robert auß Franckreich / in eigner Person / den Käyser besucht / auch daselbst viel ErtzBischöffe / Bischöffe / und andere Praelaten / viel Dings zu Nutz der Kirchen / geordnet haben. Es ist Ivois auff einem gar fruchtbaren Boden gelegen / und vor Zeiten so vest gewesen / daß kein Feind / wie mächtig er auch war / ihme solches hat unterwerffen können / biß endlich An. 1552. König Heinrich in Franckreich solches erobert / als die Teutschen Knecht / so viel mehr umb Geld schreyen thaten / sich nicht wehreten. Durch deren Hartnäckigkeit dann geschehen / daß dieses vorhin allezeit unüberwindliches Stättlein ins Verderben gesetzt worden. Dann / als die Frantzosen die Thor / und Mauren / mit Gewalt eröffnet / da ist nichts mehr in seinem Stande geblieben / sondern alles verwüstet / und außgeplündert / und Graff Peter Ernst von Manßfeld / so damals im Stättlein war / gefangen nach Franckreich geführt worden; daselbsten dieser deß Hertzogthumbs Luxemburg Statthalter 7. Jahr lang gesessen ist: Franckreich aber hat unterdessen dieses Stättlein biß auffs 1559. Jahr behalten / darinnen die beede Cronen / Franckreich / und Spanien / Frieden gemacht / und Franckreich dieses Ivois dem in Spanien / mit der Condition wieder zugestellt / daß so wol die Mauren / als Gräben / solten geschlaifft werden, in welchem betrübten Stande auch dieser Ort noch zu deß Bertelii Zeiten / umbs Jahr 1605. gewesen. Er sagt gleichwol / daß Anno 1595. der Herr von Sedan / durch Trohwort / und Ubergab / sich dieses Orts bemächtigt / und die fürnehmste deß Stättleins / oder die Beampte / und Edelleut / nach Sedan in die Gefängnuß geführt. So haben die Frantzosen Anno 1637. dieses an dem Wasser Chier, oder Caro, gelegenes Stättlein / durch eine Belagerung einbekommen / nachmals aber wieder verlohren / und Anno 38. vergebens angegriffen. Darauß dann erscheinet / daß solcher Ort wiederumb etwas bevestigt worden seyn müsse. Sonsten ist bey dem obern zu mercken / das Martin. Bellajus Langvaeus lib. 9. rer. Gall. fol. 358. berichtet / daß Ivois, so man vor das vesteste Stättlein in gantz Lüzelburg gehalten / allbereit An. 1542. von den Frantzosen eingenommen worden. Und sagt Johannes Serres in Inventario generali histor. Franc. Tom. 4. p. 24. daß im gedachten 1552. Jahr Yuoy, sampt andern Plätzen / wieder von den Frantzosen erobert / aber ärger / als vorhin / da gehauset worden / und dieses ihr letzter Eschecmat, oder Untergang / gewest seye. Aber Anno 1650. ward Ivois wieder Spanisch. Es hat ein vornehmes Canonisch-Stifft zu S. Marien allhie.